CROSS FINALS: Werberegel sorgt schon vor dem ersten Start für Fragen

So, oder so ähnlich könnten Fahrershirts bei den Cross Finals 2026 aussehen

So, oder so ähnlich könnten Fahrershirts bei den Cross Finals 2026 aussehen

Die CROSS FINALS vom 28. bis 30. August in Tessin beginnen erst in wenigen Wochen. Trotzdem wird bereits jetzt über einen Punkt der Ausschreibung diskutiert. Der Veranstalter untersagt auf den Fahrerjerseys die Logos zahlreicher Unternehmen aus der Motocross-Branche. Wer die Vorgaben nicht einhält, erhält keine Startfreigabe.

Als Begründung nennt der Veranstalter den Schutz seiner Veranstaltungspartner.

Regel betrifft deutlich mehr als die Bekleidung

Auf den ersten Blick richtet sich die Vorgabe gegen bestimmte Bekleidungshersteller. Fahrer müssen Logos von Marken, die nicht auf der Positivliste stehen, vollständig abdecken oder unkenntlich machen. Andernfalls dürfen sie nicht an den CROSS FINALS teilnehmen.

Ein Blick in das Reglement zeigt jedoch, dass die Regelung deutlich weiter reicht. Absatz 16, Punkt 3 erlaubt ausschließlich die Logos offizieller Sponsoren der CROSS FINALS, der jeweiligen Landesverbände sowie privater Unterstützer, sofern diese keinen Bezug zur Motocross-Branche haben und nicht mit Veranstaltungspartnern konkurrieren.

Damit sind längst nicht nur Bekleidungshersteller betroffen. Auch Reifenhersteller, Dekorfirmen, Fahrwerksspezialisten, Motorradhändler, Schmierstoffhersteller, Zubehöranbieter oder Motocross-Shops dürfen ihre Logos auf den Fahrerjerseys nicht präsentieren, sofern sie keine offiziellen Partner der Veranstaltung sind.

Gerade diese Unternehmen gehören seit Jahren zu den wichtigsten Unterstützern des Amateur- und Nachwuchssports. Viele Fahrer erhalten von ihnen Material, Ersatzteile, Rabatte oder finanzielle Unterstützung. Ohne diese Hilfe wäre eine komplette Saison für zahlreiche Privatfahrer kaum zu stemmen.

Auswahl der Hersteller bleibt offen

Zusätzliche Fragen wirft die Positivliste der zugelassenen Bekleidungshersteller auf. Einige Marken werden ausdrücklich genannt, andere bekannte Hersteller fehlen vollständig. Nach welchen Kriterien diese Auswahl getroffen wurde, geht aus der Ausschreibung nicht hervor. Ebenso bleibt offen, weshalb manche Hersteller sichtbar bleiben dürfen, während andere ihre Logos vollständig abdecken müssen.

Unabhängig davon schränkt die Regelung die Sichtbarkeit eines großen Teils der Motocross-Industrie ein. Betroffen sind ausgerechnet jene Unternehmen, die den Sport an der Basis seit vielen Jahren mittragen.

Ein Werbeverbot kann zum Bumerang werden

Dass Verbote dieser Art nicht immer den gewünschten Effekt erzielen, zeigte sich bereits im AMA Supercross. 2019 musste Dean Wilson sämtliche Logos seines Sponsors Ignite CBD auf Motorrad und Fahrerausrüstung entfernen beziehungsweise überkleben. Ziel war es, die Marke während der Veranstaltung möglichst unsichtbar zu machen.

Das Ergebnis fiel anders aus.

Ignite-Gründer Dan Bilzerian machte den Vorgang öffentlich und nutzte dafür seine enorme Reichweite in den sozialen Medien. Innerhalb kurzer Zeit griffen Motorsportportale, Nachrichtenseiten und unzählige Social-Media-Kanäle das Thema auf. Statt über ein Logo auf einem Motorrad wurde plötzlich weltweit über das Verbot berichtet.

Ob sich diese Aufmerksamkeit unmittelbar in höheren Verkaufszahlen niederschlug, wurde nie veröffentlicht. Aus Marketingsicht dürfte die zusätzliche Reichweite jedoch deutlich wertvoller gewesen sein als ein einzelner Aufkleber auf Motorrad oder Fahrerbekleidung.

Die größte Aufmerksamkeit erhalten oft die Ausgeschlossenen

Hier liegt die Ironie solcher Maßnahmen. Ein Herstellerlogo auf einem Fahrerjersey nehmen die meisten Zuschauer kaum bewusst wahr. Wird dieses Logo jedoch verboten, entsteht eine Diskussion. Fahrer sprechen darüber, Fans kommentieren in den sozialen Netzwerken und Medien greifen das Thema auf. Plötzlich steht nicht mehr das sichtbare Logo im Mittelpunkt, sondern dessen Verbot.

Genau das könnte auch bei den CROSS FINALS passieren. Schon jetzt stehen nicht die offiziellen Partner der Veranstaltung im Mittelpunkt, sondern die Unternehmen, deren Logos nicht auf den Fahrerjerseys zu sehen sein dürfen.

Ob die neue Regelung den gewünschten Effekt erzielt, wird sich erst nach dem Rennwochenende zeigen. Sicher ist jedoch schon heute: Das Reglement hat eine Debatte ausgelöst, die den ausgeschlossenen Marken deutlich mehr Aufmerksamkeit verschafft, als ein kleines Logo auf einem Fahrerjersey vermutlich jemals erreicht hätte.

Auszug der Ausschreibung der Cross Finals 2026 – Stand 27.07.2026