Southwick: Coenen gewinnt, Kitchen ist back und Davies übernimmt das Red Plate

The WIck 338 in Southwick ist die einzige echte Sandstrecke im AMA Pro Motocross Kalender

The WIck 338 in Southwick ist die einzige echte Sandstrecke im AMA Pro Motocross Kalender. / Foto: Align Media

Das Podium der 250er-Klasse in Southwick spiegelte die ganze Dramatik der diesjährigen AMA Pro Motocross Saison wider. Sacha Coenen dominierte das Geschehen nach Belieben und feierte einen souveränen Doppelsieg. Levi Kitchen zeigte nach einem enttäuschenden Wochenende in RedBud die erhoffte Reaktion. Und Cole Davies verließ Massachusetts als neuer Träger des Red Plate – obwohl sein eigener Renntag alles andere als reibungslos verlief.

Während Coenen sportlich das Maß der Dinge war, könnte ausgerechnet sein perfektes Wochenende noch einen bitteren Nachgeschmack bekommen.

Sacha Coenen fährt der Konkurrenz davon – verliert trotzdem

Schon im Qualifying machte Sacha Coenen deutlich, dass an diesem Tag kaum ein Weg an ihm vorbeiführen würde. Der Belgier setzte die Bestzeit und bestätigte diesen Eindruck wenig später auch im ersten Wertungslauf.

Nach einem starken Start übernahm der KTM-Pilot früh die Führung und fuhr dem Feld Runde für Runde davon. Im Ziel betrug sein Vorsprung auf Levi Kitchen mehr als 33 Sekunden.

Auch im zweiten Lauf bestimmte Coenen das Tempo. Er kontrollierte das Rennen bis kurz vor Schluss, ehe ein heftiger Sturz den sicher geglaubten Sieg plötzlich infrage stellte. Trotz sichtbarer Schmerzen nahm der MX2-WM-Spitzenreiter das Rennen wieder auf und brachte auch den zweiten Lauf als Sieger ins Ziel.

Sportlich hätte das Wochenende kaum besser laufen können. Dennoch könnte Southwick rückblickend zum teuersten Sieg seiner Saison werden.

Nach seinem Sturz klagte Coenen über Schmerzen an der Schulter und deutete eine Schlüsselbeinfraktur an. Weitere medizinische Untersuchungen sollen nun zeigen, wie schwer die Verletzung tatsächlich ist. Sollte sich der Verdacht auf eine ernsthafte Blessur bestätigen, könnte der Gaststart in den USA den Kampf um den MX2-Weltmeistertitel entscheidend beeinflussen.

Der Pokal für den Tagessieg steht bereits in der Vitrine. Ob der Preis dafür am Ende zu hoch war, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Kitchen findet zurück in die Erfolgsspur

Für Levi Kitchen war Southwick vor allem eines: die passende Antwort auf RedBud.

Der Kawasaki-Pilot zeigte vom ersten Training an, dass er wieder vorne mitmischen wollte. Im ersten Lauf wurde er allerdings früh ausgebremst. Nach einem Sturz musste sich Kitchen erneut durchs Feld kämpfen – und genau das gelang ihm eindrucksvoll. Trotz der schwierigen Bedingungen arbeitete er sich bis auf Rang zwei nach vorne.

Im zweiten Lauf fehlte ihm nach eigener Aussage etwas die Kraft, dennoch verteidigte er erneut den zweiten Platz und sicherte sich damit auch Rang zwei in der Tageswertung.

Mit seinem Wochenende war Kitchen grundsätzlich zufrieden. Gleichzeitig machte er keinen Hehl daraus, dass Coenen an diesem Tag außer Reichweite fuhr. Entscheidend sei für ihn gewesen, dass die Starts endlich wieder funktioniert hätten. Genau dort hatte er in den vergangenen Rennen immer wieder Zeit verloren.

Davies macht das Beste aus einem schwierigen Tag

Cole Davies dürfte Southwick mit gemischten Gefühlen verlassen haben.

Vor dem ersten Lauf entschied sich der Yamaha-Pilot gemeinsam mit seinem Team für Änderungen an der Motorradabstimmung. Im Nachhinein sprach Davies offen davon, dass dies die falsche Entscheidung gewesen sei. Er fand nie richtig seinen Rhythmus, stürzte und musste sich mit Rang sieben begnügen.

Vor dem zweiten Lauf kehrte das Team zur ursprünglichen Abstimmung zurück – mit sofortigem Erfolg.

Davies schnappte sich erneut den Holeshot und fuhr anschließend auf den zweiten Platz. Damit rettete er nicht nur Rang drei in der Tageswertung, sondern holte auch genau die Punkte, die am Ende den Unterschied machten.

Shimodas Ausfall verändert den Titelkampf

Die größte Wendung im Kampf um die Meisterschaft gab es allerdings schon vor dem ersten Rennlauf. Jo Shimoda reiste als Tabellenführer und Träger des Red Plate nach Southwick. Doch bereits im Qualifying stürzte der Honda-Pilot schwer und zog sich eine Schlüsselbeinfraktur zu. An einen Start in den beiden Wertungsläufen war nicht mehr zu denken.

Damit musste Shimoda seine Tabellenführung kampflos abgeben.

Davies nutzte die Gelegenheit, auch wenn er selbst keinen perfekten Renntag erwischte. Mit Platz drei in der Tageswertung übernahm der Neuseeländer das Red Plate und reist nun als neuer Meisterschaftsführender nach Millville.

Auch Levi Kitchen profitierte vom Ausfall Shimodas. Dank seiner beiden zweiten Plätze verkürzte er den Rückstand auf Davies auf nur noch zwei Punkte und brachte sich endgültig zurück in Schlagdistanz.

Die Meisterschaft ist wieder völlig offen

Southwick hat die Kräfteverhältnisse in der 250MX-Klasse noch einmal verändert. Sacha Coenen zeigte als Gaststarter eindrucksvoll, dass er auch in den USA sofort Rennen gewinnen kann. Für die Meisterschaft spielte sein Doppelsieg allerdings keine Rolle.

Im Titelkampf nutzten dagegen Davies und Kitchen die unverhoffte Chance, die sich durch Shimodas verletzungsbedingten Ausfall ergab. Davies übernimmt das Red Plate, Kitchen sitzt ihm mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken.

Und über allem schwebt nun die Frage, welche Folgen Southwick für Sacha Coenen haben wird. Der Belgier verlässt die USA zwar als dominanter Tagessieger – ob ihn die Schulterverletzung im Kampf um die MX2-Weltmeisterschaft noch einholen wird, ist derzeit jedoch völlig offen.

Ergebnis The Wick 338 National – Southwick – 250