MXGP-Finale in Australien: Zwei Titel sind noch offen

Camden McLellan hält sich mit seinem Sieg in China letzte Titelhoffnungen für das Finale in Australien offen

Camden McLellan hält sich mit seinem Sieg in China letzte Titelhoffnungen für das Finale in Australien offen. / Foto: Ray Archer

Die Motocross-Weltmeisterschaft geht in Darwin in ihr letztes Wochenende des Jahres – und obwohl Jeffrey Herlings seinen sechsten WM-Titel längst sicher hat, sind längst nicht alle wichtigen Entscheidungen gefallen. Vor allem in der MX2 und WMX wartet noch reichlich Arbeit, bevor die letzten Red Plates der Saison abgegeben werden können. 

Zum zweiten Mal nach 2025 endet die Saison auf dem Hidden Valley Motorsports Complex. Damals war die Strecke für praktisch das gesamte WM-Fahrerlager Neuland. Diesmal kennt zumindest ein Teil der Fahrer die Bedingungen – und einige kommen mit ziemlich unterschiedlichen Erinnerungen zurück.

Jeffrey Herlings gehört zu denen, die noch eine Rechnung offen haben. Der Niederländer reist zwar als Weltmeister an, einen Grand Prix in Australien hat er aber noch nicht gewonnen. Im vergangenen Jahr musste er sich Lucas Coenen geschlagen geben, der diesmal verletzungsbedingt fehlt. 

Herlings fährt inzwischen gegen seine eigene Serie

Sportlich muss Herlings niemandem mehr etwas beweisen. Trotzdem hat sich für das Finale ein neues Spiel entwickelt.

Seit der zwölften WM-Runde hat der Honda-Pilot laut Infront 38 Sessions in Folge gewonnen. Dazu kommen sieben GP-Siege hintereinander und 14 gewonnene Sonntags-Motos am Stück. Gewinnt er auch in Darwin den Grand Prix, würde er gleichzeitig bei 125 GP-Siegen ankommen. 

Das sind Zahlen, die irgendwann anfangen, ein Eigenleben zu entwickeln.

In Shanghai bekam Herlings allerdings bereits einen Vorgeschmack darauf, dass die Konkurrenz wenig Lust hat, ihm auch noch den Rest der Saison kampflos zu überlassen. Romain Febvre hing ihm im zweiten Moto bis in die Schlussphase am Hinterrad und warf erst mit einem Fehler in der letzten Runde seine letzte Angriffsmöglichkeit weg.

Für Febvre steckt in Darwin zusätzlich etwas Persönliches drin. Der Franzose steht als WM-Zweiter fest und bestreitet seinen letzten Grand Prix für Kawasaki, bevor nach dem Motocross of Nations seine siebenjährige Zeit bei den Grünen endet. 

Dahinter gibt es tatsächlich noch einen offenen Kampf. Tom Vialle übernahm in China WM-Rang vier von Andrea Adamo. Viel Luft hat er sich damit nicht verschafft: 593 zu 592 Punkte. Der Kampf um Platz vier ist gleichzeitig das Duell um den bestplatzierten MXGP-Rookie der Saison. 

Farres fehlen am Samstag möglicherweise nur drei Punkte

In der MX2 sieht die Sache völlig anders aus. Guillem Farres reist mit 48 Punkten Vorsprung auf Camden McLellan nach Darwin. Triumph weiß damit bereits vor dem ersten Training, dass der Weltmeister aus den eigenen Reihen kommen wird. Für ein Werk, das erst seine dritte Saison im Grand-Prix-Sport bestreitet, ist das eine bemerkenswerte Geschichte. 

Die eigentliche Entscheidung könnte schneller fallen als gedacht.

Holt Farres im Qualifying Race am Samstag drei Punkte mehr als McLellan, ist die Weltmeisterschaft entschieden. Schafft er das nicht, geht der Titelkampf in die beiden Sonntags-Motos.

McLellan hat in China allerdings gezeigt, dass er nicht vorhat, seinem Teamkollegen den Titel einfach zu überreichen. Der Südafrikaner gewann dort seinen vierten Grand Prix der Saison und vertagte damit bereits die erste mögliche Titelentscheidung. 

