„Right to Race“ statt Streckensterben
Motorsportstätten könnten auch in Deutschland mit einem "Right to Race" Gesetz geschützt werden.
In South Carolina hat Gouverneur Henry McMaster Mitte Mai ein Gesetz unterzeichnet, das bestehende Rennstrecken besser vor Klagen durch Anwohner schützen soll. Der Bundesstaat reiht sich damit in eine wachsende Liste amerikanischer Staaten ein, die dem Motorsport mehr Rechtssicherheit geben wollen.
Die Grundidee dahinter ist einfach: Wer neben eine bereits bestehende Rennstrecke zieht, soll deren Existenz nicht Jahre später durch Lärmklagen infrage stellen können.
Während die USA damit aktiv den Erhalt ihrer Motorsportanlagen fördern, entwickelt sich die Situation in Deutschland und vielen Teilen Europas zunehmend in die entgegengesetzte Richtung.
Die Strecke war zuerst da
Viele Motocross-, Enduro- und Straßenrennstrecken entstanden lange bevor in ihrer Umgebung neue Wohngebiete gebaut wurden. Über Jahrzehnte funktionierte dieses Nebeneinander meist problemlos. Doch mit jeder neuen Siedlung rückten die Häuser näher an die Strecken heran.
Heute stehen zahlreiche Betreiber vor einem Problem, das sie selbst nicht verursacht haben. Obwohl die Anlagen oft seit Jahrzehnten existieren, sehen sie sich mit Beschwerden, Auflagen und immer strengeren Vorgaben konfrontiert.
Die Folge sind reduzierte Trainingszeiten, eingeschränkte Veranstaltungsmöglichkeiten und steigende Kosten für Vereine und Betreiber.
Ein Verlust, der kaum rückgängig zu machen ist
Besonders kritisch wird die Entwicklung dadurch, dass neue Motorsportanlagen kaum noch entstehen. Genehmigungsverfahren dauern Jahre, Umweltauflagen werden umfangreicher und geeignete Flächen sind vielerorts kaum noch verfügbar.
Geht eine Strecke verloren, verschwindet sie deshalb meist dauerhaft.
Gerade im Motocross-Sport zeigt sich diese Entwicklung immer deutlicher. Vereine investieren viel Zeit und Geld, um bestehende Anlagen zu erhalten, während gleichzeitig die Zahl der verfügbaren Strecken vielerorts sinkt. Für den Nachwuchs bedeutet das längere Anfahrtswege, weniger Trainingsmöglichkeiten und einen erschwerten Zugang zum Sport.
Motorsport braucht mehr als große Rennen
Wenn über Motorsport gesprochen wird, richtet sich der Blick häufig auf Weltmeisterschaften, große Stadionevents oder professionelle Rennserien. Die Grundlage dafür entsteht jedoch an ganz anderen Orten.
Auf Vereinsstrecken lernen Kinder ihre ersten Runden zu fahren. Dort werden Talente entdeckt, Meisterschaften vorbereitet und ehrenamtliche Strukturen aufgebaut. Ohne diese Anlagen gäbe es weder Nachwuchsprogramme noch spätere Weltmeister.
Dennoch entsteht vielerorts der Eindruck, dass Motorsportanlagen vor allem als Störfaktor wahrgenommen werden.
Ein Blick über den Atlantik
Genau hier setzen die sogenannten „Right to Race“-Gesetze in den USA an. Sie schaffen Rechtssicherheit für Strecken, die bereits lange vor den umliegenden Wohngebieten existierten. Gleichzeitig erkennen sie an, dass Rennstrecken wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung besitzen.
In South Carolina erwirtschaftet die Motorsportbranche nach offiziellen Angaben jährlich rund eine Milliarde US-Dollar und sichert mehr als 5.000 Arbeitsplätze. Solche Zahlen verdeutlichen, dass Motorsport weit mehr ist als ein Freizeitvergnügen für einige Enthusiasten.
Natürlich lassen sich amerikanische Gesetze nicht eins zu eins auf Europa übertragen. Die dahinterstehende Frage ist jedoch auch hier relevant: Welchen Stellenwert haben bestehende Motorsportanlagen eigentlich noch?
Zeit für eine Diskussion
Der Motorsport in Europa kämpft nicht in erster Linie mit fehlendem Interesse. Die Starterfelder vieler Serien sind voll, Vereine leisten wertvolle Nachwuchsarbeit und Veranstaltungen ziehen weiterhin tausende Zuschauer an.
Was vielerorts fehlt, ist Planungssicherheit.
Während einzelne US-Bundesstaaten gezielt Maßnahmen zum Schutz ihrer Rennstrecken ergreifen, kämpfen viele europäische Betreiber Jahr für Jahr um Genehmigungen, Trainingszeiten und ihre langfristige Zukunft.
Die Entwicklung in South Carolina zeigt, dass Politik auch einen anderen Weg einschlagen kann. Einen Weg, der bestehende Motorsportanlagen nicht als Problem betrachtet, sondern als Teil der sportlichen Infrastruktur eines Landes.
Genau diese Diskussion dürfte in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren wichtiger werden denn je.
