Lawrence gegen Deegan: Das Duell, auf das Amerika gewartet hat

Haiden Deegan (links) forder Dauersieger Jett Lawrence in der AMA Pro Motocross Serie heraus

Haiden Deegan (links) forder Dauersieger Jett Lawrence in der AMA Pro Motocross Serie heraus

Selten wurde ein Auftakt zur AMA Pro Motocross Meisterschaft mit so viel Spannung erwartet wie in diesem Jahr. Noch bevor in Pala das erste Gatter fällt, dreht sich nahezu alles um zwei Namen: Jett Lawrence und Haiden Deegan.

Dabei könnten die Ausgangslagen kaum unterschiedlicher sein.

Auf der einen Seite steht Lawrence, der seit Jahren als Maßstab im amerikanischen Motocross gilt und nach seiner Verletzungspause nun erstmals wieder ins Renngeschehen eingreift. Auf der anderen Seite wartet mit Deegan der wohl populärste Nachwuchsfahrer der USA, der nach seinen Erfolgen in der 250er-Klasse nun den Schritt in die Königsklasse wagt.

Genau dieses Aufeinandertreffen elektrisiert derzeit die gesamte Szene.

Lawrence bleibt auffallend gelassen

Wer auf der Pressekonferenz große Kampfansagen erwartet hatte, wurde von Jett Lawrence schnell enttäuscht. Der Australier wirkte ruhig, fast schon demonstrativ entspannt. Weder sprach er über Titelchancen noch über die Rolle als Favorit. Stattdessen erinnerte er mehrfach daran, dass er in diesem Jahr bislang kein einziges Rennen gefahren ist.

Auch seine beeindruckende Bilanz in Pala wollte Lawrence nicht überbewerten. Vergangene Erfolge würden ihm am Samstag keinen Vorteil verschaffen. Entscheidend sei allein, wer an diesem Wochenende am schnellsten sei.

Es war die Haltung eines Fahrers, der nichts mehr beweisen muss.

Deegan nimmt die Rolle an

Haiden Deegan dagegen machte keinen Versuch, die Aufmerksamkeit von sich wegzulenken. Der Yamaha-Pilot weiß genau, welche Erwartungen auf ihm lasten. Seit Monaten wird darüber diskutiert, wie konkurrenzfähig er in seiner ersten 450er-Saison sein wird. Nun bekommt er die Chance, genau das herauszufinden.

Dabei wirkte Deegan nicht nervös, sondern vielmehr motiviert. Er sprach offen darüber, dass das Duell mit Lawrence für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt und dem Sport insgesamt hilft. Mehr Zuschauer, mehr Reichweite und mehr Interesse seien letztlich für alle Fahrer positiv.

Es war die Antwort eines Fahrers, der den Druck nicht als Belastung empfindet, sondern als Teil seines Geschäfts.

Unterschiedliche Wege, gleiches Ziel

Interessant ist vor allem, wie unterschiedlich beide Fahrer ihren Weg an die Spitze gefunden haben. Lawrence überzeugte über Jahre vor allem durch seine Rennintelligenz, seine Konstanz und seine nahezu fehlerfreie Fahrweise. Deegan dagegen lebt von seiner Aggressivität, seinem Selbstvertrauen und seiner Fähigkeit, große Momente zu nutzen.

Genau dieser Kontrast macht das Duell so spannend. Der eine versucht, Emotionen möglichst auszublenden. Der andere nutzt sie als zusätzliche Motivation.

Die Konkurrenz hört genau hin

Während sich die Öffentlichkeit auf Lawrence und Deegan konzentriert, dürfte der Rest des Feldes die Entwicklung mit Interesse verfolgen.

Denn weder Chase Sexton noch Eli Tomac, Hunter Lawrence, Jorge Prado oder die weiteren Spitzenfahrer reisen nach Pala, um eine Nebenrolle zu spielen.

Trotzdem lässt sich kaum übersehen, welches Duell derzeit die Schlagzeilen bestimmt.

Jetzt müssen Taten folgen

Bislang wurde viel gesprochen. Über Erwartungen, Favoritenrollen und mögliche Titelkandidaten. Ab heute spielen all diese Diskussionen jedoch keine Rolle mehr. Dann stehen Lawrence und Deegan erstmals gemeinsam am Startgatter einer AMA Pro Motocross Saison. Nicht als Hoffnungsträger oder Social-Media-Stars, sondern als direkte Konkurrenten.

Ob daraus tatsächlich die nächste große Rivalität des amerikanischen Motocross entsteht, wird sich nicht auf der Pressekonferenz entscheiden.

Die ersten Antworten gibt es in Pala. Und genau deshalb blickt die gesamte Motocross-Szene an diesem Wochenende nach Kalifornien.