Erleben wir gerade den besten Jeffrey Herlings seit Jahren?
Jeffrey Herlings gewinnt in Lommel den dritten Grand Prix in Folge in der Saison 2026
Drei Grand-Prix-Siege in Folge. Drei perfekte Rennwochenenden hintereinander. Jeffrey Herlings hat in Foxhill, Loket und nun auch in Lommel jeweils alle Wertungsläufe gewonnen. Nach 14 von 19 Grand Prix führt der Niederländer die MXGP-Weltmeisterschaft an – und stellt sich inzwischen eine Frage, die vor wenigen Monaten kaum jemand gestellt hätte: Erleben wir gerade den stärksten Jeffrey Herlings seit Jahren?
Ein Blick auf die Zahlen liefert jedenfalls reichlich Argumente.
Zahlen, die kaum Wünsche offenlassen
120 Grand-Prix-Siege. Zwölf Laufsiege in der laufenden Saison. Elf Podiumsplatzierungen bei 14 Veranstaltungen. Fünf Pole Positions und inzwischen 170 Führungsrunden.
Vor allem in den vergangenen Wochen hat Herlings eine Konstanz erreicht, die selbst in seiner langen Karriere nicht selbstverständlich war. Seit dem Grand Prix von Foxhill scheint der Honda-Werksfahrer das Geschehen nahezu nach Belieben zu kontrollieren.
In Lommel ließ er daran keinen Zweifel aufkommen. Er gewann jede Trainingssession, sicherte sich die Pole Position und entschied Qualifikationsrennen sowie beide Wertungsläufe für sich. 60 Punkte – das Maximum.
Siege ohne das letzte Risiko
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Art und Weise. Früher war Herlings häufig dafür bekannt, jeden Meter am Limit zu fahren. Heute wirkt vieles kontrollierter. In Lommel sprach er selbst davon, dass er im ersten Lauf durchaus noch Reserven gehabt habe. „Ich hätte wahrscheinlich noch ein oder zwei Sekunden pro Runde schneller fahren können. Aber ich musste dieses Risiko nicht eingehen.“
Im zweiten Lauf änderte sich die Situation. Ein technisches Problem zwang ihn dazu, das Rennen anders anzugehen. „Ich musste den Motor schonen. Zum Glück hatte ich einen guten Start und konnte von vorne fahren. So konnte ich den Vorsprung verwalten und das Motorrad ins Ziel bringen.“
Auch das ist eine Qualität, die den heutigen Herlings auszeichnet. Er gewinnt nicht mehr ausschließlich über pure Geschwindigkeit, sondern zunehmend über Rennintelligenz.
Honda scheint perfekt zu passen
Dass Herlings diesen Schritt gemacht hat, führt er auch auf sein neues Arbeitsgerät zurück. Der Wechsel zu Honda war ein Risiko. Ohne vorherige Testfahrten unterschrieb der Niederländer seinen Vertrag – eine Entscheidung, die sich inzwischen auszahlt. „Ich habe praktisch blind bei Honda unterschrieben. Das war ein großes Risiko, aber zum Glück hat es funktioniert.“
Besonders die Charakteristik des Motorrads sagt ihm zu. „Die Honda ist deutlich aggressiver und direkter. Vor allem beim Start ist sie viel schärfer. Genau das hatte ich mir gewünscht.“ Die Zahlen bestätigen diese Aussage. Fünf Pole Positions und zahlreiche Holeshots zeigen, dass Herlings bereits am Start häufig den Grundstein für seine Siege legt.
Mehr als nur Geschwindigkeit
Der vielleicht größte Unterschied zu früher liegt jedoch im Umgang mit den Rennen. In Lommel fuhr Herlings nahezu jede Runde in Führung. Überholmanöver waren gar nicht nötig. „Es fühlt sich großartig an. Dieses Wochenende habe ich praktisch jede Runde angeführt. Da konnte ich das Rennen richtig genießen.“
Auch der Blick auf die Meisterschaft zeigt, wie stark sich das Blatt gewendet hat.
Nach seiner Verletzung lag Herlings zeitweise 69 Punkte hinter Lucas Coenen zurück. Heute reist er mit 49 Punkten Vorsprung zu den letzten fünf Grand Prix der Saison. Innerhalb weniger Wochen hat der Niederländer den Rückstand also in einen komfortablen Vorsprung verwandelt.
Ist das der beste Herlings seit Jahren?
Statistisch spricht vieles dafür. Die Saison 2026 gehört schon jetzt zu den stärksten, die Herlings seit langer Zeit gefahren ist. Er gewinnt nicht nur Rennen, sondern tritt so konstant auf wie selten zuvor. Fehler sind kaum zu sehen, technische Probleme bringen ihn nicht aus der Ruhe und selbst auf Strecken, auf denen die Konkurrenz Hoffnungen hatte, setzt er sich deutlich ab.
Ob er damit bereits besser ist als der Herlings früherer Jahre, wird jeder Fan unterschiedlich bewerten. Der Jeffrey Herlings von 2018 war vielleicht noch explosiver. Der Herlings von 2021 dominierte ebenfalls viele Rennen.
Der Herlings des Jahres 2026 wirkt dagegen kompletter.
Er fährt mit derselben Geschwindigkeit wie früher, trifft aber deutlich häufiger die richtigen Entscheidungen. Genau diese Mischung aus Tempo, Erfahrung und Rennintelligenz könnte der Schlüssel sein, warum der Niederländer aktuell so souverän auftritt wie lange nicht mehr.
