Romain Febvre rechnet nach dem MXGP of France mit der FIM ab

Romain Febvre übt scharfe Kritik an der FIM.

Romain Febvre übt scharfe Kritik an der FIM. / Foto: Pascal Haudiquert

Der MXGP of France in Lacapelle-Marival sorgte nicht nur auf der Strecke für Diskussionen. Vor allem die Aussagen von Romain Febvre nach dem Grand Prix dürften in den kommenden Tagen noch für Gesprächsstoff sorgen.

Der Franzose kritisierte die FIM und das Rennmanagement nach dem Rennen ungewöhnlich deutlich und stellte dabei aus seiner persönlichen Sicht vor allem die Sicherheitsentscheidungen des Wochenendes infrage.

Dabei war schnell klar: Für Febvre sind solche offenen Aussagen längst nichts Neues mehr.

Denn der Kawasaki-Pilot gehört seit Jahren zu den wenigen Fahrern im MXGP-Paddock, die Kritik an der FIM, Infront oder organisatorischen Entscheidungen öffentlich ansprechen. Während sich viele Fahrer bei kontroversen Themen eher zurückhalten, äußerte sich Febvre in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch zu Strecken, Kalenderplanung, Sicherheitsfragen oder Entscheidungen der Rennleitung.

Besonders der schwere Sturz von Thibault Benistant im ersten Lauf beschäftigte ihn diesmal sichtbar.

Febvre versteht ausbleibende rote Flagge nicht

Benistant war im ersten Rennen schwer gestürzt und blieb anschließend mehrere Runden regungslos neben der Strecke liegen. Währenddessen wurde weiter unter gelber Flagge gefahren. Erst später wurde der Franzose per Helikopter ins Krankenhaus gebracht.

Für Febvre war das nur schwer nachvollziehbar. „Wann wollen sie die rote Flagge zeigen? Warten sie darauf, dass jemand stirbt?“, sagte der Kawasaki-Pilot während der Pressekonferenz sichtbar verärgert.

Besonders kritisch sah der Franzose dabei den Umgang der Verantwortlichen mit der Situation. „Wir fahren hier auf höchstem Niveau und manchmal wirkt es so, als wären wir bei irgendeinem kleinen nationalen Rennen“, erklärte Febvre. „Die Fahrer bekommen nicht den Respekt, den sie verdienen.“

Dabei handelt es sich allerdings klar um die Sichtweise des Franzosen. Eine offizielle Stellungnahme der FIM zu den Aussagen oder den Entscheidungen während des Rennens gab es bislang nicht.

Unabhängig davon lässt sich jedoch festhalten, dass die Streckenposten die Unfallstelle rund um Benistant weiträumig absicherten. Ärzte, Sanitäter und auch der verletzte Franzose selbst befanden sich zu keinem Zeitpunkt in einer unmittelbar gefährlichen Situation durch vorbeifahrende Fahrer.

Hervorzuheben bleibt außerdem das Verhalten der Piloten selbst. Die Fahrer reduzierten im Gefahrenbereich sichtbar das Tempo und folgten den Anweisungen der Streckenposten konsequent. Somit konnte der verletzte Benistant auch gefahrlos abtransportiert werden.

Ob Febvres Kritik damit vollständig berechtigt ist oder nicht, bleibt ohne offizielle Erklärung der Verantwortlichen letztlich offen.

Weitere Verwirrung nach Rennabbruch im zweiten Lauf

Auch im zweiten Lauf lief aus Sicht von Febvre und einigen anderen Beteiligten nicht alles sauber ab. Nach einem Massensturz in der ersten Kurve wurde das Rennen mit roter Flagge unterbrochen. Anschließend entstand Verwirrung rund um die Restart-Regelungen – insbesondere bei beschädigten Motorrädern und Ersatzmaschinen.

Febvre schilderte, dass die Situation rund um den Neustart auf ihn ungeordnet wirkte. „Sie wussten teilweise selbst nicht genau, was erlaubt ist und was nicht“, sagte der Franzose. „Es wirkte einfach chaotisch.“

Ob die Abläufe intern tatsächlich unklar waren oder lediglich nach außen diesen Eindruck vermittelten, lässt sich von außen allerdings nur schwer beurteilen.

Trotz seiner deutlichen Worte machte Febvre gleichzeitig klar, dass er kaum daran glaube, kurzfristig etwas verändern zu können.

Kritik auch an der Strecke selbst

Neben den Sicherheits- und Organisationsfragen äußerte sich Febvre außerdem überraschend kritisch zur Strecke von Lacapelle-Marival selbst.

Zwar lobte der Franzose die Arbeit der Streckencrew und erklärte, dass die Verantwortlichen bei den schwierigen Bedingungen kaum mehr hätten tun können. Mit dem eigentlichen Layout des Kurses zeigte er sich allerdings deutlich unzufriedener. „Für einen Grand Prix ist die Strecke einfach extrem eng“, erklärte Febvre. „In den ersten beiden Sektoren war Überholen praktisch unmöglich.“

Besonders den Abschnitt entlang der Boxengasse beschrieb der Kawasaki-Pilot eher als Enduro-ähnlich denn als typische Grand-Prix-Strecke. „Frankreich hat so viele gute Strecken“, sagte Febvre. „Ich möchte nichts gegen den Club sagen, aber für einen Grand Prix hätte es besser sein können.“

Auch diese Aussagen spiegeln allerdings die persönliche Einschätzung des Franzosen wider.

Tatsächlich fiel am gesamten Wochenende auf, wie schwierig Überholmanöver sowohl in MX2 als auch MXGP waren. Viele Fahrer verloren nach schlechten Starts sofort den Anschluss, weil sich kaum alternative Linien entwickelten.

Diskussionen dürften weitergehen

Die Aussagen von Romain Febvre dürften im Fahrerlager jedenfalls kaum unbemerkt bleiben. Denn der Franzose sprach nicht nur einzelne Rennsituationen an, sondern stellte aus seiner Sicht grundsätzliche Fragen zur Sicherheit, Streckenauswahl und Organisation auf höchstem Niveau des Motocross-Sports.

Und gerade weil Febvre bereits in der Vergangenheit mehrfach öffentlich Kritik an FIM und Infront geäußert hatte, dürften seine Aussagen diesmal besonders aufmerksam verfolgt werden.

Nach einem Wochenende mit mehreren schweren Stürzen, roten Flaggen und schwierigen Streckenbedingungen könnte die Diskussion rund um Grand-Prix-Standards damit weiter an Fahrt aufnehmen.