Deutschland reist ohne seine Topstars zum MXoN nach Frankreich

Tom Koch kehrt für die MXoN 2026 zurück ins Team Germany

Tom Koch kehrt für die MXoN 2026 zurück ins Team Germany.

Deutschland fährt 2026 ohne seinen großen Namen zum Motocross of Nations (MXoN). Tom Koch, Maximilian Spies und Valentin Kees bilden vom 2. bis 4. Oktober in Ernée das Team Germany. Ken Roczen, Simon Längenfelder und Max Nagl stehen nicht zur Verfügung – damit verändert sich auch die Ausgangslage für die deutsche Mannschaft.

Die Teamchefs Marcel Dornhöfer und Karsten Schneider setzen auf zwei erfahrene 450er-Piloten und einen MXoN-Neuling. Koch kehrt nach einem Jahr Pause zurück, Spies erhält seinen zweiten Einsatz in Folge und Kees übernimmt bei seiner Nations-Premiere den MX2-Platz.

Wer von Koch und Spies in der MXGP- beziehungsweise Open-Klasse startet, wollen die Verantwortlichen noch entscheiden.

Roczen, Längenfelder und Nagl fehlen in Ernée

Die Liste der Absagen wiegt schwer. Ken Roczen wird wegen vertraglicher Verpflichtungen in den USA nicht nach Frankreich reisen. Der 32-Jährige hatte bereits zuvor klargemacht, dass ein MXoN-Start 2026 nicht in seine Planung passt.

Simon Längenfelder fällt ebenfalls aus. Der MX2-Pilot muss sich nach Abschluss seiner WM-Saison auf ärztlichen Rat zeitnah operieren lassen. Nach Angaben der deutschen Teamleitung hätte Längenfelder gerne die Gelegenheit genutzt, sich in Ernée erstmals auf WM-Niveau mit einer 450er zu messen.

Auch Max Nagl war eine Option für die Mannschaft. Seine Knieverletzung machte einen Einsatz jedoch unmöglich.

Dornhöfer und Schneider sprechen deshalb selbst offen von der fehlenden „Topstar-Schlagkraft“. Sie sehen darin aber keinen Grund, Ernée bereits vor dem ersten Start abzuschreiben.

„Wir sehen unser Team als Chance für die Zukunft und sind sicher, dass wir mit Tom, Maximilian und Valentin schlagkräftig auftreten können“, erklären die beiden Teamchefs. Aus vergangenen Jahren wisse man, dass auch eine Mannschaft ohne Weltmeister ein gutes MXoN-Ergebnis erreichen könne.

Koch übernimmt wieder Verantwortung im Team

Tom Koch bringt von den drei nominierten Fahrern viel Erfahrung mit. Nach seiner MXoN-Pause 2025 kehrt der KTM-Pilot in die Nationalmannschaft zurück.

Die Strecke dürfte ihm entgegenkommen. Ernée steht für harten Boden, Höhenunterschiede und eine Linienwahl, die sich deutlich von vielen aktuellen GP-Strecken unterscheidet. „Ich freue mich, erneut für das Team Deutschland an den Start gehen zu können. Ich mag die typisch französische Strecke in Ernée mit dem harten Boden und den vielen Hängen sehr“, sagt Koch.

Sein Ziel richtet sich weniger auf ein einzelnes persönliches Ergebnis. Drei konstante Fahrer sollen Deutschland möglichst lange im Kampf um eine gute Mannschaftsplatzierung halten. „Mit einer konstant guten Leistung von Max, Valentin und mir ist auch ein gutes Resultat drin. Wir werden auf jeden Fall alles geben.“

Spies kennt Ernée aus einem seiner besten Rennen

Maximilian Spies steht zum zweiten Mal in Folge im deutschen MXoN-Aufgebot. Sein Einsatz im vergangenen Jahr verlief unter schwierigen Voraussetzungen, da er gesundheitlich angeschlagen ins Wochenende gegangen war.

2026 möchte der Becker-Racing-Pilot unter anderen Bedingungen antreten. Seine zwischenzeitlichen Rennen in den USA haben ihm zusätzliche Erfahrung gebracht, Ernée kennt er bereits aus der Europameisterschaft.

Und ausgerechnet dort erzielte Spies eines seiner besten EMX250-Ergebnisse. „Es ist ein Traum, nochmals beim Nations für Deutschland fahren zu können“, sagt er. „In der EMX250 habe ich in Ernée das beste Resultat meiner Karriere erzielt. Die Strecke liegt mir also sehr gut.“

Ob Spies MXGP oder Open fährt, entscheidet die Teamleitung gemeinsam mit der Einteilung von Koch erst später.

Kees bekommt den MX2-Platz

Bei Valentin Kees gibt es diese Frage nicht. Er startet auf der 250er in der MX2-Kategorie und erlebt in Frankreich sein erstes Motocross of Nations als Fahrer.

Kees hat sich über seine Leistungen im ADAC MX Youngster Cup und seine Einsätze in der MX2-Weltmeisterschaft für die Nominierung empfohlen. Nun wartet mit dem Nations eine andere Größenordnung. „Ein riesiger Traum geht für mich in Erfüllung“, sagt Kees. „Auch wenn ich mich fahrerisch gut weiterentwickelt habe, ist es etwas sehr Spezielles, für das deutsche Team aufgestellt worden zu sein, und das weiß ich sehr zu schätzen.“

Kurios: Seine Reise nach Ernée hatte er ohnehin geplant. Kees wollte das MXoN ursprünglich als Zuschauer erleben. Jetzt steht er selbst hinter dem Startgatter.

Ohne großen Namen wird Konstanz noch wichtiger

Die Rollen im deutschen Team unterscheiden sich damit deutlich von einer Aufstellung mit Roczen oder Längenfelder. Ein Fahrer, von dem bereits vor dem Wochenende ein absolutes Spitzenergebnis erwartet werden kann, fehlt.

Das verschiebt den Fokus auf die Mannschaft. Beim MXoN entscheidet nicht allein ein Laufsieg über die Platzierung. Drei Fahrer müssen durch ihre jeweiligen Rennen kommen, Fehler vermeiden und möglichst wenige Punkte sammeln. Genau dort sehen Dornhöfer und Schneider die Chance ihres Trios.

Koch bringt die meiste Erfahrung mit, Spies kennt Ernée und Kees bekommt die Gelegenheit, sich erstmals unter dem besonderen Druck eines Nations zu beweisen.

Am 2. Oktober beginnt das Wochenende in Frankreich. Bis dahin muss Team Germany noch eine wichtige Frage beantworten: Wer von Tom Koch und Maximilian Spies übernimmt MXGP – und wer geht in der Open-Klasse ans Gatter?