MXGP Montevarchi: Freude, Frust und offene Worte
Start der MXGP Klasse beim Grand Prix in Montevarchi. / Foto: JPA
Der Grand Prix von Italien in Montevarchi bot nicht nur spannende Rennen, sondern auch zahlreiche Geschichten abseits der Ergebnisse. Während einige Fahrer mit ihren Leistungen zufrieden waren, überwog bei anderen der Ärger über verpasste Möglichkeiten. Besonders auffällig: Viele der Fahrer sprachen weniger über ihre Platzierungen als über die Umstände, die möglicherweise noch bessere Resultate verhindert hatten.
Herlings meldet sich eindrucksvoll zurück
Jeffrey Herlings gehörte zu den großen Gewinnern des Wochenendes. Der Niederländer feierte seinen vierten Grand-Prix-Sieg der Saison und bewies erneut, dass er im Titelkampf noch lange nicht abgeschrieben werden darf.
„Die Strecke liegt mir eigentlich nicht besonders“, erklärte Herlings nach dem Rennen. Umso bemerkenswerter war sein Auftritt. Mit zwei starken Starts und aggressiven Überholmanövern legte er den Grundstein für den Gesamtsieg.
Nach den technischen Rückschlägen der vergangenen Wochen war der Erfolg für Herlings und Honda eine wichtige Antwort. Gleichzeitig konnte der Niederländer wertvolle Punkte auf Lucas Coenen gutmachen.
Lucas Coenen denkt an die Meisterschaft
Während Herlings den Tagessieg holte, zeigte Lucas Coenen einmal mehr, warum er aktuell die Red Plate trägt.
„Ich wollte keinen großen Fehler machen. Die Strecke war schwierig, deshalb bin ich clever gefahren und habe auf lange Sicht gedacht.“
Der Belgier verzichtete im zweiten Lauf bewusst auf übermäßiges Risiko und nahm lieber ein weiteres Podiumsergebnis mit. Angesichts seiner komfortablen WM-Führung erscheint dieser Ansatz nachvollziehbar. Nicht jeder Grand Prix muss gewonnen werden, wenn am Ende die Meisterschaft das große Ziel ist.
Adamo begeistert von seinem Heimrennen
Andrea Adamo verpasste das Podium zwar knapp, konnte seinem Heimrennen aber viel Positives abgewinnen.
„Die Atmosphäre war verrückt“, schwärmte der KTM-Pilot nach dem Wochenende.
Besonders ärgerlich aus seiner Sicht: Ein zu aggressiver Beginn im ersten Lauf kostete ihn möglicherweise die Chance auf einen Podestplatz. Trotzdem zeigte sich Adamo mit Rang vier insgesamt zufrieden und blickt optimistisch auf die kommenden Rennen.
Längenfelder mit ungewöhnlich selbstkritischen Tönen
Deutlich kritischer bewertete Simon Längenfelder seinen Auftritt. „Die Holeshots waren eigentlich das einzig Positive.“
Eine Aussage, die man von dem Deutschen selten hört. Nach einem Sturz im Qualifikationsrennen fehlte ihm nach eigener Einschätzung die Geschwindigkeit, um mit den Spitzenfahrern mitzuhalten. Statt Ausreden zu suchen, sprach Längenfelder offen von falschen Entscheidungen und einem insgesamt schwierigen Wochenende.
Den Kampf um die Meisterschaft hat der KTM-Pilot deshalb aber noch lange nicht aufgegeben: „Ich werde nicht aufhören zu kämpfen.“
Sacha Coenen mit Schadensbegrenzung
Für den WM-Führenden der MX2-Klasse verlief Montevarchi deutlich komplizierter als die vergangenen Wochen.
„Es war ein schwieriges Wochenende auf dieser Strecke.“
Vor allem ein Fehler im ersten Lauf kostete den Belgier wertvolle Positionen. Dennoch gelang es ihm, den Schaden zu begrenzen und mit zwei zweiten Plätzen wichtige Punkte für die Meisterschaft mitzunehmen. Genau diese Fähigkeit könnte im weiteren Saisonverlauf noch entscheidend werden.
