MXGP of France: Ein MX2-Podium, das es seit Jahren nicht gab

Podium der MX2 Klasse beim MXGP of France 2026

Podium der MX2 Klasse beim MXGP of France 2026. / Foto: Ray Archer

Der MXGP of France in Lacapelle-Marival sorgte nicht nur sportlich für Überraschungen, sondern auch statistisch für eine echte Besonderheit. Denn das MX2-Podium in Südfrankreich zeigte ein Bild, das es im Motocross-WM-Paddock seit Jahren praktisch nicht mehr gegeben hatte.

Zum ersten Mal seit über 1440 Tagen stand nach einem MX2-Grand-Prix kein Fahrer von KTM, Husqvarna oder GASGAS auf dem Podium.

Ein ungewöhnlicher Moment in einer Klasse, die in den vergangenen Jahren fast permanent von den Motorrädern aus Mattighofen geprägt wurde.

Rückblick nach Teutschenthal

Das letzte vergleichbare Podium gab es am 1. Juni 2022 beim Grand Prix von Deutschland in Teutschenthal. Damals standen Thibault Benistant, Jago Geerts und Mikkel Haarup gemeinsam auf dem Treppchen.

Seitdem gehörte mindestens ein Fahrer der KTM-Gruppe fast schon selbstverständlich zu den dominierenden Namen der MX2-Klasse.

In Lacapelle-Marival änderte sich dieses Bild plötzlich wieder.

Schwieriges Wochenende für Längenfelder und Coenen

Vor allem Simon Längenfelder und Sacha Coenen fanden auf der extrem anspruchsvollen Hartbodenstrecke nie wirklich ihren Rhythmus.

Längenfelder kämpfte über das gesamte Wochenende hinweg mit seinen Starts und verlor dadurch mehrfach früh den Anschluss an die Spitze. Hinzu kam ein später Sturz im zweiten Lauf, der weitere wichtige Punkte kostete.

Noch turbulenter verlief das Wochenende für Sacha Coenen. Der Belgier fiel erneut durch mehrere aggressive Aktionen und spektakuläre Stürze auf. Zwar zeigte er zwischenzeitlich mehrfach seine enorme Geschwindigkeit, gleichzeitig zerstörten die Fehler jedoch jede realistische Chance auf ein Podiumsergebnis.

Gerade auf der engen und technisch schwierigen Strecke von Lacapelle-Marival wurden kleine Fehler sofort bestraft.

Triumph nutzt die Chance konsequent

Während die KTM-Piloten mit den Bedingungen kämpften, nutzte Triumph die Situation konsequent aus. Guillem Farres und Camden McLellan präsentierten sich über beide Läufe hinweg auffallend stabil und sorgten für ein starkes Ergebnis der britischen Marke.

Farres feierte dabei nicht nur seinen ersten Grand-Prix-Gesamtsieg, sondern gewann zusätzlich beide Läufe. „Es ist unglaublich, endlich meinen ersten Grand-Prix-Sieg geholt zu haben“, sagte der Spanier nach dem Rennen. „Und mit zwei Laufsiegen macht es das noch spezieller.“

Vor allem im zweiten Lauf musste Farres lange geduldig bleiben. Überholen war auf der tief ausgefahrenen Strecke extrem schwierig. „Ich blieb dicht dran und versuchte, den Führenden unter Druck zu setzen“, erklärte er. „Etwa fünf Minuten vor Schluss konnte ich den entscheidenden Angriff setzen.“

Auch Teamkollege Camden McLellan zeigte eines seiner stärksten Wochenenden der Saison. Der Südafrikaner arbeitete sich im ersten Lauf bis auf Rang drei nach vorne und kämpfte im zweiten Rennen bis zum Schluss um den Sieg. „Im zweiten Lauf hatte ich einen richtig guten Start und eine starke erste Runde“, sagte McLellan. „Später haben wir bis ins Ziel um den Sieg gekämpft.“

Mit den Platzierungen drei und zwei sicherte sich McLellan Rang zwei in der Tageswertung.

Komplettiert wurde das ungewöhnliche Podium von Mathis Valin auf Kawasaki. Der Franzose zeigte vor heimischem Publikum eines seiner stärksten Wochenenden der bisherigen Saison und profitierte zusätzlich von der Unterstützung der Fans entlang der Strecke.

Reisulis sorgt lange für Überraschung

Im zweiten Lauf schien zwischenzeitlich sogar noch eine weitere Überraschung möglich zu werden. Janis Reisulis setzte sich nach einem erneuten Fehler von Sacha Coenen an die Spitze des Feldes und bestimmte mehrere Runden lang das Tempo.

Der junge Yamaha-Pilot kontrollierte das Rennen zunächst erstaunlich souverän und hielt die Verfolger lange hinter sich. Besonders auf der technisch schwierigen Strecke von Lacapelle-Marival wirkte Reisulis auffallend sicher. „Im zweiten Lauf habe ich mich auf dem Motorrad großartig gefühlt, auch wenn es wegen der Hitze körperlich anstrengend war“, erklärte der Lette später. „Ich lag fast das ganze Rennen über in Führung, was sehr positiv war.“

Mit zunehmender Renndistanz bauten Guillem Farres und die Verfolger allerdings immer mehr Druck auf. Schließlich fanden mehrere Fahrer doch noch einen Weg am Yamaha-Piloten vorbei. Trotzdem zeigte Reisulis erneut, warum er innerhalb der MX2-Klasse inzwischen immer häufiger auffällt.

Ein seltenes Bild im modernen MX2-Paddock

Das Ergebnis von Lacapelle-Marival zeigt gleichzeitig, wie offen die MX2-Klasse 2026 aktuell geworden ist. Zwar bleiben KTM und Husqvarna weiterhin die dominierenden Marken der vergangenen Jahre, doch gerade auf schwierigen Strecken scheinen inzwischen auch andere Hersteller deutlich näher herangerückt zu sein.

Und genau deshalb wirkte dieses Podium in Frankreich fast ungewohnt. Nicht nur sportlich – sondern auch historisch.

Die Ergebnisse des MXGP of France findest Du in unserer Übersicht.