Großlöbichau erlebt Enduro-Sport auf höchstem Niveau – Sydow bleibt ungeschlagen
Jeremy Sydow dominierte auch in Großlöbichau. / Foto: DMSB
Mit dem dritten Lauf der Deutschen Enduro-Meisterschaft ist in Großlöbichau die zweite Saisonhälfte gestartet. Der MSTC Gembdental präsentierte sich dabei einmal mehr als perfekter Gastgeber. Rund 18 Kilometer Streckenlänge, drei völlig unterschiedliche Sonderprüfungen und wechselnde Wetterbedingungen verlangten den Fahrern an beiden Renntagen alles ab.
Während am Samstag Regen die Strecke immer anspruchsvoller machte, präsentierte sich der Sonntag bei strahlendem Sonnenschein von seiner besten Seite. Sportlich entwickelten sich beide Renntage unterschiedlich – eines blieb jedoch gleich: Jeremy Sydow war erneut der Mann, den es zu schlagen galt.
Drei Prüfungen, drei verschiedene Herausforderungen
Das Sprint-Enduro in Großlöbichau lebt von seinem abwechslungsreichen Charakter. Der schnelle Crosstest mit langen Geraden und weiten Kurven verlangte Mut und Präzision. Im Enduro-Test entschieden saubere Linien und Gefühl für den Untergrund über wertvolle Sekunden.
Zum Publikumsmagneten entwickelte sich jedoch einmal mehr der Extreme-Test. Die kurze, technisch anspruchsvolle Prüfung sorgte entlang der Strecke regelmäßig für dichte Zuschauerreihen und zeigte eindrucksvoll, wie gut sich Extreme-Enduro-Elemente in das Format der Deutschen Enduro-Meisterschaft integrieren lassen.
Sydow setzt seine Siegesserie fort
Mit starken Ergebnissen aus der EnduroGP im Rücken reiste Jeremy Sydow nach Thüringen und bestätigte seine derzeitige Topform eindrucksvoll.
Bereits am Samstag bestimmte der Triumph-Pilot das Tempo. Trotz der schwierigen Bedingungen fand er sofort seinen Rhythmus und ließ sich auch von den sich ständig verändernden Streckenverhältnissen nicht aus dem Konzept bringen. Lediglich ein kleiner Ausrutscher im letzten Enduro-Test verhinderte einen fehlerfreien Tag. Auswirkungen auf das Ergebnis hatte dieser jedoch nicht.
Mit mehr als zwei Minuten Vorsprung gewann Sydow nicht nur die Gesamtwertung des Championats, sondern gleichzeitig auch die Klasse E1.
Am Sonntag wartete mit Luca Fischeder deutlich mehr Gegenwehr.
Der amtierende Deutsche Meister hatte seine Erkältung weitgehend überstanden und entwickelte sich zum härtesten Konkurrenten des Tabellenführers. Während Fischeder vor allem im Crosstest immer wieder Bestzeiten setzte, antwortete Sydow mit schnellen Fahrten im Enduro- und Extreme-Test.
Bis zur letzten Sonderprüfung blieb das Duell offen. Erst im Verlauf des Nachmittags setzte sich Sydow entscheidend ab und sicherte sich mit 23 Sekunden Vorsprung seinen zweiten Championatssieg des Wochenendes.
Fischeder beweist Meisterqualitäten
Auch wenn es am Ende nicht zum Tagessieg reichte, dürfte Luca Fischeder mit seinem Wochenende zufrieden sein.
Nach gesundheitlich schwierigen Tagen verzichtete der Sherco-Pilot bewusst auf unnötige Risiken und setzte stattdessen auf Erfahrung und Konstanz. Diese Strategie zahlte sich aus.
Am Samstag gewann er die Klasse E3 und belegte Rang zwei im Championat. Einen Tag später zwang er Sydow über nahezu alle Sonderprüfungen zu Höchstleistungen und machte deutlich, dass der Titelkampf noch lange nicht entschieden ist.
Henry Strauss sorgt für das Gesprächsthema des Wochenendes
Die größte Geschichte schrieb jedoch ein Fahrer, den vor dem Wochenende wohl kaum jemand auf der Rechnung hatte. Henry Strauss wollte Großlöbichau ursprünglich nutzen, um erste Erfahrungen mit einem großen Motorrad im klassischen Enduro zu sammeln. Statt einer Lernveranstaltung wurde daraus eine kleine Sensation.
Bereits im ersten Extreme-Test setzte der erst 17-Jährige die absolute Bestzeit gegen die komplette Konkurrenz. Besonders in den technisch anspruchsvollen Passagen spielte der Hard-Enduro-Spezialist seine außergewöhnlichen Fähigkeiten aus. Am Samstag überraschte Strauss mit Rang drei im Championat und dem Sieg in der Juniorenklasse J1. Wer darin noch einen Ausreißer gesehen hatte, wurde am Sonntag eines Besseren belehrt.
Erneut fuhr der Husqvarna-Pilot auf Gesamtrang drei und gewann erneut die J1-Wertung. Lediglich im Crosstest musste er den erfahrenen Spitzenfahrern etwas Zeit überlassen. Seine Reaktion nach dem ersten Renntag passte dabei perfekt zu seinem Auftritt. Mit einem Lächeln erklärte Strauss, eigentlich gedacht zu haben, noch näher an Jeremy Sydow und Luca Fischeder dran zu sein. Nur im Crosstest habe er gemerkt, dass die beiden dort noch einmal ein anderes Tempo fahren konnten.
Eine bemerkenswert selbstbewusste Aussage – und vielleicht genau der Grund, warum der Youngster so unbekümmert auftreten konnte.
Chlum und Beier überzeugen mit Konstanz
Matyas Chlum bestätigte einmal mehr seinen Ruf als einer der konstantesten Fahrer der Deutschen Enduro-Meisterschaft. Der Tscheche gewann am Samstag die Klasse E2 und sammelte als Gesamtvierter wichtige Meisterschaftspunkte.
Ebenfalls überzeugen konnte Andreas Beier. Der erfahrene E2-Pilot nutzte seine Routine besonders unter den schwierigen Bedingungen des ersten Renntages und arbeitete sich mit konstant schnellen Sonderprüfungen bis auf Rang fünf im Championat nach vorne.
Rennabbruch am Sonntag
Der zweite Fahrtag konnte allerdings nicht vollständig beendet werden. Ein schwerer Verkehrsunfall auf einer nahegelegenen Autobahn band sämtliche verfügbaren Rettungskräfte und Notärzte der Region. Da die medizinische Absicherung der Veranstaltung dadurch nicht mehr gewährleistet werden konnte, entschieden Rennleitung und Veranstalter gemeinsam, den Wettbewerb vorzeitig abzubrechen.
Eine Entscheidung, die zwar schade war, im Fahrerlager jedoch auf großes Verständnis stieß.
Organisationsleiter Günter Dressel zog dennoch ein positives Fazit. Sein Dank galt den zahlreichen Helfern, Sponsoren und Ehrenamtlichen, die das Sprint-Enduro überhaupt ermöglicht hatten. Besonders erfreulich sei gewesen, dass beide Renntage ohne schwerwiegende Verletzungen der Teilnehmer verliefen.
Großlöbichau hat damit einmal mehr gezeigt, warum sich das Sprint-Enduro innerhalb kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil der Deutschen Enduro-Meisterschaft entwickelt hat. Hochklassiger Sport, unterschiedliche Streckencharakteristiken und mehrere spannende Geschichten sorgten dafür, dass der dritte Saisonlauf weit über die reinen Ergebnislisten hinaus in Erinnerung bleiben dürfte.
