Joshua Völker: Warum er bewusst in der MX2-Weltmeisterschaft startet
Joshua Völker beim MXGP of Flanders 2026 in Lommel
Joshua Völker gehört inzwischen zu den Konstanten aus deutscher Sicht in der MX2-Motocross-Weltmeisterschaft. Seit Beginn der Saison 2026 stellt sich der Becker-Racing-Pilot regelmäßig der internationalen Konkurrenz. Während viele deutsche Fahrer ihren Schwerpunkt auf nationale Meisterschaften legen, reist der 19-Jährige nahezu jedes Grand-Prix-Wochenende quer durch Europa – häufig nur gemeinsam mit seinem Vater. Mit uns sprach Völker über seine Motivation, den enormen Aufwand hinter einer Weltmeisterschaftssaison und erklärt, warum er trotz aller Herausforderungen keinen anderen Weg einschlagen möchte.
„Eigentlich sind Simon und ich fast allein“
Dass in der Saison 2026 Joshua Völker inzwischen nach Simon Längenfelder die meisten MX2-WM-Starts aller aktiven deutschen Fahrer vorweisen kann, erfüllt ihn durchaus mit Stolz. Gleichzeitig sieht er darin aber auch ein Problem.
„Einerseits macht mich das natürlich stolz. Andererseits ist es auch ein bisschen traurig. Eigentlich sind Simon und ich fast immer die einzigen deutschen Fahrer im Feld. Ab und zu kommt mal jemand dazu, aber insgesamt sind wir Deutschen in der Weltmeisterschaft schon ziemlich dünn vertreten.“
Lieber Grand Prix als Deutsche Meisterschaft
Am vergangenen Wochenende hätte Völker ebenso bei der DMX Open in Bielstein starten können. Stattdessen entschied er sich bewusst für den Grand Prix von Lommel – eine Entscheidung, die bereits lange vor Saisonbeginn gefallen war.
„Wir haben Anfang des Jahres überlegt, welchen Weg wir gehen. Nach den ersten Grand Prix war für uns aber klar, dass ich in der Weltmeisterschaft am meisten lerne. Wenn ich richtig Motorrad fahren lernen will, dann muss ich Weltmeisterschaft fahren.“
Für den Becker-Racing-Piloten geht es deshalb längst nicht nur um Platzierungen. Viel wichtiger sei die Entwicklung als Fahrer. Gerade Strecken wie Lommel würden einen dazu zwingen, ständig neue Lösungen zu finden und das eigene Limit weiter nach oben zu verschieben.
Zwischen Werksteams und Privatfahrer liegen Welten
Die Unterschiede im Fahrerlager erlebt Völker jedes Wochenende aufs Neue. Während die Werksteams mit mehreren Mechanikern, Dateningenieuren und perfekt vorbereiteten Motorrädern anreisen, besteht sein Team meist aus gerade einmal zwei Personen. „Wir sind meistens wirklich nur mein Vater und ich. Wenn andere deutsche Fahrer da sind, hilft man sich gegenseitig. Aber im Grunde sind wir ein Zwei-Mann-Team.“
Auch finanziell sind die Voraussetzungen kaum vergleichbar. „Den größten Teil stemmen meine Eltern. Ohne sie wäre das überhaupt nicht möglich. Zahlen möchte ich gar nicht nennen, aber wir müssen an vielen Stellen sparen, damit ich diesen Traum überhaupt leben kann.“
Trotzdem lässt sich Völker davon nicht entmutigen.
„Wenn du am Start stehst und links und rechts nur Werksmotorräder siehst, hast du natürlich schon mal Zweifel. Aber genau das motiviert mich. Ich sehe, dass der Unterschied zwar da ist, aber nicht unendlich groß. Man kann auch mit einem fast serienmäßigen Motorrad noch mitfahren.“
Lernen von den Besten der Welt
Für Völker beginnt der Lernprozess nicht erst nach dem Rennen. Jede Runde gegen Fahrer wie Guillem Farrés, Simon Längenfelder oder Camden McLellan sei eine Chance, sich weiterzuentwickeln. „Wenn ich überrundet werde, schaue ich ganz bewusst, welche Linien die Topfahrer fahren. Da kann man unglaublich viel lernen.“
Genau deshalb misst er den Grand Prix einen deutlich höheren Stellenwert bei als nationalen Rennen. „Immer wenn wir Weltmeisterschaft gefahren sind, haben wir große Schritte gemacht. Das merkt man einfach.“
Kritik an fehlender Unterstützung
Nachdenklich wird Völker, wenn es um die Förderung junger deutscher Fahrer geht. Aus seiner Sicht könnten sich deutsche Verbände durchaus ein Beispiel an anderen Nationen nehmen. „Der lettische Verband möchte seine Fahrer bewusst in die Europameisterschaft und Weltmeisterschaft bringen, weil sie dort lernen.“
Auf die Frage, ob er selbst Unterstützung vom DMSB oder ADAC erhält, antwortet er ohne zu zögern.
„Nein. Weder vom DMSB noch vom ADAC bekomme ich Unterstützung. Das finde ich schon schade. Es gibt in Deutschland Fahrer, die den Sport professionell betreiben wollen. Trotzdem ist das Interesse, diese Fahrer stärker zu unterstützen, aus meiner Sicht nicht besonders groß. Das hält uns als Fahrer, aber vielleicht auch den deutschen Motocross-Sport insgesamt ein Stück weit zurück. Wenn ich sehe, wie andere Verbände hinter ihren Sportlern stehen, erkennt man schon Unterschiede.“
Der Weg ist das Ziel
Die ersten WM-Punkte waren für Joshua Völker ein wichtiger Meilenstein. Noch wichtiger ist für ihn jedoch die Entwicklung, die er in den vergangenen Monaten genommen hat. „Die Punkte aus Riola freuen mich natürlich. Aber noch wichtiger ist die Entwicklung. Wenn ich sehe, dass ich mit meinem Motorrad nicht einfach nur hinterherfahre, sondern mit anderen Fahrern kämpfen kann, dann zeigt mir das, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Genau dieser Weg scheint den 19-Jährigen anzutreiben. Während viele deutsche Fahrer den Fokus auf nationale Meisterschaften legen, sucht Joshua Völker bewusst die größte sportliche Herausforderung. Nicht, weil sie einfacher ist – sondern weil er überzeugt ist, dass sie ihn als Fahrer am weitesten bringt.
