Ducati greift an: Skovbjerg vor MX2-Werksvertrag, Hampshire für die USA?
Nicolai Skovbjerg soll ab 2027 für das Ducati MX2 Werksteam ausrücken
Wie schnell will Ducati sein Motocross-Projekt eigentlich ausbauen? Glaubt man den Informationen, die derzeit im Fahrerlager die Runde machen, bekommen die Italiener für 2027 nicht nur in Europa, sondern auch in den USA prominenten Zuwachs.
Besonders interessant ist dabei die Personalie Nicolai Skovbjerg. Der 20-jährige Däne soll nach unseren Informationen seinen ersten Werksvertrag unterschrieben haben und 2027 für Ducati in der MX2-Weltmeisterschaft antreten.
Offiziell bestätigt ist der Wechsel bislang nicht. Teamchef Markus Weinbuch bestätigte uns den Weggang seines Schützlings, konnte zu einem möglichen Factory-Vertrag oder Skovbjergs neuem Arbeitgeber allerdings keine Angaben machen.
Dass Skovbjerg für ein Werk interessant geworden ist, überrascht allerdings kaum. Ende August machte er in Vellahn vorzeitig den Titel im ADAC MX Youngster Cup klar. Dabei war seine Saison alles andere als geradlinig verlaufen. Zu Beginn des Jahres trat er noch für MX-Handel Husqvarna Racing an, ehe er während der laufenden Saison zu SixtySeven Racing wechselte. Bereits in Tensfeld stand er für das neue Team ganz oben auf dem Podium.
Wenige Wochen später war der Titel durch.
Vom Youngster-Cup direkt ins Ducati-Werksteam?
Sollten sich unsere Informationen bestätigen, würde Skovbjerg damit einen ziemlich großen Schritt machen.
Statt einer weiteren Saison über ein Satelliten- oder Nachwuchsteam würde es für ihn direkt auf die Ducati Desmo250 MX und in die MX2-Weltmeisterschaft gehen. Vor allem der Status wäre neu: Für Skovbjerg wäre es der erste Factory-Vertrag seiner Karriere.
Der Zeitpunkt passt. Mit 20 Jahren ist der Däne in einer Phase angekommen, in der der nächste Schritt ohnehin ansteht. Im ADAC MX Youngster Cup hat er 2026 gezeigt, dass er Rennen kontrollieren, sich nach schlechten Starts nach vorne arbeiten und eine Meisterschaft zu Ende bringen kann. In Vellahn reichte ihm im entscheidenden Lauf Platz drei zum vorzeitigen Titel, ohne dass er dafür unnötig etwas erzwingen musste.
Eine komplette MX2-WM-Saison ist trotzdem eine andere Nummer.
Dort geht es nicht mehr darum, ob Skovbjerg im Youngster Cup zu den Schnellsten gehört. Dann steht er Wochenende für Wochenende gegen Fahrer am Gatter, die seit Jahren auf WM-Niveau unterwegs sind. Gleichzeitig befindet sich auch Ducatis 250er-Projekt noch im Aufbau.
Genau deshalb wäre die Kombination interessant: ein junger Fahrer, der seinen nächsten Schritt machen muss, auf einem Motorrad, das sich ebenfalls erst international etablieren soll.
Für SixtySeven Racing wäre der Wechsel dagegen bitter. Das Team holte Skovbjerg mitten in der Saison und feierte nur wenige Monate später gemeinsam mit ihm den Youngster-Titel. Nun könnte genau dieser Erfolg dazu geführt haben, dass Ducati angeklopft hat.
So funktioniert das Fahrerlager eben auch.
Hampshire soll Ducati in den USA verstärken
Und Europa ist offenbar nicht die einzige Baustelle. Auch für das amerikanische Ducati-Programm kursiert ein neuer Name. RJ Hampshire soll nach derzeitigen Gerüchten 2027 für die Italiener in der SuperMotocross-Saison antreten.
Der 30-Jährige wäre für Ducati ein ganz anderer Transfer als Skovbjerg. Hier würde kein Nachwuchsfahrer verpflichtet, den man langsam an die Weltspitze heranführen muss, sondern ein erfahrener US-Profi, der die Besonderheiten des Supercross kennt und dem Hersteller gerade bei der Weiterentwicklung des amerikanischen Rennprogramms wertvolles Feedback liefern könnte.
Noch offen ist allerdings, wie umfangreich ein möglicher Vertrag tatsächlich wäre.
Denkbar ist eine reine Supercross-Saison. Ebenso ist derzeit nicht ausgeschlossen, dass Hampshire anschließend auch in der Pro Motocross Championship und damit über die komplette SuperMotocross-Saison für Ducati fährt.
Solange weder Fahrer noch Hersteller etwas bestätigen, bleibt beides Spekulation.
Zwei Verpflichtungen mit völlig unterschiedlichen Aufgaben
Interessant ist weniger, dass Ducati möglicherweise zwei neue Fahrer verpflichtet. Interessant ist, wie unterschiedlich diese beiden Personalien wären.
Skovbjerg wäre eine Investition in die Zukunft. 20 Jahre alt, gerade Youngster-Champion geworden und vor seiner ersten kompletten MX2-WM-Saison auf diesem Niveau. Hampshire wäre das Gegenstück: Erfahrung, Supercross-Know-how und ein Fahrer, der einem noch jungen US-Projekt unmittelbar Rückmeldung geben kann.
Sollten beide Deals tatsächlich unterschrieben sein, würde Ducati damit ziemlich deutlich zeigen, wohin die Reise 2027 gehen soll. Das Offroad-Projekt wächst dann nicht mehr nur über neue Motorräder und zusätzliche Klassen. Ducati beginnt gleichzeitig, sich auf beiden Seiten des Atlantiks das entsprechende Fahrerpersonal zusammenzustellen.
Bei Skovbjerg dürfte vor allem interessant werden, wie schnell er sich von der Rolle des Youngster-Cup-Champions lösen kann. Ein Werksvertrag klingt zunächst nach dem großen Durchbruch. In der MX2-WM beginnt die eigentliche Arbeit allerdings erst.
Und bei Hampshire fehlt noch eine ganz andere Antwort: Will Ducati ihn nur für die Stadien – oder tatsächlich für die komplette amerikanische Saison?
