MXGP in Montevarchi: Rückkehr mit Fragezeichen

Grand Prix Strecke in Montevarchi

Grand Prix Strecke in Montevarchi. / Foto: Ray Archer

Mit Montevarchi kehrt an diesem Wochenende ein traditionsreicher Austragungsort in den MXGP-Kalender zurück. Die Strecke besitzt Geschichte, daran gibt es keinen Zweifel. Doch genau deshalb stellt sich die Frage, ob Nostalgie allein ausreicht, um einen Grand Prix der heutigen Zeit auszurichten.

Schon ein Blick ins Fahrerlager zeigt, dass die Veranstaltung an ihre Grenzen stößt.

Weniger Klassen, weniger Probleme

Normalerweise gehören bei europäischen Grand Prix mittlerweile vier Klassen fast schon zum Standardprogramm. In Montevarchi stehen dagegen lediglich MXGP, MX2 und die EMX250 auf dem Zeitplan. Auf eine weitere Europameisterschaft wurde verzichtet.

Offiziell wird das kaum jemand als Problem bezeichnen. Faktisch dürfte die Entscheidung jedoch vor allem mit den Platzverhältnissen zusammenhängen. Bereits mit drei Klassen wird das Fahrerlager stark beansprucht. Jeder zusätzliche Truck, jedes weitere Team und jede zusätzliche Infrastruktur würde die Situation weiter verschärfen.

Damit entsteht ein ungewöhnliches Bild: Nicht die Weltmeisterschaft bestimmt den Rahmen der Veranstaltung, sondern die vorhandenen Kapazitäten des Veranstaltungsortes setzen die Grenzen.

Die Anforderungen haben sich verändert

Der letzte Grand Prix in Montevarchi fand vor zwanzig Jahren statt. Seitdem hat sich die Motocross-Weltmeisterschaft deutlich verändert.

Werksteams reisen heute mit einer Infrastruktur an, die mit jener von damals kaum noch vergleichbar ist. Große Hospitality-Bereiche, zusätzliche Servicefahrzeuge, Medienarbeitsplätze und umfangreiche Teamstrukturen gehören inzwischen zum Standard. Gleichzeitig sind auch die Europameisterschaften gewachsen und bringen zusätzliche Teams ins Fahrerlager.

Viele aktuelle Grand-Prix-Strecken wurden in den vergangenen Jahren genau deshalb ausgebaut. In Montevarchi wirkt es dagegen stellenweise so, als müsse sich die Weltmeisterschaft an den Veranstaltungsort anpassen.

Kritik auch aus Italien

Bemerkenswert ist dabei, dass die Diskussion nicht nur außerhalb Italiens geführt wird. Auch italienische Medien haben die Rückkehr nach Montevarchi kritisch begleitet und die Entscheidung hinterfragt.

Dabei richtet sich die Kritik weniger gegen die Strecke selbst. Das eigentliche Thema ist die Infrastruktur rund um die Anlage. Denn eine Weltmeisterschaft wird längst nicht mehr nur auf der Rennstrecke entschieden. Zufahrten, Parkflächen, Arbeitsbereiche für Teams, Medien und Veranstalter sind heute ebenso wichtig wie die Beschaffenheit des Bodens oder das Layout der Strecke.

Genau in diesen Bereichen sehen viele Beobachter die größten Schwächen des Veranstaltungsortes.

Sportlich interessant, organisatorisch fragwürdig

Auf der Strecke selbst dürfte Montevarchi durchaus für spannende Rennen sorgen. Für den Großteil des aktuellen Fahrerfeldes ist der Kurs Neuland, was zusätzliche Unwägbarkeiten mit sich bringt.

Die grundsätzliche Frage bleibt dennoch bestehen: Sollte eine Weltmeisterschaft auf Anlagen gastieren, bei denen bereits die Unterbringung von drei Klassen zur Herausforderung wird?

Tradition ist wichtig. Sie sollte aber kein Ersatz für die Anforderungen sein, die ein moderner Grand Prix erfüllen muss. Genau deshalb wirkt die Rückkehr nach Montevarchi weniger wie ein Schritt nach vorn, sondern eher wie ein Blick zurück.

Zeitplan des MXGP of Italy in Montevarchi