30 Jahre MXGP: Diese Bikes haben Motocross-Geschichte geschrieben
Die Weltmeister Bikes der letzten 30 Jahre wurden in Lommel in einer umfangreichen Ausstellung gezeigt. / Foto: Infront
Wann bekommt man schon einmal die Motorräder von Stefan Everts, Antonio Cairoli, Jeffrey Herlings, Tim Gajser, Kay de Wolf und Simon Längenfelder nebeneinander zu sehen? Beim MXGP of Flanders in Lommel war genau das möglich. Infront Moto Racing holte anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der von der Luongo-Familie geführten Ära der Motocross-Weltmeisterschaft einige der wichtigsten Weltmeister-Bikes der vergangenen Jahrzehnte zurück ins Fahrerlager.
Und selbst fünf Tage später lohnt sich der Blick auf das, was in Lommel zusammengetragen wurde. Denn zwischen einer Suzuki RM 80 von 1999 und einer Kawasaki KX450 aus der MXGP-Saison 2025 liegen nicht einfach nur 26 Jahre. Dazwischen stecken Fahrerkarrieren, technische Entwicklungen und Motorräder, mit denen ganze Generationen von Motocross-Fans Erinnerungen verbinden.
Vom 80er-Zweitakter bis zum MXGP-Werksbike
Insgesamt umfasste die für das Jubiläum zusammengestellte Sammlung 22 Weltmeister-Motorräder aus MXGP, MX2 und WMX zwischen 1997 und 2025. 16 davon schafften es nach Lommel. Das älteste ausgestellte Bike gehörte Kevin Strijbos. Der Belgier gewann 1999 auf einer Suzuki RM 80 den Junioren-Weltmeistertitel.
Nur ein Jahr später holte Joel Smets mit der KTM 520 SXS den WM-Titel. Auch dieses Motorrad stand in Lommel. Dann wird es für Fans der 2000er-Jahre richtig interessant. Stefan Everts‘ Yamaha YZF450 aus seiner letzten Weltmeister-Saison 2006 war ebenso dabei wie die Suzuki RM-Z450, mit der Steve Ramon 2007 Weltmeister wurde.
Auch Antonio Cairoli durfte in dieser Reihe nicht fehlen. Gleich zwei seiner Motorräder wurden ausgestellt: die Yamaha 450 aus seinem WM-Jahr 2009 und die KTM 350, mit der er 2013 den Titel gewann. Gerade die 350er dürfte bei einigen Besuchern Erinnerungen geweckt haben. Cairoli machte das Motorrad über Jahre zu seinem Arbeitsgerät und gewann damit gegen Konkurrenten, die überwiegend auf 450ern unterwegs waren.
Herlings‘ 250er steht plötzlich neben Gajsers 450er
Ein paar Meter weiter ging die Zeitreise bereits in die nächste Generation. Dort stand Jeffrey Herlings‘ KTM 250 SX-F aus dem Jahr 2016. Genau jenes Motorrad, mit dem der Niederländer seinen dritten MX2-Weltmeistertitel gewann, bevor er anschließend endgültig in die große Klasse wechselte.
Daneben fanden sich Maschinen aus einer Zeit, die noch gar nicht so weit zurückliegt.
Maxime Renaux‘ Yamaha YZ250F aus seiner MX2-Titelsaison 2021 gehörte ebenso zur Ausstellung wie Tom Vialles KTM 250 SX-F von 2022. Aus demselben Jahr war Tim Gajsers Honda CRF450RWF vertreten, mit der der Slowene seinen fünften WM-Titel holte.
Andrea Adamos KTM aus der MX2-Saison 2023 führte die Sammlung schließlich in die unmittelbare Vergangenheit.
De Wolf, van Drunen, Febvre und Längenfelder
Bei den jüngsten Maschinen haben sich sicher viele Besucher noch ziemlich genau an die Rennen erinnert, in denen sie eingesetzt wurden. Kay de Wolfs Husqvarna aus seiner MX2-Weltmeistersaison 2024 stand dort ebenso wie die Yamaha von Lotte van Drunen, mit der die Niederländerin im selben Jahr den WMX-Titel gewann.
Noch frischer waren zwei Motorräder aus der vergangenen Saison. Romain Febvres Kawasaki repräsentierte seinen MXGP-Weltmeistertitel 2025, während mit Simon Längenfelders KTM auch das Motorrad des deutschen MX2-Weltmeisters von 2025 Teil der Ausstellung war.
Damit standen in Lommel Maschinen nebeneinander, zwischen deren WM-Titeln mehr als ein Vierteljahrhundert liegt.
Cairoli, Smets und die aktuellen Champions gemeinsam auf der Bühne
Die Motorräder waren allerdings nur die eine Hälfte der Geschichte. Zur Eröffnung brachte Infront Moto Racing Fahrer, Teamchefs und Herstellervertreter verschiedener MXGP-Generationen zusammen. Antonio Cairoli und Joel Smets trafen dort unter anderem auf Kay de Wolf, Simon Längenfelder, Andrea Adamo und Lotte van Drunen.
Davide De Carli, Giacomo Gariboldi, Antti Pyrhönen, Rasmus Jørgensen, Dirk Gruebel, Alexandre Kowalski und Sylvain Geboers komplettierten die Runde aus Team- und Herstellerseite.
David Luongo nutzte den Termin zugleich, um auf die Veränderungen der vergangenen drei Jahrzehnte zurückzublicken. Seit 1996 lag die Vermarktung der Weltmeisterschaft zunächst bei Action Group, später bei Youthstream und inzwischen bei Infront Moto Racing. Luongo erinnerte dabei auch an Veränderungen im Fahrerlager und an Konzepte wie die zweistöckige Pitlane oder die Skybox hinter dem Startgatter.
Mit Foxhill und Lommel nannte er zugleich zwei Strecken, die für ihn zeigen, dass bei aller Veränderung ein Teil der alten Motocross-DNA erhalten geblieben ist.
Motorräder, die sonst irgendwo hinter verschlossenen Türen stehen
Vielleicht war genau das der Reiz der Ausstellung. Eine aktuelle Werksmaschine kann man an beinahe jedem GP-Wochenende aus wenigen Metern Entfernung betrachten. Bei einem 20 Jahre alten Weltmeister-Bike sieht die Sache anders aus.
Diese Motorräder verschwinden nach ihrer aktiven Zeit normalerweise in Werkssammlungen, Museen oder privaten Beständen. In Lommel standen plötzlich Maschinen aus sechs verschiedenen Herstellerlagern und mehreren Epochen unmittelbar nebeneinander.
Und genau deshalb war die Ausstellung mehr als nur ein Programmpunkt zum Jubiläum. Wer vor Everts‘ Yamaha von 2006 stand und anschließend ein paar Schritte weiter auf Febvres Weltmeister-Kawasaki von 2025 blickte, bekam ziemlich anschaulich vorgeführt, was sich in zwei Jahrzehnten Motocross verändert hat.
Und vermutlich auch, was sich nie ändern wird: Am Ende braucht es immer noch einen Fahrer, der damit schneller fährt als alle anderen.
