Jeremy Seewer beweist: Das Problem saß nicht auf dem Motorrad
Jeremy Seewer beim MXGP in Loket mit dem Holeshot Plate
Kaum ein Fahrer musste sich in dieser Saison so viel Kritik anhören wie Jeremy Seewer. Nach den enttäuschenden Ergebnissen auf der Ducati stellten viele bereits seine Klasse infrage. Zwei Grand Prix auf der Van Venrooy KTM später zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild.
Der Schweizer fährt wieder um die Top Ten, holte bereits einen Holeshot und wirkt auf dem Motorrad deutlich freier. Für Seewer selbst kommt diese Entwicklung allerdings nicht überraschend. Die schwierigen Monate hätten zwar Spuren hinterlassen, am Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten habe Seewer jedoch nie gezweifelt. „Ich musste einfach Geduld haben. Jetzt fühlt es sich umso schöner an, dass es wieder klappt.“
Die KTM passt zu seinem Fahrstil
Statt die beiden Motorräder direkt miteinander zu vergleichen, beschreibt Seewer lieber, warum er sich auf der KTM sofort wohlfühlt. „Die KTM passt auf jeden Fall sehr gut zu mir. Der Motor ist genau so, wie ich ihn haben will. Auch von der Größe und der Gewichtsverteilung her fühle ich mich sehr wohl auf dem Motorrad. Es fühlt sich einfach normal an.“
Genau das spiegeln auch die Ergebnisse wider. Während Seewer bei seinen sechs MXGP-Einsätzen 2026 auf der Ducati im Durchschnitt lediglich Rang 22 belegte, präsentiert sich das Bild auf der KTM komplett verändert.
Nach nur zwei Grand Prix stehen bereits ein Holeshot und ein durchschnittliches Rennergebnis auf Platz elf zu Buche. Noch wichtiger als die nackten Zahlen ist jedoch der Eindruck auf der Strecke. Seewer bewegt sich wieder in der Spitzengruppe, fährt konstant um die Top Ten und vermittelt den Eindruck, wieder das Vertrauen in sein Arbeitsgerät gefunden zu haben.
Die Geschwindigkeit kehrt Schritt für Schritt zurück
Dass noch nicht alles perfekt läuft, weiß Seewer selbst. Nach den schwierigen Monaten müsse er sich erst wieder daran gewöhnen, dauerhaft das Tempo der Spitzengruppe mitzugehen. „Natürlich dauert es ein bisschen, bis ich den Speed der Spitzengruppe wieder locker aus dem Ärmel schüttle. Da muss ich mich erst wieder daran gewöhnen, weil es schon eine Weile her ist, dass ich dort regelmäßig mitgefahren bin.“
Auch das Rennwochenende in Loket ordnet er entsprechend ein. Im ersten Lauf verhinderten technische Probleme ein besseres Resultat. Im zweiten Rennen lag der Schweizer lange in den Top Fünf, ehe ihn einige kleine Fehler noch Positionen kosteten.
„Ich habe wieder einen Schritt beim Speed gemacht. Am Ende haben mich zwei oder drei kleine Fehler ein gutes Resultat gekostet. Aber das gehört momentan noch zum Lernprozess dazu, um wieder ganz zur Spitze aufzuschließen.“
Vor dem ehemaligen Teamkollegen
Bereits in Foxhill gelangen Seewer zwei Top-10-Ergebnisse. Beim Grand Prix der Tschechischen Republik in Loket bestätigte er diese Leistung und platzierte sich erneut vor seinem ehemaligen Ducati-Teamkollegen Calvin Vlaanderen.
Das zeigt, dass die Leistungssteigerung kein Zufall ist. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der Schweizer wieder in Regionen bewegt, in denen viele ihn über Jahre hinweg erlebt haben.
Die vergangenen Monate erscheinen heute in einem anderen Licht
Natürlich reichen zwei Rennwochenenden nicht aus, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Dennoch zeigen die vergangenen Wochen deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Motorrad auf diesem Niveau ist.
Der Wechsel auf die KTM hat Jeremy Seewer wieder näher an die Spitzengruppe herangeführt. Gleichzeitig macht der Schweizer selbst deutlich, dass er noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist und weitere Schritte folgen sollen.
Sein persönliches Fazit fällt deshalb entsprechend positiv aus: „Grundsätzlich bin ich wieder auf dem richtigen Weg. Wir haben alles richtig gemacht.“
Die vergangenen beiden Grand Prix senden damit eine klare Botschaft: Jeremy Seewer hat das Fahren nicht verlernt. Er scheint vielmehr wieder das Motorrad gefunden zu haben, das seinem Fahrstil entspricht und ihm das nötige Vertrauen gibt, um sein Potenzial auszuschöpfen.
