Restart-Chaos in Lacapelle wirft Fragen auf
Tim Gajser durfte das Rennen nach dem Startcrash im zweiten Lauf des MXGP of France nicht wieder aufnehmen. / Foto: Fullspectrum Media
Der zweite MXGP-Lauf in Lacapelle-Marival dauerte nur wenige Sekunden, ehe das komplette Rennen im Chaos versank.
Nach dem heftigen Startcrash rund um Tom Vialle wurde die rote Flagge gezeigt. Was danach folgte, wirkte allerdings über weite Strecken erstaunlich ungeordnet – und genau das rückte den Grand Prix von Frankreich im Nachhinein noch stärker in den Mittelpunkt.
Denn obwohl die Entscheidungen der FIM letztlich dem Regelwerk entsprachen, blieb vor allem die Außenwirkung problematisch.
Der Eindruck eines unkontrollierten Ablaufs
Besonders irritierend wirkte die Situation direkt vor dem Restart. Tim Gajser stand bereits mit seinem Ersatzmotorrad am Startgatter, ehe hektische Diskussionen begannen und der Slowene das Gate wieder verlassen musste. Parallel dazu wurde auch Tom Vialle trotz medizinischer Freigabe nicht mehr zum Neustart zugelassen.
Von außen entstand dabei kaum der Eindruck klarer Abläufe.
Weder Zuschauer noch viele Beteiligte im Fahrerlager schienen sofort nachvollziehen zu können, warum einzelne Fahrer ausgeschlossen wurden. Selbst MXGP-Kommentator Paul Malin hatte während des Livestreams sichtbar Schwierigkeiten, die Situation unmittelbar korrekt einzuordnen und die Entscheidungen der Rennleitung eindeutig zu erklären.
Gerade das machte deutlich, wie unübersichtlich die gesamte Szene rund um den Restart tatsächlich wirkte.
Das Regelwerk war nicht das Hauptproblem
Rein formal bewegte sich die Rennleitung innerhalb des Reglements. Ein Bikewechsel nach Rennabbruch ist laut FIM-Regeln nicht erlaubt. Deshalb durfte Gajser mit seinem Ersatzmotorrad nicht erneut antreten. Gleichzeitig besitzt die Rennleitung die Möglichkeit, Fahrer vom Restart auszuschließen, wenn sie als Verursacher des Rennabbruchs eingestuft werden. Genau diese Regel wurde bei Tom Vialle angewendet.
Trotzdem blieb das Gefühl zurück, dass selbst innerhalb der Abläufe nicht jederzeit vollständige Klarheit herrschte.
Gerade auf WM-Niveau erwartet man in solchen Situationen schnelle, eindeutige und professionell kommunizierte Entscheidungen. In Lacapelle wirkte vieles dagegen improvisiert.
Die Vorgeschichte verschärfte die Situation zusätzlich
Hinzu kam, dass die Stimmung rund um Rennleitung und Sicherheit bereits vor dem zweiten Lauf angespannt war.
Im ersten Rennen war Thibault Benistant schwer gestürzt und mehrere Runden regungslos neben der Strecke liegen geblieben. Trotzdem lief das Rennen zunächst weiter. Erst später wurde der Franzose per Helikopter ins Krankenhaus gebracht.
Spätestens nach diesem Vorfall standen die Entscheidungen der Verantwortlichen ohnehin bereits unter Beobachtung.
Romain Febvre sprach das Thema später offen an und kritisierte die Abläufe ungewöhnlich deutlich. Vor allem die Frage, warum das Rennen trotz der Situation nicht früher abgebrochen wurde, sorgte im Fahrerlager für Aufmerksamkeit.
WM-Niveau verlangt mehr Klarheit
Lacapelle-Marival zeigte am Wochenende deshalb vor allem eines: Nicht jede reglementskonforme Entscheidung wirkt automatisch überzeugend. Denn selbst wenn die FIM formal korrekt gehandelt hat, blieb der Gesamteindruck eines Wochenendes zurück, bei dem Kommunikation, Außenwirkung und Rennmanagement mehrfach unnötig unruhig wirkten.
Gerade in einer Weltmeisterschaft, die sich als höchste Stufe des Sports präsentiert, werden solche Situationen besonders genau beobachtet. Und genau deshalb dürfte die Diskussion rund um Lacapelle längst noch nicht beendet sein.
