Honda HRC PETRONAS 2026: War das die stärkste Mannschaft der MXGP-Saison?

Tom Vialle und Jeffrey herlings gehörten zu den erfolgreisten Fahrern des Honda HRC Petronas Teams 2026

Tom Vialle und Jeffrey herlings gehörten zu den erfolgreisten Fahrern des Honda HRC Petronas Teams 2026

Jeffrey Herlings wurde Weltmeister, gewann 13 Grands Prix und machte den Titel lange vor dem Finale klar. Damit ließe sich die Geschichte der MXGP-Saison 2026 ziemlich schnell erzählen. Nur würde man damit einen großen Teil übersehen. Denn hinter Herlings stand ein Honda-HRC-PETRONAS-Team, das die Meisterschaft nicht nur mit seinem neuen Weltmeister geprägt hat.

Die nackten Zahlen sind erst einmal ziemlich deutlich. 14 der 19 Grands Prix gingen an Honda HRC PETRONAS, bei 18 Veranstaltungen stand mindestens einer der drei Werksfahrer auf dem Podium. Von 57 möglichen Podiumsplätzen holten Jeffrey Herlings, Tom Vialle und Ruben Fernández zusammen 26.

Noch auffälliger wird es, wenn man Qualifying Races und Motos einzeln betrachtet. Honda gewann zwölf der 19 Samstagsrennen und 23 der 38 Motos. Macht 35 Siege aus 57 Rennen. Das sind 61 Prozent.

Und irgendwann in der zweiten Saisonhälfte wurde daraus eine Serie, die fast schon absurd wirkt.

Ab Runde zwölf kam niemand mehr an Honda vorbei

Vom ersten Moto der zwölften WM-Runde bis zum zweiten Lauf beim Finale gewann Honda HRC PETRONAS 44 Sessions hintereinander. Beschränkt man die Statistik auf Qualifying Races und Motos, waren es 24 Rennsiege am Stück – vom Qualifying der zwölften Runde bis zum letzten Moto in Australien.

Über sieben komplette Grand-Prix-Wochenenden gab das Team damit kein einziges Rennen mehr ab. Natürlich steckt Herlings hinter einem großen Teil dieser Serie. Aber eben nicht ausschließlich. Das ist wichtig, wenn man die Saison von Honda einordnen will.

Denn Herlings war 2026 nicht einfach der Fahrer, der aus einer mittelmäßigen Mannschaft einen Weltmeister machte. Vialle gewann ebenfalls einen Grand Prix, Fernández ein Qualifying Race. Alle drei Fahrer gewannen mindestens ein Rennen, wenn man Qualifying und Motos zusammenzählt.

Kein anderes Team schaffte das.

Wie dominant war Herlings tatsächlich?

Bei Herlings helfen Prozentzahlen fast mehr als die üblichen Siege und Punkte. 13 von 19 Grands Prix gewann der Niederländer in seiner ersten Saison auf Honda. 22 der 38 Motos gingen an ihn. Dazu kamen neun Siege im Qualifying Race. In 35 der 38 Sonntagsrennen stand Herlings unter den ersten Drei. Das bedeutet im Umkehrschluss: In einer kompletten MXGP-Saison verpasste er lediglich dreimal die Top 3 eines Motos.

Noch deutlicher ist seine Zeit an der Spitze. Insgesamt wurden 2026 in der MXGP-Klasse 685 Rennrunden gefahren. Herlings führte davon 328.

48 Prozent aller Runden einer kompletten Saison.

Fast jede zweite MXGP-Rennrunde des Jahres wurde also mit der #84 an der Spitze gefahren. Der nächstbeste Fahrer dieser Statistik lag 85 Führungsrunden zurück.

Dass Herlings am Ende 973 Punkte auf dem Konto hatte und seinen sechsten WM-Titel bereits sieben punktebringende Rennen vor Saisonende sicherstellte, überrascht bei diesen Zahlen kaum noch. Sein Vorsprung in der Endabrechnung betrug 168 Punkte.

Dabei war der Niederländer nicht nur konstant schnell. In 18 der 38 Motos fuhr er die schnellste Rennrunde, neunmal holte er den Acerbis Best Lap eines Events.

125 GP-Siege stehen inzwischen in seiner Karrierebilanz. Mehr hat kein anderer Fahrer geschafft.

War Honda nur wegen Herlings so stark?

Genau diese Frage drängt sich bei 13 GP-Siegen eines einzelnen Fahrers natürlich auf. Nimmt man Herlings aus der Statistik heraus, sieht die Honda-Saison sofort anders aus. Aber sie fällt nicht auseinander.

Tom Vialle liefert dafür das beste Beispiel. Der Franzose kam nach seinen Jahren in den USA zurück in die WM und musste sich erstmals über eine komplette Saison mit der 450er in der MXGP behaupten. Trotzdem stand er bei neun der 19 Grands Prix auf dem Podium.

In der Schweiz gewann er sogar den Grand Prix und gehörte damit zu lediglich drei Fahrern, die 2026 einen MXGP-Gesamtsieg feiern konnten.

