Jett Lawrence bleibt trotz Sieg in Southwick selbstkritisch

Jett Lawrence gewinnt das AMA Pro Motocross in Southwick

Jett Lawrence gewinnt das AMA Pro Motocross in Southwick. / Foto: Align Media

Mit dem Gesamtsieg in Southwick und der Rückeroberung des Red Plate hätte Jett Lawrence allen Grund zum Jubeln gehabt. Doch wer dem Honda-Werksfahrer nach dem sechsten Lauf der AMA Pro Motocross Meisterschaft zuhörte, merkte schnell: Zufrieden klang der Australier nur bedingt.

Statt seinen Erfolg in den Mittelpunkt zu stellen, sprach Lawrence offen über seine körperlichen Probleme, den Rennverlauf und den Respekt vor den Gaststartern aus der Motocross-Weltmeisterschaft.

Fußverletzung bleibt ein ständiger Begleiter

Seit Wochen drehen sich viele Fragen um Lawrences verletzten Fuß. In Southwick zeigte sich der Australier davon inzwischen sichtlich genervt.

„Mein Fuß tut immer noch weh. Daran hat sich nichts geändert“, stellte er klar und machte deutlich, dass er das Thema am liebsten hinter sich lassen würde.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn die Verletzung beeinflusst seinen Alltag nach wie vor. Lawrence erklärte, dass er unter der Woche längst nicht das Trainingsprogramm absolvieren könne, das er sich eigentlich vorgenommen habe. Statt an seiner Fitness zu arbeiten, gehe es häufig darum, den Körper überhaupt wieder für das nächste Rennwochenende fit zu bekommen.

Wie weit ihn die Verletzung noch einschränkt, machte eine andere Aussage deutlich: Auf die Frage nach seinem aktuellen Fitnesszustand schätzte sich Lawrence selbst auf lediglich rund 70 Prozent ein – untermauert wurde dies mit Beobachtungen, dass Lawrence das Podium humpelnd verlies.

Fußrasten-Prototyp als Hilfe

Damit der Druck auf den verletzten Fuß geringer ausfällt, setzte Honda in Southwick kurzfristig auf eine speziell angefertigte Fußraste.

Die größere Auflagefläche sollte Lawrence ermöglichen, den Fuß besser zu entlasten. Nach dem Rennen zeigte er sich mit der Lösung zufrieden und erklärte, dass sie ihm auf der anspruchsvollen Sandstrecke durchaus geholfen habe.

Den ersten Lauf sieht Lawrence nicht als Sieg

Obwohl Lawrence den Tagessieg mit nach Hause nahm, wollte er den zweiten Lauf nicht als perfekten Erfolg verkaufen. Im ersten Rennen warf ihn ein kleiner Fahrfehler zurück. Im zweiten Lauf profitierte er schließlich vom Sturz seines Bruders Hunter.

Deshalb fiel sein Fazit ungewöhnlich ehrlich aus.

Er habe das Gefühl gehabt, auch den ersten Lauf gewinnen zu können, habe den Sieg aber selbst weggeworfen. Im zweiten Rennen wiederum sei ihm der Erfolg durch den Sturz seines Bruders praktisch in die Hände gefallen. Deshalb wolle er nicht behaupten, diesen Lauf wirklich gewonnen zu haben.

Eine bemerkenswert selbstkritische Einschätzung eines Fahrers, der normalerweise kaum Fehler macht.

Respekt für die Coenen-Brüder

Großen Respekt zeigte Lawrence auch für Lucas und Sacha Coenen, die als Gaststarter aus der MXGP nach Southwick gereist waren. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sieht Lawrence die amerikanische Sandstrecke allerdings nicht als klassischen Vorteil für europäische Fahrer.

Seiner Einschätzung nach unterscheidet sich Southwick deutlich von den tiefen Sandstrecken in Europa. Während dort ein flüssiger Rhythmus möglich sei, verfüge Southwick über einen deutlich härteren Untergrund und entwickle ein völlig anderes Fahrgefühl.

Trotzdem hätten die Belgier beeindruckt. Vor allem Lucas Coenen habe bereits im Qualifying gezeigt, wie effektiv der europäische Fahrstil im Sand sein könne. Lawrence erklärte sogar, dass er und sein Team sich einige Dinge bei der Linienwahl und Fahrtechnik abgeschaut hätten.

Nach den Stürzen der beiden Belgier fand Lawrence anschließend ebenfalls klare Worte und äußerte die Hoffnung, dass beide ohne größere Verletzungen nach Europa zurückkehren können.

Titelkampf gegen den eigenen Bruder

Während sich viele Fans auf das Duell mit Jorge Prado oder den Gaststartern konzentrieren, sieht Lawrence den eigentlichen Gegner in der eigenen Familie. Der Zweikampf mit Hunter Lawrence sei genau das, was ihn momentan zusätzlich motiviere. Für ihn gebe es keinen spannenderen Titelkampf als den gegen den eigenen Bruder.

Dass beide Woche für Woche auf höchstem Niveau gegeneinander antreten, bezeichnete er als etwas Besonderes – eine Situation, die nur die wenigsten Fahrer jemals erleben würden.

Ergebnis THE WICK 338 National – Southwick