Millville – Hunter Lawrence übernimmt das Kommando
Hunter Lawrence setzte sich bei der siebten Runde der Pro Motocross Serie in Millville durch. / Foto: Align Media
Millville hat den Titelkampf in der 450er-Klasse noch einmal ordentlich durcheinandergewirbelt. Hunter Lawrence verließ den Spring Creek MX Park mit zwei Laufsiegen, dem Gesamtsieg und der Red Plate. Bruder Jet war auf dem besten Weg, den zweiten Lauf für sich zu entscheiden, ehe ein Sturz alle Pläne zunichtemachte. Und Haiden Deegan zeigte einmal mehr, dass mit ihm selbst nach einem miserablen Start jederzeit zu rechnen ist.
Hunter nutzt seine Chance
Schon im ersten Lauf war Hunter Lawrence das Maß der Dinge. Im zweiten Moto schien sich das Blatt zunächst zu wenden. Jet Lawrence setzte sich an die Spitze und fand immer besser seinen Rhythmus. Hunter versuchte, dessen Spuren zu übernehmen, musste aber erkennen, dass sein Bruder an einigen Stellen einfach schneller unterwegs war.
Als Jet plötzlich außer Sichtweite war, glaubte Hunter zunächst, der Jüngere würde ihm davonfahren. „Ich hatte überhaupt nicht mitbekommen, dass Jet gestürzt ist. Ich dachte nur: Verdammt, der legt heute ein unglaubliches Tempo vor. Erst im Fahrerlager habe ich erfahren, was passiert war“, erzählte Hunter später.
Der Sturz spielte ihm letztlich in die Karten. Mit zwei Laufsiegen war der Gesamtsieg perfekt und auch die Tabellenführung wechselte die Seiten.
Große Unterschiede zwischen ihm und seinem Bruder sieht Hunter derzeit ohnehin nicht. „Im Moment entscheidet sich jedes Wochenende neu, welcher von uns beiden vorne ist. Wir bewegen uns auf einem unglaublich hohen Niveau, da machen oft nur Kleinigkeiten den Unterschied.“
Jet wird erneut ausgebremst
Für Jet Lawrence fühlte sich der Sonntag völlig anders an. Nach einem Sturz im Qualifying arbeitete er sich im Laufe des Tages immer besser in das Rennen hinein. Änderungen am Motorrad machten sich bezahlt, im zweiten Lauf übernahm er die Führung und kontrollierte das Geschehen.
Dann kam der entscheidende Moment.
In einer ausgefahrenen Passage verlor der Honda-Pilot das Vorderrad und stürzte. Beim Aufstehen bekam er auch noch sein eigenes Motorrad ans Bein. An eine Aufholjagd war danach nicht mehr zu denken.
Dabei kämpft Jet schon seit Monaten mit deutlich größeren Problemen als einem einzelnen Sturz. Wegen seiner Fußverletzung kann er unter der Woche kaum testen. Statt Trainingsrunden stehen meist Behandlungen und Reha auf dem Programm.
Wie sehr ihn das belastet, machte er nach dem Rennen deutlich. „Seit dem 19. Dezember habe ich keinen einzigen Tag ohne Schmerzen erlebt. Selbst einfache Dinge wie Aufstehen oder der Weg ins Bad tun weh.“
Trotzdem will der Australier die Saison nicht abschenken. „Entweder ich gewinne die Meisterschaft – oder eben nicht. Ich werde weiter alles geben und versuchen, Rennen zu gewinnen.“
Deegan fährt von ganz hinten nach vorn
Auch Haiden Deegan hatte keinen einfachen Start in den Tag. Schon in der ersten Kurve des ersten Laufs lag der Yamaha-Pilot am Boden und musste das Feld von hinten aufrollen. „Nach dem Sturz war mir sofort klar: Das wird heute ein harter Kampf.“
Was anschließend folgte, gehörte zu den stärksten Leistungen des Wochenendes. Deegan pflügte durchs Feld, überholte einen Fahrer nach dem anderen und kam am Ende noch als Vierter ins Ziel. „Das war wahrscheinlich eines meiner besten Rennen auf der 450er bisher.“
Im zweiten Lauf machte sich der enorme Kraftaufwand bemerkbar. Zwar fuhr Deegan erneut aufs Podium, gegen die beiden Lawrence-Brüder fehlte diesmal aber das letzte Stück Tempo. Außerdem arbeitet das Team weiter an der Abstimmung seiner Yamaha, vor allem für die zweite Rennhälfte eines Motos sieht der US-Amerikaner noch Verbesserungspotenzial.
Spannung bis zum Saisonende
Vier Rennen vor Schluss hat Hunter Lawrence die besten Karten im Titelkampf. Der Honda-Pilot fährt konstant auf höchstem Niveau und bestraft jeden Fehler seiner Konkurrenz.
Jet Lawrence kämpft sich trotz seiner Verletzung weiter durch die Saison und macht keinen Hehl daraus, dass jeder Renntag momentan ein Balanceakt ist. Haiden Deegan wiederum hat in Millville bewiesen, dass er inzwischen auch in der 450er-Klasse regelmäßig ganz vorne mitmischen kann.
Die Meisterschaft ist damit noch lange nicht entschieden. Millville hat aber gezeigt, wie schnell sich das Kräfteverhältnis verschieben kann.