Auch beim Start war Vialle kaum zu schlagen. Zwölf der 38 FOX Holeshots gingen an ihn. Damit gewann er diese Wertung vor seinem eigenen Teamkollegen Herlings, der neunmal als Erster über die Holeshot-Linie kam. Allein diese beiden Fahrer holten damit 21 von 38 möglichen Holeshots.

Vialle gewann außerdem zwei Qualifying Races. Das erste direkt beim Saisonauftakt in Argentinien, das zweite beim Finale in Australien. Mit 46 Führungsrunden belegte er in dieser Statistik Rang drei. Und zeitweise trug er sogar das Red Plate. Neben einem Herlings in dieser Form kann so eine Rookie-Saison schnell etwas kleiner aussehen, als sie tatsächlich war.

Fernández war mehr als der dritte Mann

Bei Ruben Fernández fallen die Zahlen weniger spektakulär aus. Trotzdem steuerte auch er Ergebnisse bei, die zeigen, wie breit Honda 2026 aufgestellt war.

Beim deutschen Grand Prix stand der Spanier als Dritter auf dem Podium. In Großbritannien gewann er das Qualifying Race und gehörte damit zu nur sechs Fahrern, die überhaupt einen Samstagssieg holen konnten. In Loket fehlten ihm schließlich lediglich vier Punkte zu einem kompletten Honda-HRC-PETRONAS-Podium. Ein 1-2-3 bei einem MXGP gab es also nicht. Weit entfernt war die Mannschaft davon allerdings auch nicht.

Fernández beendete die Weltmeisterschaft schließlich auf Rang sieben, während Vialle Vierter und Herlings Weltmeister wurde.

Damit standen am Jahresende alle drei Fahrer innerhalb der ersten sieben.

2.137 Punkte für drei Fahrer

Gerade hier wird sichtbar, dass Honda nicht nur von einzelnen Herlings-Siegen lebte. Herlings, Vialle und Fernández sammelten zusammen 2.137 WM-Punkte. Der Abstand zum nächstbesten Team betrug 894 Punkte.

Noch deutlicher ist die Top-3-Quote. Von den insgesamt 57 Qualifying Races und Motos hatte Honda HRC PETRONAS in 54 mindestens einen Fahrer unter den ersten Drei.

95 Prozent. Nur dreimal in der gesamten Saison fand ein Rennen ohne einen der drei Werks-Hondas in den Top 3 statt.

Auch bei den Führungsrunden war der Unterschied gewaltig. Herlings, Vialle und Fernández lagen zusammen 374 der insgesamt 685 Runden vorne. Das entspricht 55 Prozent der Saison und sind 127 Führungsrunden mehr als beim nächstbesten Team.

Das lässt sich irgendwann nicht mehr nur mit einem außergewöhnlich starken Herlings erklären.

93 Prozent der möglichen Herstellerpunkte

Auch Honda als Hersteller profitierte davon. Von maximal 1.140 möglichen Punkten in der Herstellerwertung sammelte die Marke 1.063. Damit wurden 93 Prozent der theoretisch erreichbaren Punkte geholt, der Vorsprung am Saisonende betrug 170 Zähler.

Hier muss man allerdings zwischen Werksteam und Hersteller unterscheiden.

Neben Herlings, Vialle und Fernández trug auch Kevin Horgmo vom Motoblouz Honda SR Team zur Herstellerwertung bei. Honda war damit die einzige Marke, bei der vier verschiedene Fahrer Punkte zu diesem Ergebnis beisteuerten.

Die Tiefe des Honda-Aufgebots ging also sogar über das Werksteam hinaus.

Was sagt das über Herlings‘ Wechsel aus?

Vor der Saison war durchaus offen, wie schnell Herlings nach seiner langen KTM-Zeit auf der Honda funktionieren würde. Ein neues Motorrad, ein anderes Team, andere Abläufe – und das alles bei einem Fahrer, dessen bisherige WM-Karriere praktisch untrennbar mit KTM verbunden gewesen war.

19 Grands Prix später wirkt diese Frage fast etwas merkwürdig.

13 GP-Siege, 22 Moto-Siege, 328 Führungsrunden, 973 Punkte und WM-Titel Nummer sechs lassen wenig Raum für die These, dass Herlings eine lange Eingewöhnung gebraucht hätte.

Interessanter ist rückblickend etwas anderes.

Honda hat Herlings offenbar nicht nur ein Motorrad hingestellt, mit dem er gewinnen konnte. Das Team brachte gleichzeitig Vialle auf neun Podien und einen GP-Sieg, Fernández aufs Podium und alle drei Fahrer mindestens einmal zu einem Rennsieg.

Vielleicht beschreibt deshalb eine Zahl die Saison besser als alle anderen: Honda HRC PETRONAS gewann 35 von 57 Rennen.

Herlings war der mit Abstand größte Anteil daran. Ohne ihn hätte diese Saison völlig anders ausgesehen. Aber wer die Honda-Saison 2026 ausschließlich auf Jeffrey Herlings reduziert, macht es sich angesichts dieser Zahlen etwas zu einfach.