Triumph sieht das verpasste Maximum
Bei Triumph überwog trotz starker Ergebnisse das Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Guillem Farres gewann den ersten Lauf und führte zwischenzeitlich eindrucksvoll das Feld an. Ein schlechter Start und ein Sturz im zweiten Rennen verhinderten jedoch den möglichen Gesamtsieg.
„Es ist etwas frustrierend, weil ich das Gefühl habe, eine große Chance verpasst zu haben.“
Ähnlich fiel das Fazit von Camden McLellan aus. Nach Problemen im ersten Lauf gewann der Südafrikaner das zweite Rennen und zeigte einmal mehr seine Geschwindigkeit. Die Richtung stimmt, doch auch bei ihm bleibt der Eindruck, dass noch Luft nach oben vorhanden ist.
Renaux kämpft gegen seinen eigenen Körper
Maxime Renaux stand erneut auf dem Podium, dennoch fiel sein Fazit überraschend zurückhaltend aus. Der Franzose verriet nach dem Rennen, weiterhin mit einem Virus zu kämpfen. Besonders im zweiten Lauf machte sich das bemerkbar.
„Die Geschwindigkeit war da, aber körperlich hatte ich einfach nichts mehr übrig.“
Trotz der gesundheitlichen Probleme ein weiteres Podium einzufahren, dürfte für Renaux letztlich als Erfolg gewertet werden.
Gajser sieht Licht am Ende des Tunnels
Auch Tim Gajser konnte dem Wochenende viele positive Aspekte abgewinnen. „Ich habe mich das ganze Wochenende über wohl auf dem Motorrad gefühlt.“
Vor allem der Sieg im zweiten Lauf gab dem Slowenen Selbstvertrauen. Nachdem die vergangenen Wochen nicht immer nach Wunsch verlaufen waren, sieht Gajser deutliche Fortschritte und möchte diesen Schwung nun nach Portugal mitnehmen.
Ducati schöpft neues Selbstvertrauen
Für Calvin Vlaanderen war Montevarchi das bislang beste Wochenende des Jahres. „Ich habe mir selbst gezeigt, dass ich wieder in den Top Fünf fahren kann.“
Besonders die Verbesserungen am Motorrad sorgten laut dem Südafrikaner für mehr Vertrauen. Entsprechend positiv fiel sein Fazit aus. Nach schwierigen Monaten scheint Ducati langsam die Richtung gefunden zu haben.
Kawasaki hadert mit den Starts
Bei Kawasaki lautete das große Thema des Wochenendes eindeutig: Starts. Romain Febvre zeigte sich überzeugt, dass sogar der Grand-Prix-Sieg möglich gewesen wäre.
„Das ist eigentlich meine Art von Strecke. Ich bin sicher, dass ich den Grand Prix hätte gewinnen können.“
Der Franzose verlor jedoch in beiden Läufen früh wichtige Zeit im Verkehr. Ähnlich erging es Pauls Jonass, der ebenfalls aufholen musste und sich deutlich bessere Startpositionen gewünscht hätte.
Sorgen um Kay de Wolf
Für einen Schreckmoment sorgte Kay de Wolf. Nach einem heftigen Einschlag im Zeittraining musste der Husqvarna-Pilot das Wochenende vorzeitig beenden.
„Es gab nicht viel, was ich hätte tun können, um den Einschlag zu vermeiden.“
Zum Zeitpunkt seiner Aussage standen weitere Untersuchungen noch aus. Entsprechend richtete sich der Fokus zunächst weniger auf Ergebnisse als auf die Frage, ob der Niederländer rechtzeitig für die kommenden Rennen zurückkehren kann.
Portugal bereits im Blick
Auffällig war, wie oft die Fahrer bereits über Agueda sprachen. Rubén Fernández bezeichnete den Portugal-GP als sein Lieblingsrennen im Kalender. Tom Vialle blickte nach seinem Comeback optimistisch nach vorne. Andere Fahrer sprachen von der Chance, die positiven Erkenntnisse aus Italien mitzunehmen.
Montevarchi ist damit bereits Geschichte. Die Aussagen der Fahrer zeigen jedoch, dass viele Geschichten noch längst nicht zu Ende erzählt sind. Die nächsten Antworten werden bereits am kommenden Wochenende in Portugal folgen.
