Vier Siege in Serie: Farrés trotzt seiner „Problemstrecke“
Guillem Farrés holt vierten Soieg in Folge in der MX2-Weltmeisterschaft beim Rennen in Loket
Mit vier Gesamtsiegen in Folge setzt Guillem Farrés seinen beeindruckenden Lauf in der MX2-Weltmeisterschaft fort. Auch in Loket ließ sich der Triumph-Werksfahrer nicht aufhalten und reist mit der Red Plate selbstbewusst zum kommenden Sandrennen nach Lommel. Bemerkenswert dabei: Ausgerechnet die tschechische Traditionsstrecke zählt eigentlich nicht zu seinen Favoriten.
Sieg trotz schwieriger Voraussetzungen
Während viele Fahrer Loket lieben, gehört die Strecke für Farrés eher zu den Rennen, die ihm weniger liegen. „Das ist nicht unbedingt eine Strecke, die perfekt zu mir passt“, erklärte der Spanier nach der Siegerehrung. Er bevorzuge deutlich ausgefahrene, härtere Kurse mit vielen Schlägen. Trotzdem gelang es ihm erneut, das Maximum herauszuholen.
Entscheidend war aus seiner Sicht einmal mehr das Gesamtpaket. Die Triumph funktioniere seit mehreren Rennen hervorragend, das Team arbeite konstant auf hohem Niveau und auch nach mehreren misslungenen Starts habe er die Ruhe bewahrt.
„Ich habe versucht, positiv zu bleiben und das Beste daraus zu machen.“
Das Red Plate erhöht den Hunger
Mit jedem weiteren Erfolg wächst auch der Vorsprung in der Meisterschaft. Druck verspüre Farrés dadurch allerdings kaum.
Im Gegenteil. „Wenn überhaupt, macht mich die Red Plate noch hungriger auf Siege.“ Der WM-Spitzenreiter genießt es, mit dem Rd Plate unterwegs zu sein und möchte es bis zum Saisonende nicht mehr abgeben.
McLellan: „Ich war der Schnellste“
Hinter Farrés sorgte Teamkollege Camden McLellan für einen Doppelsieg für das Triumph Racing Team. Der Südafrikaner war mit Platz zwei zwar zufrieden, haderte aber erneut mit seinen Starts.
Nach eigener Einschätzung sei er über das gesamte Wochenende der schnellste Fahrer gewesen. „Ich hatte alles unter Kontrolle, war schnell und habe kaum Fehler gemacht.“ Sowohl im Qualifikationsrennen als auch in den Wertungsläufen musste McLellan nach schlechten Starts aufholen. Besonders stolz zeigte er sich darauf, dass er diesmal deutlich aggressiver gefahren sei.
„Ich habe die Ellenbogen ausgefahren – gegen alle, auch gegen meinen Teamkollegen.“ Für ihn steht fest: Sobald die Starts besser werden, kann er regelmäßig um Siege kämpfen.
Erstes Podium für Karlis Reisulis
Der ältere der Reisulis-Brüder, Karlis, hatte allen Grund zum Feiern. Der Yamaha-Pilot stand erstmals in dieser Saison auf dem Podium und zeigte sich vor allem mit seiner Konstanz zufrieden.
Besonders im Duell mit seinem Bruder musste er hart arbeiten. „Er hat wirklich alles versucht, damit ich nicht vorbeikomme.“ Der dritte Platz sei deshalb nicht nur wegen des Ergebnisses wichtig gewesen, sondern auch, weil endlich zwei saubere Läufe gelungen seien.
Nach einigen schwierigen Wochen habe sich das Gesamtpaket zuletzt deutlich verbessert. „Es fügt sich alles langsam zusammen. Ich fühle mich wohl auf dem Motorrad und freue mich jetzt auf die nächsten Rennen.“
Lommel wartet bereits
Nach Loket richtet sich der Blick nun auf den MXGP von Flandern in Lommel. Während Farrés das Sandrennen fast als Heimrennen bezeichnet – er wohnt nur wenige Minuten von der Strecke entfernt –, sieht auch McLellan dort gute Chancen, sofern die Starts endlich gelingen.
Der Titelkampf bleibt damit spannend. Doch im Moment gibt Guillem Farrés klar den Takt vor. Vier Gesamtsiege in Folge sprechen eine deutliche Sprache – und die Konkurrenz weiß inzwischen genau, wen es zu schlagen gilt.
Die Motorräder hatten das letzte Wort
Zum Abschluss der Pressekonferenz wurde es noch einmal unterhaltsam. Die drei Podiumsfahrer sollten sich vorstellen, ihr Motorrad könnte sprechen – was würde es ihnen wohl sagen? Guillem Farrés musste schmunzeln und spielte auf die zahlreichen harten Zweikämpfe während des Rennens an. „Bei mir würde das Motorrad wahrscheinlich fragen: ‚Warum hasst mich eigentlich jeder?’“
Eine Anspielung darauf, dass er als Führender immer wieder im Mittelpunkt der Attacken seiner Konkurrenten steht.
Camden McLellan nutzte die Gelegenheit für etwas Selbstironie. Sein Motorrad hätte aus seiner Sicht eine ganz klare Botschaft: „Hol endlich bessere Starts.“ Schließlich musste sich der Südafrikaner erneut nach misslungenen Starts durchs Feld kämpfen und ist überzeugt, dass genau dort derzeit die entscheidenden Punkte liegen.
Karlis Reisulis brauchte dagegen etwas länger zum Nachdenken. Seine Antwort fiel schließlich deutlich persönlicher aus: „Ich glaube, mein Motorrad würde einfach sagen: ‚Ich liebe dich.’“
Die lockeren Antworten sorgten im Presseraum für einige Lacher und bildeten einen gelungenen Abschluss einer Pressekonferenz, die zuvor ganz im Zeichen des spannenden MX2-Titelkampfs gestanden hatte.
