Nach dem Sturz in Tensfeld: Max Nagl im Interview

Max Nagl sprach mit uns über die Folgen seines ADAC MX Masters Tensfeld-Crash

Max Nagl sprach mit uns über die Folgen seines ADAC MX Masters Tensfeld-Crash

Der schwere Unfall von Max Nagl beim ADAC MX Masters in Tensfeld sorgte am vergangenen Wochenende für große Sorgen. Inzwischen gibt es jedoch vorsichtige Entwarnung. Nach weiteren Untersuchungen in Belgien scheint sich der Verdacht auf schwerwiegende Verletzungen nicht bestätigt zu haben.

Wir haben mit dem Triumph-Piloten über die Stunden nach dem Unfall, die aktuelle Diagnose, den verlorenen Meisterschaftsvorsprung und die Ereignisse rund um den Crash gesprochen.

Max, wie groß war die Erleichterung nach der zweiten Untersuchung?

Die erste Nacht war ehrlich gesagt sehr unangenehm. Nach den ersten Untersuchungen hieß es, dass Brust- und Halswirbel betroffen sein könnten. Ich durfte mich praktisch nicht bewegen, war komplett fixiert und konnte kaum schlafen.

Was mir zusätzlich Sorgen gemacht hat: Mein rechter Arm wurde in der Nacht immer wieder taub. Das ist sechs- oder siebenmal passiert. Da bekommt man natürlich kein gutes Gefühl.

Am nächsten Tag waren sich die Ärzte dann nicht mehr sicher, ob der Halswirbel überhaupt gebrochen ist. Das war natürlich erst einmal eine Erleichterung. Die weiteren Untersuchungen in Belgien haben dann bestätigt, dass der Halswirbel offenbar in Ordnung ist. Mehr Probleme macht aktuell der Brustwirbel, weil der wirklich weh tut. Aber auch da kann man im Moment nicht viel machen außer Ruhe geben und heilen lassen.

Du hast die Meisterschaft seit dem Saisonauftakt angeführt. Wie schwer fällt es dir, das Red Plate auf diese Weise zu verlieren?

Emotional tut es gerade mehr weh als körperlich. Ich habe diesen Winter und auch während der Saison unglaublich viel investiert, um auf diesem Niveau fahren zu können. Deshalb ist es schwer, die Meisterschaft so davonschwimmen zu sehen, obwohl man selbst überhaupt nichts dafür kann.

Im Moment fällt es mir schwer zu verstehen, warum so etwas schon wieder passieren musste. Aber ich kenne mich selbst. Jetzt ist alles noch sehr frisch und negativ. In ein paar Tagen oder einer Woche werde ich das abhaken und wieder nach vorne schauen.

Was ging dir direkt nach dem Unfall durch den Kopf?

Als Roan in mich hineingesprungen ist, habe ich sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Trotzdem denkt man in diesem Moment zuerst wie ein Rennfahrer. Du denkst nicht an die Gesundheit oder an Verletzungen. Du willst einfach aufstehen, aufs Motorrad steigen und weiterfahren.

Als ich gemerkt habe, dass das nicht möglich ist, schießt dir sofort die Meisterschaft durch den Kopf. Du denkst direkt, dass das Wochenende vorbei ist und wahrscheinlich auch der Titelkampf. Das war schon ein sehr unangenehmer Moment.

Schafft man es tatsächlich, die Meisterschaft auszublenden?

Eigentlich möchte ich gar nicht darauf schauen. Aber das ist unmöglich. Durch die vielen Nachrichten, Berichte und Anfragen bekommt man die Ergebnisse und den Meisterschaftsstand automatisch mit. Natürlich sieht man dann auch, was in Tensfeld passiert ist und wie die Tabelle jetzt aussieht.

Das macht keinen Spaß, aber ändern kann ich es nicht.

Überwiegt inzwischen die Erleichterung oder sitzt der Frust noch tief?

Die Erleichterung ist definitiv da, weil es deutlich schlimmer hätte ausgehen können. Trotzdem frustriert mich die Situation sehr. Wir haben dieses Jahr unglaublich viel Arbeit investiert. Nicht nur ins Training, sondern auch in die Entwicklung des Motorrads und das gesamte Projekt. Zu sehen, wie das alles innerhalb weniger Sekunden ins Wanken gerät, beschäftigt mich natürlich.

Das nagt im Moment schon am Kopf.

Nach dem Unfall wurde viel über die Situation auf der Strecke diskutiert. Wie siehst du das heute?

Ich habe mir die Situation inzwischen mit mehreren Leuten und anhand der Videos noch einmal genau angeschaut, weil ich einfach verstehen wollte, wie es zu diesem Unfall kommen konnte.

Es waren bereits zwei Fahrer gestürzt, als ich auf die Stelle zugefahren bin. In dem Moment, als ich um die Kurve vor der Pitlane gefahren bin, wurde hinter mir die erste gelbe Flagge geschwenkt. Die konnte ich nicht mehr sehen, weil ich bereits vorbei war.

Kurz darauf wurde auch an der eigentlichen Unfallstelle eine weitere gelbe Flagge geschwenkt. Auch die habe ich nicht wahrgenommen, weil sie in dem Moment herauskam, als ich praktisch schon auf gleicher Höhe war. Für mich gab es also keine sichtbare Warnung und deshalb bin ich ganz normal weitergefahren.

Im Nachhinein habe ich gesehen, dass zwischen mir und Roan noch ein überrundeter Fahrer unterwegs war, der sichtbar Tempo rausnahm und die Unfallstelle passierte. Roan kam dagegen mit höherer Geschwindigkeit an die Stelle und sprang in mich. Warum sich die Situation für die beiden Fahrer unterschiedlich dargestellt hat, kann ich nicht beurteilen. Jeder hat in so einem Moment einen anderen Blickwinkel und nimmt die Situation anders wahr.

Mir geht es auch überhaupt nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen. Die Situation ist passiert und lässt sich nicht mehr ändern. Aber nachdem ich mir die Aufnahmen mehrfach angesehen habe, war es mir wichtig, den Ablauf für mich selbst nachvollziehen zu können.

Am Ende ist einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände zusammengekommen, die zu diesem Unfall geführt hat.

Auf Instagram hast Du die Rückkehr in Gaildorf als Ziel gesetzt. Wie realistisch ist aktuell dort ein Start?

Bis Gaildorf sind noch einige Wochen Zeit. Im Moment hängt alles davon ab, wie schnell die Heilung verläuft. Aber Stand heute halte ich es für realistisch, dort wieder am Start zu stehen.