Lucas Coenen über die bestätigten AMA-Pläne und seine Zukunft

Lucas Coenen spricht über seine AMA Pro Motocross Pläne und seine Zukunft

Lucas Coenen spricht über seine AMA Pro Motocross Pläne und seine Zukunft

Aus Spekulationen ist inzwischen Realität geworden: Red Bull KTM Factory Racing bestätigte offiziell, dass Lucas und Sacha Coenen 2026 bei ausgewählten Rennen der AMA Pro Motocross Championship an den Start gehen werden.

Kurz nach der Bekanntgabe sprach Lucas Coenen ausführlich mit US-Journalist Jason Weigandt über die geplanten Einsätze in den USA, seine aktuelle MXGP-Saison und die langfristigen Ziele seiner Karriere.

Dabei machte der Belgier deutlich, welchen Stellenwert die AMA-Rennen für ihn persönlich haben. „Diese drei Rennen sind ein Traum“, erklärte Coenen im Gespräch. Gleichzeitig stellte er klar, dass der Fokus weiterhin auf der laufenden MXGP-Weltmeisterschaft liege.

AMA-Rennen mitten im MXGP-Titelkampf

Besonders bemerkenswert: Die Einsätze finden nicht irgendwann nach der Saison statt, sondern mitten im laufenden MXGP-Kalender. Genau deshalb sieht Coenen die Sache durchaus kritisch. „Natürlich ist das ein Risiko“, erklärte er offen.

Denn anders als viele europäische Gaststarter reist der KTM-Pilot nicht ohne Druck in die USA. Aktuell führt der 19-Jährige die MXGP-Weltmeisterschaft an und gehört zu den konstantesten Fahrern der Saison. Trotzdem wollte er die Chance nicht verstreichen lassen. „Wir wollen sehen, wie dort alles funktioniert und einfach Erfahrungen sammeln“, sagte Coenen.

Schon daran wurde deutlich, dass die AMA-Starts intern offenbar nicht als kurzfristiger PR-Ausflug betrachtet werden. Vielmehr scheint KTM den Schritt bewusst als Teil seiner weiteren Entwicklung zu sehen.

Coenen setzt bewusst auf Vielseitigkeit

Im Gespräch mit Weigandt ging es auch um die Entwicklung der Coenen-Brüder. Dabei räumte Lucas mit einem typischen Belgien-Klischee auf.

Denn obwohl er als Sand-Spezialist gilt, verbringt er nach eigener Aussage längst nicht jede Woche auf tiefen Sandstrecken. „Wir trainieren ehrlich gesagt nicht so viel Sand“, erklärte er. Stattdessen setzen Lucas und Sacha seit Jahren gezielt auf Hartbodenstrecken in Frankreich. Sand sei für sie schon früh ein natürlicher Untergrund gewesen. Deshalb habe man andere Bereiche stärker entwickeln wollen.

Genau diese Vielseitigkeit macht Coenen aktuell so gefährlich. Der Belgier funktioniert inzwischen nahezu auf jedem Boden – egal ob Sand, Hartboden oder ausgefahrene MXGP-Strecken.

Der Wechsel auf die 450 kam bewusst früh

Auch seinen direkten Schritt in die MXGP-Klasse sprach Coenen offen an. Viele hatten erwartet, dass er zunächst noch länger in MX2 bleiben würde.

Für ihn selbst stand das offenbar nie wirklich zur Diskussion. „Ich hatte nicht das Gefühl, noch ein weiteres Jahr 250er fahren zu müssen“, erklärte er. Der KTM-Fahrer wollte möglichst früh gegen die besten Fahrer der Welt antreten – auch wenn ihm bewusst war, dass dabei Fehler dazugehören würden.

Gerade zu Saisonbeginn sorgten einige Stürze und aggressive Rennen für Diskussionen. Coenen wirkt davon allerdings wenig beeindruckt. „Wenn du dein Limit nicht findest, weißt du nie, wo du wirklich stehst“, sagte er.

Supercross bleibt ein langfristiges Ziel

Natürlich kam im Gespräch auch das Thema Supercross auf. Coenen machte kein Geheimnis daraus, dass ihn die amerikanische Szene reizt.

Nach ersten Erfahrungen auf Supercross-Strecken sei ihm allerdings schnell klar geworden, wie groß der Unterschied zu Europa tatsächlich ist. „Das ist komplett etwas anderes“, erklärte er mit Blick auf Whoops und Rhythmussektionen.

Trotzdem scheint klar: Die AMA-Pro-Motocross-Rennen könnten für die Coenen-Brüder erst der Anfang sein.

Belgisches Motocross verliert immer mehr Strecken

Nachdenklicher wurde Coenen beim Thema Belgien. Der aktuelle MXGP-Leader sprach offen darüber, wie schwierig die Situation für den Motocross-Sport im eigenen Land geworden sei.

Viele traditionelle Trainingsstrecken seien verschwunden. Gute Möglichkeiten zum Fahren würden immer seltener. „Das ist schade“, sagte er. Gerade deshalb hofft Coenen offenbar, dass erfolgreiche belgische Fahrer dem Sport wieder mehr Aufmerksamkeit geben können.

Trotz Hype wirkt Coenen erstaunlich ruhig

Vielleicht war genau das der auffälligste Teil des gesamten Gesprächs. Trotz seines Alters, der aktuellen Ergebnisse und der Aufmerksamkeit rund um seine Person wirkt Lucas Coenen erstaunlich geerdet. Immer wieder sprach er davon, lernen zu wollen. Nicht nur bei den AMA-Rennen, sondern generell als Fahrer.

Der USA-Ausflug wirkt deshalb weniger wie ein schneller Abstecher mitten in der Saison – sondern eher wie ein erster kleiner Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Jahren noch folgen könnte.

Das ganze Interview findest Du auf Youtube