Hunter Lawrence – Trotz Gesamtsieg bleibt er kritisch
Hunter Lawrence bleibt auch nach seinem Sieg in Wahsougal selbstkritisch. / Foto: Align Media
Mit dem Gesamtsieg in Washougal hat Hunter Lawrence das Red Plate übernommen und reist mit zwölf Punkten Vorsprung in die kurze Sommerpause. Wer allerdings erwartet hatte, den Honda-Piloten ausgelassen feiern zu sehen, wurde enttäuscht. Statt großer Emotionen überwog bei ihm die Analyse.
Schon wenige Minuten nach Rennende kreisten seine Gedanken nicht mehr um den Erfolg, sondern um die nächsten Rennen.
„Ich freue mich natürlich über den Sieg“, erklärte Lawrence. Gleichzeitig beschäftige ihn aber bereits, an welchen Stellen er sich noch verbessern könne. Gerade auf einer Strecke wie Washougal, die ihm in den vergangenen Jahren nie wirklich gelegen habe, suche er sofort nach den Punkten, an denen noch Zeit liegen geblieben sei.
Kein perfektes Rennen trotz Platz eins
Mit den Plätzen eins und zwei gewann Lawrence zwar die Tageswertung, vollkommen zufrieden war er dennoch nicht.
Vor allem seine Starts sieht der Australier weiterhin als Baustelle. Selbst der Holeshot im zweiten Lauf sei aus seiner Sicht nicht optimal gewesen. Washougal sei ohnehin ein Kurs, der ihn jedes Jahr vor neue Rätsel stelle. Während Fahrer mit einem etwas lockereren Fahrstil dort oft besonders schnell seien, habe er sich auf dieser Strecke traditionell schwergetan.
Dass es diesmal trotzdem zum Gesamtsieg reichte, führt Lawrence auf mehrere Faktoren zurück. Eine kleine Fahrwerksänderung zwischen den beiden Läufen habe funktioniert, außerdem seien die Bedingungen mit der geschlossenen Wolkendecke und den deutlich weniger ausgeprägten Schatten möglicherweise ein Vorteil gewesen.
Kein Geheimnis zwischen den Brüdern
Besonders interessante Einblicke gab Lawrence auch in die Zusammenarbeit mit Bruder Jett.
Während andere Titelrivalen ihre Daten und Entwicklungen möglichst geheim halten, verfolgen die beiden Honda-Werksfahrer einen völlig anderen Ansatz. Sie tauschen während der Testarbeit sogar Motorräder, um verschiedene Fahrwerksabstimmungen direkt miteinander vergleichen zu können.
Dadurch profitiert nach eigener Aussage nicht nur jeder Fahrer selbst, sondern das gesamte Team. „Es gibt keine Geheimnisse. Für uns herrschen die gleichen Voraussetzungen.“ Genau dieser offene Austausch sei einer der Gründe, warum sich beide konstant weiterentwickeln.
Bruder bleibt Bruder
Natürlich wurde Lawrence auch gefragt, ob der immer enger werdende Titelkampf das Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder verändert.
Die Antwort fiel eindeutig aus. Spannungen gebe es durchaus – allerdings ausschließlich wegen typischer Geschwister-Themen und nie wegen des Motorsports. „Was ihr seht, ist genau das, was ihr bekommt“, erklärte Hunter. Rennen seien das eine, Familie etwas völlig anderes.
Deutliche Worte über den Umgang miteinander
Fast beiläufig lieferte Lawrence schließlich noch eine Aussage, die weit über Motocross hinausgeht. Er kritisierte, dass viele Menschen heute aus Unsicherheit heraus schlecht miteinander umgehen würden. Wer Respekt und Anstand einfordere, müsse diese Werte selbst vorleben. „Es ist leicht, darüber zu reden. Aber Taten sind glaubwürdiger als Worte.“
Gerade im direkten Duell mit seinem eigenen Bruder bekommt dieser Satz zusätzliches Gewicht. Beide kämpfen um denselben Titel, schenken sich auf der Strecke nichts – und schaffen es trotzdem, ihre Zusammenarbeit und ihren familiären Zusammenhalt über den sportlichen Konkurrenzkampf zu stellen.
Während andere nach einem Sieg zunächst feiern, denkt Hunter Lawrence bereits an die nächste Aufgabe. Genau diese Mischung aus Selbstkritik, Professionalität und Bodenständigkeit könnte am Ende den Unterschied im Kampf um den Pro-Motocross-Titel 2026 ausmachen.
