Herlings dominiert Uddevalla und denkt bereits an Arnhem
Jeffrey Herlings stand auch beim MXGP of Sweden ganz oben auf dem Podium.
Jeffrey Herlings hat den MXGP of Sweden in Uddevalla kontrolliert und seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft weiter ausgebaut. Der Honda-HRC-Pilot gewann das Qualifying Race und beide Wertungsläufe, führte jede Rennrunde des Wochenendes und feierte seinen 121. Grand-Prix-Sieg.
Romain Febvre belegte den zweiten Platz, Tom Vialle komplettierte das Podium. Gerade Herlings hinterließ jedoch kaum Zweifel daran, wer auf der traditionsreichen schwedischen Strecke das Tempo bestimmte.
Bessere Starts erleichtern Herlings die Arbeit
Ein wichtiger Teil seiner aktuellen Serie beginnt bereits am Start. Herlings, dessen Starts über weite Teile seiner Karriere nicht zu seinen größten Stärken gehörten, kommt inzwischen regelmäßig weit vorne aus der ersten Kurve.
Im ersten Lauf und im Qualifying Race brachte er sich sofort in eine gute Ausgangsposition. Im zweiten Rennen war sein Sprung am Gatter nach eigener Einschätzung weniger gelungen, trotzdem bog er als Dritter in die erste Kurve ein.
Von dort arbeitete sich der Niederländer an Tim Gajser und Febvre vorbei und übernahm die Spitze. Als die tief stehende Sonne die Sicht auf einigen Streckenabschnitten erschwerte, reduzierte Herlings das Risiko und kontrollierte seinen Vorsprung bis ins Ziel.
115 Punkte verändern die Ausgangslage
Vier Grands Prix vor Saisonende beträgt Herlings‘ Vorsprung auf Febvre 115 Punkte. Der Tabellenführer weiß deshalb, dass er inzwischen einen erheblichen Puffer besitzt.
Seine Herangehensweise will er trotzdem nicht verändern. Bewusst langsamer oder defensiver zu fahren, hält Herlings sogar für problematisch. Aus seiner Sicht steigt das Sturzrisiko, wenn er sich weiter hinten im Feld bewegt und dort in mehr Zweikämpfe verwickelt wird.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese Meisterschaft nur noch durch eine Verletzung verlieren kann“, erklärte Herlings nach dem Rennen. Technische Probleme bleiben für ihn ein weiterer Faktor, den er selbst nicht vollständig kontrollieren kann.
Diese Aussage klingt angesichts von 115 Punkten Vorsprung selbstbewusst, kommt bei Herlings aber nicht ohne Vorgeschichte. Gerade er weiß, wie schnell sich eine scheinbar komfortable WM-Situation durch eine Verletzung verändern kann.
Honda entwickelt die 450 weiter
Herlings führt seine aktuelle Form auch auf die Entwicklung seiner Honda zurück. Zu Saisonbeginn fehlte ihm nach eigener Einschätzung noch der gewünschte Rhythmus mit dem neuen Motorrad.
Das Team veränderte seitdem mehrere Bereiche am Bike. Vor allem die Fortschritte beim Start wertet der 31-Jährige als wichtigen Schritt, weil auf dem heutigen MXGP-Niveau bereits die Position in der ersten Kurve erheblichen Einfluss auf den weiteren Rennverlauf hat.
Trotz seiner 17 Jahre auf Grand-Prix-Niveau sieht Herlings noch keinen Grund, über ein baldiges Karriereende nachzudenken. Zwei oder drei weitere Jahre auf einem Niveau, auf dem er um Siege fahren kann, hält er derzeit für möglich. Als Beispiel nennt er Febvre, der einige Jahre älter ist und weiterhin an der Spitze der MXGP fährt.
Febvre muss sich durch das Feld arbeiten
Febvre hatte es im ersten Lauf deutlich schwerer. Nach Kontakten in den ersten Kurven verlor der Kawasaki-Pilot mehrere Positionen und musste anschließend Fahrer für Fahrer überholen. Hinter Andrea Adamo kam seine Aufholjagd ins Stocken. Febvre fand lange keine Möglichkeit zum Überholen und brachte schließlich Rang vier ins Ziel.
Der zweite Lauf verlief besser. Der Franzose kam vorne aus der ersten Kurve und führte zunächst, ehe Herlings bereits in der ersten Runde vorbeiging. Febvre hielt anschließend den zweiten Platz und lag gegen Rennende nur wenige Sekunden hinter dem Niederländer.
Nach seinem Ausfall beim vorherigen Grand Prix in Belgien war Platz zwei in Schweden zugleich die Rückkehr auf das Overall-Podium.
Vialle findet kaum einen Weg vorbei
Tom Vialle kämpfte in Uddevalla mit einem Problem, das auf der Strecke mehrfach sichtbar wurde: Überholen war schwierig. Im ersten Lauf hing der Franzose rund 35 Minuten hinter Pauls Jonass fest, obwohl er das Tempo für eine bessere Position hatte.
„Ich konnte auf der Strecke einfach keine Stelle finden, um vorbeizukommen“, beschrieb Vialle seine Situation. Änderungen am Motorrad zwischen Qualifying Race und den Sonntagsrennen verbesserten sein Gefühl auf der Honda, doch auch im zweiten Lauf musste er mehrere Positionen zurückholen.
Der dritte Overall-Rang war sein zweites Podium innerhalb der vergangenen drei Grands Prix. Nach seiner Verletzung zur Saisonmitte fühlt sich Vialle körperlich wieder deutlich besser.
Seine Lernphase auf der 450er ist trotzdem nicht abgeschlossen. Vialle spricht vor allem vom richtigen Zeitpunkt am Gas und davon, die Leistung des Motorrads auf schwierigem Untergrund sauber auf den Boden zu bringen. Gegen Fahrer wie Herlings, Febvre und Gajser trifft er auf Konkurrenten mit jahrelanger Erfahrung in der großen Klasse.
Febvre erklärt seinen Abschied von Kawasaki
Abseits des Renngeschehens sprach Febvre in der Pressekonferenz auch über seine Entscheidung, Kawasaki nach der Saison 2026 zu verlassen. Der Franzose stellte klar, dass er diese Entscheidung selbst getroffen habe.
Nach vielen Jahren beim Kawasaki Racing Team sucht der zweimalige Weltmeister noch einmal eine neue Aufgabe. Febvre befürchtete, dass seine Motivation bei einem Verbleib nachlassen könnte, und entschied sich deshalb für einen Wechsel. Zwei weitere Jahre will er auf jeden Fall Rennen fahren.
Herlings richtet seinen Blick dagegen bereits auf Arnhem. Der Heim-GP in den Niederlanden folgt am kommenden Wochenende. Auch mit seinem großen Vorsprung ändert sich das Ziel nicht: Er will dort erneut um den Overall-Sieg fahren.
