WMX – Wenn der Zielsprung plötzlich zum Problem wird
Lotte van Drunen erlebte beim MXGP of France in LaCapelle-Marival einen schwierigen Auftakt in die neue WMX-Saison.
Lange mussten die Fahrerinnen der Women Motocross World Championship auf ihren ersten Grand Prix der Saison 2026 warten. Während MXGP und MX2 bereits mehrere Rennen absolviert hatten, begann die WMX-Saison erst jetzt in LaCapelle-Marival.
Die traditionsreiche Hartbodenstrecke im Süden Frankreichs präsentierte sich dabei genau so, wie viele Fahrer sie erwartet hatten: oldschool, technisch und körperlich anspruchsvoll. Schon am Samstag wurde allerdings deutlich, dass nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Strecke selbst zu einem entscheidenden Faktor werden würde.
Vor allem ein Sprung rückte immer stärker in den Mittelpunkt.
Tiefe Rillen sorgen für Probleme
Im Verlauf des Vormittags bildeten sich am Zielsprung immer tiefere Spurrillen. Genau dort verloren später mehrere Fahrerinnen die Kontrolle über ihre Motorräder.
Besonders auffällig: Gleich zwei Weltmeisterinnen erwischte es nahezu an derselben Stelle.
Den Anfang machte Titelverteidigerin Lotte van Drunen. Die Niederländerin geriet kurz vor dem Absprung in unterschiedliche Rillen und konnte den folgenden Sturz nicht mehr verhindern. Statt um den Laufsieg zu kämpfen, musste sie das Rennen anschließend aus dem hinteren Feld aufnehmen.
Trotz einer starken Aufholjagd reichte es am Ende nur noch für Platz neun.
Auch Courtney Duncan stürzt am selben Sprung
Wenig später traf es auch Courtney Duncan. Für die vierfache Weltmeisterin war das Wochenende ohnehin besonders emotional, nachdem sie nach langer gesundheitlicher Pause erstmals wieder bei einem WMX-Grand-Prix antrat.
Der Sturz am Zielsprung fiel spektakulärer aus als jener von van Drunen, Duncan kam allerdings glimpflicher davon. Sie konnte das Rennen fortsetzen und sich später wieder im Mittelfeld einsortieren.
Mit Elsa Anderssen-Löeff stürzte anschließend sogar noch eine dritte Fahrerin an nahezu derselben Stelle.
Diskussionen um den Zustand des Sprungs
Denn die tiefen Rillen sorgten nicht nur für unterschiedliche Linien beim Anfahren, sondern machten den Absprung zunehmend unruhig und schwer kalkulierbar. Auffällig dabei: Auch MXGP-Kommentator Paul Malin sprach die Problematik des Zielsprungs bereits während des Livestreams offen an und verwies auf die schwierigen Bedingungen in diesem Bereich der Strecke.
Gerade auf einer Strecke wie LaCapelle-Marival, auf der ohnehin viele harte Kanten und ausgefahrene Passagen entstehen, kann sich so eine Situation innerhalb weniger Sessions schnell zuspitzen und so wurde der Sprung vor dem Lauf der EMX125 nachbehandelt.
Fontanesi nutzt das Chaos eiskalt aus und fährt zum Laufsieg
Während hinter ihr mehrere Favoritinnen Probleme hatten, zog Kiara Fontanesi vorne unbeirrt ihr Rennen durch.
Die Italienerin kontrollierte den Lauf von Beginn an und machte früh klar, dass der Sieg am Samstag nur über sie gehen würde. Gerade in den schwierigen Passagen wirkte Fontanesi deutlich ruhiger und sauberer als viele ihrer Konkurrentinnen.
Dadurch profitierte sie nicht nur von ihrer eigenen Geschwindigkeit, sondern auch von den Fehlern der direkten Konkurrenz.
Strecke wurde zum entscheidenden Faktor
Der WMX-Auftakt zeigte damit bereits am ersten Rennwochenende, wie schnell sich ein Grand Prix auf klassischen Naturstrecken verändern kann.
Nicht nur Starts oder reine Geschwindigkeit entschieden in LaCapelle-Marival über das Ergebnis. Teilweise ging es schlicht darum, Fehler zu vermeiden und sich an die ständig wechselnden Bedingungen anzupassen.
Und genau dort wurde der Zielsprung am Samstag plötzlich zu einer der kritischsten Stellen der gesamten Strecke.
