Simon Längenfelder: Ist das schon die Trendwende?

Simon Längenfelder verpasste in Agueda nur knapp das Podium beim MXGP of Portugal 2026

Simon Längenfelder verpasste in Agueda nur knapp das Podium beim MXGP of Portugal 2026. / Foto: Ralph Marzahn

Beim Grand Prix von Portugal hat Simon Längenfelder eines seiner stärksten Wochenenden seit längerer Zeit abgeliefert. Rang drei im Qualifikationsrennen, Platz drei im ersten Wertungslauf und Rang sechs im zweiten Rennen bedeuteten zwar nur den fünften Gesamtrang, doch der Auftritt des amtierenden MX2-Weltmeisters fiel deutlich überzeugender aus als noch in den Wochen zuvor. In der Weltmeisterschaft verbesserte sich der Red Bull KTM Factory Racing-Pilot wieder auf Rang drei.

Die Frage ist nun, ob Agueda tatsächlich den Beginn einer Trendwende markiert oder lediglich ein Ausreißer nach oben war.

Zurück zum bewährten Setup

Nach dem enttäuschenden Grand Prix in Montevarchi zog das KTM-Werksteam Konsequenzen. Gemeinsam mit Längenfelder entschied man sich, die 250 SX-F wieder auf das Setup zurückzubauen, mit dem der Deutsche die Saison begonnen hatte.

Die Veränderung war bereits am Samstag zu erkennen. Längenfelder wirkte auf dem Motorrad deutlich sicherer, fuhr im Qualifikationsrennen kontrolliert in der Spitzengruppe mit und belegte Rang drei. Nicht nur das Ergebnis fiel positiv aus – auch die Körpersprache erinnerte wieder an die ersten Saisonrennen.

Im ersten Lauf wieder auf Podiumskurs

Den positiven Eindruck bestätigte Längenfelder am Sonntag. Im ersten Wertungslauf fand er sofort seinen Rhythmus und behauptete sich auf der anspruchsvollen Strecke von Agueda über die gesamte Renndistanz in der Spitzengruppe. Größere Fehler leistete er sich nicht und brachte Rang drei souverän ins Ziel.

Es war sein bestes Einzelergebnis seit mehreren Grands Prix und vor allem ein Rennen, in dem wieder zu erkennen war, wozu der Deutsche grundsätzlich in der Lage ist.

Im zweiten Rennen fehlte die letzte Konsequenz

Ganz rund verlief der Sonntag dennoch nicht. Im zweiten Lauf verlor Längenfelder bereits in der Anfangsphase den Anschluss an die Spitze. Während Guillem Farres und die Führenden sofort ihren Rhythmus fanden, blieb der KTM-Pilot im Verkehr hängen und konnte die Lücke nicht mehr schließen.

Im weiteren Rennverlauf musste er sich sogar gegen Camden McLellan behaupten. In den Schlussrunden verkürzte Karlis Reisulis den Abstand deutlich, kam jedoch nicht mehr nah genug für einen Angriff. Platz sechs reichte in der Tageswertung zu Rang fünf – lediglich zwei Punkte fehlten am Ende auf das Podium.

Gerade dieses Rennen zeigte, dass der Weg zurück an die Spitze noch nicht abgeschlossen ist. Die Geschwindigkeit war vorhanden, im direkten Kampf um die Spitzenplätze fehlte aber noch die letzte Entschlossenheit.

Das Vertrauen scheint zurückzukehren

Nach dem Grand Prix sprach Längenfelder offen über die Änderungen an seinem Motorrad. „Wir haben in dieser Woche einige Änderungen vorgenommen und sind zu meinem alten Setup zurückgekehrt. Das hat mir sofort viel Vertrauen auf dem Bike zurückgegeben. Platz drei im Qualifikationsrennen und im ersten Lauf waren ein guter Start in das Wochenende. Im zweiten Rennen hat mir etwas die Intensität gefehlt. Ich habe versucht, mich selbst zu pushen, aber auf dieser Strecke war es schwierig, die richtige Balance zwischen Risiko und Angriff zu finden.“

Seine Aussagen erklären den Unterschied zu den vergangenen Rennen. Weniger die reine Geschwindigkeit war das Problem, sondern das fehlende Vertrauen in das Motorrad. Genau dort scheint der Wechsel zurück zum ursprünglichen Setup angesetzt zu haben.

Der Blick auf die Meisterschaft

Während die Fußball-WM für Deutschland bereits beendet ist, geht der MX2-WM-Titelkampf für Simon Längenfelder erst in seine entscheidende Phase. Nach der ersten Saisonhälfte liegt der KTM-Werksfahrer 62 Punkte hinter Spitzenreiter Sacha Coenen zurück. Bei noch neun ausstehenden Grands Prix ist dieser Rückstand jedoch keineswegs uneinholbar.

Längenfelder verlor in Portugal lediglich drei Punkte auf den Belgier und verbesserte sich gleichzeitig wieder auf den dritten Rang der Gesamtwertung.

Auffällig ist zudem die Entwicklung an der Spitze. Guillem Farres sammelt seit mehreren Rennen konstant viele Punkte und hat den Rückstand auf Coenen deutlich verkürzt. Nach seinem dominanten Auftritt in Kegums betrug Coenens Vorsprung noch 41 Punkte, inzwischen sind es nur noch 27.

Auch deshalb bleibt der Kampf um die MX2-Weltmeisterschaft offen.

Spricht die Entwicklung für einen Aufwärtstrend?

Die Ergebnisse der vergangenen Wochen sprechen zumindest dafür. Nach dem Tiefpunkt in Kegums ging es für Längenfelder Schritt für Schritt wieder nach vorne. In Portugal verpasste er das Podium nur knapp und machte in der Gesamtwertung wieder einen Platz gut.

Ein Vergleich mit dem Vorjahr liefert ebenfalls interessante Zahlen. Zwar liegt sein Punkteschnitt weiterhin unter dem der erfolgreichen Saison 2025, doch beim zehnten Grand Prix sammelte er in diesem Jahr mehr Punkte als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

Vor allem fällt auf, dass sich seine Leistungen zuletzt wieder stabilisiert haben. Während die Rennen in Frankreich, Deutschland und Lettland von Fehlern, Stürzen oder Unsicherheit geprägt waren, präsentierte sich Längenfelder in Agueda deutlich konstanter.

Portugal war mehr als nur ein gutes Wochenende

Ob man bereits von einer Trendwende sprechen kann, werden erst die kommenden Grands Prix beantworten. Ein einzelnes Wochenende reicht dafür nicht aus.

Dennoch gibt es einige Punkte, die für eine positive Entwicklung sprechen. Das alte Setup vermittelt Längenfelder wieder das Vertrauen, das ihm zuletzt gefehlt hatte. Die Geschwindigkeit ist wieder vorhanden, im ersten Lauf fuhr er erneut auf Podiumsniveau und auch der Rückstand in der Weltmeisterschaft blieb trotz eines weiteren starken Wochenendes der Konkurrenz überschaubar.

Der nächste Schritt besteht nun darin, dieses Niveau über beide Läufe konstant abzurufen. Gelingt das, dürfte Längenfelder im weiteren Verlauf der Saison wieder regelmäßig um Podestplätze und Siege kämpfen. Erst dann wird sich zeigen, ob aus den positiven Ansätzen von Agueda tatsächlich eine Aufholjagd im Titelkampf entsteht.