Lucas Coenen: „Ich kann von den Besten lernen.“

Lucas Coenen hatte beim MXGP of Portugal gute Laune

Lucas Coenen hatte beim MXGP of Portugal gute Laune

Lucas Coenen wollte den MXGP of Portugal gewinnen. Daran ließ der KTM-Pilot nach dem Rennen keinen Zweifel. Doch als Jeffrey Herlings im zweiten Lauf den Druck erhöhte und schließlich vorbeiging, entschied sich Coenen für die nüchterne Variante: Punkte sichern, WM-Führung ausbauen, Risiko begrenzen.

Am Ende stand Rang zwei in der Tageswertung. Kein Sieg, aber ein Ergebnis, das im Titelkampf fast mehr wert sein könnte als ein erzwungener Angriff auf den Niederländer.

„Der Schlüssel ist, clever zu fahren“

Coenen hatte das Wochenende lange im Griff. Im ersten Lauf gewann der Belgier und zeigte dabei genau jene Mischung aus Tempo und Kontrolle, die ihn in dieser Saison so stark macht. Auch im zweiten Rennen führte er zunächst, ehe Herlings näherkam.

„Der Schlüssel ist, clever zu fahren“, erklärte Coenen nach dem Grand Prix. Genau das habe er versucht. Im ersten Lauf sei sein Gefühl auf dem Motorrad sehr gut gewesen, im zweiten habe er die Situation kontrollieren wollen.

Dabei wusste Coenen, was Herlings brauchte. „Ich wusste, dass Jeffrey gewinnen wollte – und dass er gewinnen musste.“ Für Herlings zählte in Portugal vor allem der Tagessieg. Für Coenen ging es dagegen um das größere Bild.

Kein unnötiges Risiko

Der entscheidende Moment kam, als Herlings den Angriff vorbereitete. Coenen erklärte später, dass er selbst einen kleinen Fehler gemacht habe, als er den Triple nicht sprang. Dadurch kam Herlings näher. „Ich dachte, er würde innen kommen, also habe ich etwas verlangsamt. Dann war er sehr nah dran und ich musste reagieren, sonst hätte ich gelegen.“

Coenen akzeptierte das Manöver. Kein großes Drama, keine Ausrede. Stattdessen ordnete er die Situation sportlich ein. „Das ist, was wir lieben: gutes Racing.“ Nach dem Positionsverlust versuchte er zwar noch einmal zu reagieren, ging aber nicht mehr über jedes Limit. Der Belgier wusste, dass Platz zwei an diesem Tag reichen würde.

Ein Punkt mehr statt alles oder nichts

Entscheidend ist die WM-Rechnung. Coenen verlor zwar den Grand-Prix-Sieg, nahm aus Portugal aber dennoch einen Punkt Vorsprung mit. Für einen jungen Fahrer, der gegen einen der erfolgreichsten Motocross-Piloten aller Zeiten kämpft, ist das ein starkes Zeichen. „Ich habe keine Punkte verloren, ich habe einen gewonnen“, stellte Coenen klar.

Diese Aussage beschreibt seine aktuelle Herangehensweise ziemlich genau. Er denkt nicht nur an den einzelnen Lauf, sondern an die Saison. Wer Weltmeister werden will, muss nicht jedes Rennen erzwingen. Manchmal reicht es, den Schaden zu vermeiden und den Gegner arbeiten zu lassen.

Lernen von den Besten

Besonders bemerkenswert war Coenens Blick auf Herlings. Der Belgier weiß, dass der Honda-Pilot mit jedem Sieg seine Statistiken weiter ausbaut. Für ihn selbst zählt etwas anderes. „Jeffrey treibt seine Zahlen immer weiter nach oben. Ich kümmere mich nicht um meine Statistiken. Ich will clever sein.“

Coenen sieht seine Situation realistisch. Er ist jung, führt die Weltmeisterschaft an und fährt gegen Fahrer, die seit Jahren wissen, wie man Titel gewinnt. „Ich bin jung, ich muss lernen. Und ich kann von den Besten lernen.“

Genau diese Haltung macht seinen zweiten Platz in Portugal so wertvoll. Coenen zeigte nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Reife. Er hätte versuchen können, Herlings mit aller Gewalt zu kontern. Stattdessen nahm er ein Ergebnis mit, das seine WM-Führung stärkte.

Mit dem Red Plate nach Südafrika

Nach Portugal reist Coenen weiter mit dem Red Plate zum nächsten Grand Prix. Südafrika wird der dritte WM-Lauf innerhalb von drei Wochen und bringt mit Strecke, Reise und Bedingungen die nächste Prüfung.

Auf die Frage, was er dort erwarte, antwortete Coenen kurz und passend: „Genießen.“

Das klingt locker, zeigt aber auch, wie sehr der Belgier im Moment bei sich bleibt. Er weiß, dass die Saison lang ist. Und er weiß, dass Tage wie Portugal am Ende über eine Meisterschaft entscheiden können. Ein Sieg wäre schöner gewesen. Platz zwei könnte wichtiger gewesen sein.