Lotte van Drunen – WMX Titelverteidigerin gerät früh unter Druck

Lotte van Drunen hatte einen durchwachsenen WMX Saisonstart

Lotte van Drunen hatte einen durchwachsenen WMX Saisonstart. / Foto: Ray Archer

Der Auftakt der Women Motocross World Championship in Lacapelle-Marival verlief für Lotte van Drunen deutlich schwieriger als erhofft. Die zweifache Weltmeisterin rettete sich nach einem chaotischen Wochenende zwar noch auf Rang vier der Tageswertung, wirklich zufrieden konnte die Niederländerin mit ihrem Saisonstart allerdings kaum sein.

Vor allem deshalb nicht, weil die Konkurrenz 2026 deutlich stärker und konstanter wirkt als noch im vergangenen Jahr.

Schon nach dem ersten Grand Prix liegt van Drunen 15 Punkte hinter Daniela Guillen zurück. Bei lediglich vier noch ausstehenden WMX-Wochenenden ist das deutlich mehr als nur ein kleiner Ausrutscher.

Der Sturz am Zielsprung verändert das Wochenende

Dabei begann das Wochenende zunächst durchaus ordentlich. Van Drunen qualifizierte sich stark und erwischte im ersten Lauf sogar den Holeshot gegen ein volles Feld von 40 Fahrerinnen.

Doch schon wenige Minuten später kippte das gesamte Rennen.

Nach einem Fehler am inzwischen viel diskutierten Zielsprung stürzte die Niederländerin heftig und fiel ans Ende des Feldes zurück. Zwar kämpfte sie sich anschließend noch beeindruckend bis auf Platz neun nach vorne, der Schaden in der Meisterschaft hielt sich trotzdem nicht mehr komplett in Grenzen.

Im zweiten Lauf fuhr van Drunen anschließend deutlich vorsichtiger. Auf der stark bewässerten Strecke arbeitete sie sich von Platz sieben noch bis auf Rang drei nach vorne, zu diesem Zeitpunkt hatten sich Daniela Guillen und Kiara Fontanesi an der Spitze allerdings bereits entscheidend abgesetzt.

Guillen und Fontanesi wirken momentan stabiler

Genau dort könnte für van Drunen das eigentliche Problem liegen. Denn während die Niederländerin am Wochenende mehrfach unruhig wirkte und Fehler machte, präsentierten sich sowohl Grand-Prix-Siegerin Daniela Guillen als auch Kiara Fontanesi auffallend stabil.

Gerade Fontanesi zeigte erneut, dass sie 2026 wohl deutlich konstanter auftreten dürfte als in den vergangenen Jahren. Selbst an einem Sonntag, an dem sie sich nach eigener Aussage nicht perfekt fühlte, holte die Italienerin wichtige Punkte und blieb praktisch fehlerfrei.

Guillen wiederum wirkte körperlich stark, aggressiv und über das komplette Wochenende extrem kontrolliert.

Die große Sand-Überlegenheit scheint verschwunden

Interessant ist dabei auch ein Blick auf van Drunens eigentliche Stärke: Sandstrecken.

Noch vor einiger Zeit galt die Niederländerin dort fast als unschlagbar. Genau diese Überlegenheit war allerdings bereits 2025 nicht mehr in derselben Form sichtbar. Auch damals konnten Fahrerinnen wie Fontanesi oder Guillen auf Sand plötzlich deutlich besser mithalten als zuvor.

Und genau das könnte für den weiteren Saisonverlauf entscheidend werden.

Denn selbst das traditionell sandige Rennen in den Niederlanden wirkt momentan längst nicht mehr automatisch wie ein sicherer Vorteil für van Drunen.

Der Kalender spricht nicht unbedingt für van Drunen

Hinzu kommt der Blick auf die verbleibenden Strecken. Drei der noch ausstehenden Veranstaltungen gelten eher als Misch- oder klassische Hartbodenstrecken. Genau dort wirkten Guillen und Fontanesi in Frankreich aktuell sogar etwas stärker und konstanter als die Titelverteidigerin.

Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass van Drunen aus dem Titelkampf raus ist. Acht Läufe stehen weiterhin aus. Trotzdem dürfte die Niederländerin spätestens nach dem Frankreich-Grand-Prix verstanden haben, dass die Titelverteidigung 2026 deutlich komplizierter werden könnte als ursprünglich erwartet.

Ihre eigene Aussage nach dem Wochenende wirkte deshalb fast ungewöhnlich selbstkritisch. „Ich weiß nicht, wer ich an diesem Wochenende war – aber definitiv nicht ich selbst“, schrieb van Drunen nach dem Grand Prix.

Die nächste direkte Antwortchance folgt allerdings bereits am kommenden Wochenende beim MXGP of Germany im Talkessel von Teutschenthal.