Für Farres verändert das die Aufgabe kaum. Er muss McLellan nicht zwingend schlagen. Er muss vor allem vermeiden, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen.

Das kann im Motocross unangenehm werden. Wer plötzlich rechnen kann, beginnt manchmal auch zu rechnen.

Längenfelder kann noch WM-Dritter werden

Hinter den beiden Triumph-Piloten geht es ebenfalls noch um etwas. Sacha Coenen liegt sieben Punkte vor Simon Längenfelder. Für Coenen wäre Rang drei seine erste WM-Medaille. Längenfelder dagegen kehrt an den Ort zurück, an dem er im vergangenen Jahr seinen MX2-Weltmeistertitel gefeiert hat. 

Ganz raus ist auch Liam Everts noch nicht. Der Husqvarna-Pilot liegt weitere 26 Punkte hinter Längenfelder und kommt mit vier GP-Podien in Folge nach Australien. Gleichzeitig droht ihm die erste Saison seit 2022 ohne einen einzigen GP-Sieg. 

Für die deutschen Fans dürfte der Blick trotzdem hauptsächlich auf Längenfelder gehen. Der Titel ist längst weg, aber WM-Rang drei liegt gerade einmal sieben Punkte entfernt. Nach einer Saison, in der für ihn längst nicht alles nach Plan lief, gibt es in Darwin also noch ein klares Ziel.

WMX – Sechs Punkte zwischen Guillen und Fontanesi

Noch enger ist die Ausgangslage bei den Frauen. Daniela Guillen führt die WMX-Wertung mit gerade einmal sechs Punkten Vorsprung auf Kiara Fontanesi an.Zwei Rennen stehen in Darwin noch aus – eines am Samstag und eines am Sonntag. 

Allein die beiden Namen machen das Duell interessant.

Auf der einen Seite die 20-jährige Guillen, die mit einem kleinen Vorsprung in ihr entscheidendes Wochenende geht. Auf der anderen Fontanesi, die bereits sechs Weltmeistertitel gewonnen hat und nun nach ihrem siebten greift – sechs Jahre nachdem sie Mutter geworden ist.

Und dann gibt es noch Lotte van Drunen. Die amtierende Weltmeisterin hat sich mit ihrem Doppelsieg beim Heim-GP in den Niederlanden rechnerisch im Spiel gehalten. Bei 48 Punkten Rückstand braucht es allerdings einen ziemlich wilden Verlauf des Wochenendes, damit aus dieser theoretischen Chance noch eine echte Titelverteidigung wird. 

Darwin bekommt damit ein Finale mit zwei völlig unterschiedlichen Titelkämpfen. Farres bringt in der MX2 ein ordentliches Punktepolster mit und könnte bereits am Samstag alles klarmachen. Zwischen Guillen und Fontanesi reichen dagegen sechs Punkte, damit praktisch jeder Fehler die Reihenfolge wieder umdrehen kann.

Und während dort noch gerechnet wird, kann Herlings völlig ohne Taschenrechner fahren. Für ihn geht es darum, eine Siegesserie fortzusetzen, die inzwischen fast genauso viel Aufmerksamkeit bekommt wie sein bereits gewonnener WM-Titel.

Zeitplan des MXGP of Australia 2026

Samstag

03:15 – 03:40 Uhr MX2 Freies Training
03:45 – 04:10 Uhr MXGP Freies Training
05:50 – 06:15 Uhr MX2 Zeittraining
06:30 – 06:55 Uhr MXGP Zeittraining
07:55 Uhr MX2 Qualifikationsrennen – 20 Minuten + 2 Runden
08:40 Uhr MXGP Qualifikationsrennen – 20 Minuten + 2 Runden

Sonntag

04:45 Uhr MX2 Rennen 1 – 30 Minuten + 2 Runden
05:45 Uhr MXGP Rennen 1 – 30 Minuten + 2 Runden
07:40 Uhr MX2 Rennen 2 – 30 Minuten + 2 Runden
08:40 Uhr MXGP Rennen 2 – 30 Minuten + 2 Runden

Alle Angaben ohne Gewähr.