KTM beendet Pro Motocross mit zwei Siegen

Jorge Prado feiert mit zwei Laufsiegen seinen ersten Overall Sieg in der AMA Pro Motocross Meisterschaft

Jorge Prado feiert mit zwei Laufsiegen seinen ersten Overall Sieg in der AMA Pro Motocross Meisterschaft. / Foto: Align Media

Hat Red Bull KTM Factory Racing beim Finale der AMA Pro Motocross Saison noch einmal gezeigt, was in diesem Jahr eigentlich möglich gewesen wäre?

Beim Ironman National gingen jedenfalls beide Gesamtsiege an KTM. Jorge Prado gewann in der 450MX beide Motos, Julien Beaumer setzte sich mit 2-1 in der 250MX durch. Besser hätte das letzte Outdoor-Wochenende für die Mannschaft kaum laufen können.

Vor allem bei Prado kam dieser Erfolg nicht völlig aus dem Nichts. Wer seine vergangenen Rennen verfolgt hat, konnte sehen, dass sich der Spanier Schritt für Schritt an seinen ersten Sieg herangearbeitet hatte. Zweimal in Folge stand er zuvor als Zweiter auf dem Podium. In Ironman fehlte dann nichts mehr.

Schon im Qualifying setzte Prado mit 2:07.134 Minuten die Bestzeit. Im ersten Moto übernahm er früh die Führung und setzte sich anschließend vom Feld ab. 11,566 Sekunden Vorsprung waren es im Ziel.

Der erste Moto-Sieg seiner Pro-Motocross-Karriere war damit geschafft.

Und wer dachte, damit sei vielleicht schon etwas Druck abgefallen, bekam im zweiten Moto direkt die nächste Antwort. Holeshot, Führung, Sieg. Das 1-1 brachte Prado gleichzeitig seinen ersten Gesamtsieg in der AMA Pro Motocross Championship.

„Es war ein perfekter Tag. Wir waren Schnellster im Qualifying und haben beide Motos gewonnen“, sagte Prado anschließend. Besonders wichtig war ihm dabei die Entwicklung der vergangenen Wochen. „Heute hat für meinen ersten Gesamtsieg in den USA einfach alles zusammengepasst. Genau deshalb bin ich hierhergekommen.“

Dieser letzte Satz sagt eigentlich ziemlich viel.

Prado kam schließlich nicht als viermaliger Weltmeister in die USA, um regelmäßig Zweiter oder Dritter zu werden. Er wollte dort gewinnen. Dass es bis zum letzten Outdoor-Rennen der Saison dauerte, dürfte kaum seinem eigenen Zeitplan entsprochen haben.

Aber jetzt ist der erste Sieg da.

Hat Prado den Durchbruch geschafft?

Das lässt sich nach einem Wochenende natürlich noch nicht beantworten. Ironman war allerdings mehr als ein glücklicher Gesamtsieg mit zwei guten Einzelresultaten.

Prado war Schnellster im Qualifying und gewann anschließend beide Motos. Im ersten Durchgang mit mehr als elf Sekunden Vorsprung, im zweiten nach einem Holeshot erneut von vorne.

Das war kein zusammengewürfeltes 4-2, das am Ende zufällig zum Overall reicht. Prado war an diesem Tag schlicht der stärkste 450MX-Fahrer. Dazu kommt der Zeitpunkt. Die Outdoor-Saison ist vorbei, aber die Saison insgesamt eben noch nicht. Mit den SMX Playoffs steht der nächste Teil des Jahres bereits vor der Tür, und dort werden Supercross und Motocross miteinander vermischt.

Prado hat in seiner ersten kompletten Supercross-Saison bereits gezeigt, dass er auch dort vorne fahren kann. Jetzt beendet er Pro Motocross mit einem 1-1.

Viel besser kann man das eigene Selbstvertrauen vor SMX kaum aufladen.

Beaumer macht den KTM-Doppelsieg perfekt

Während Prado vorne in der 450MX sein eigenes Ding machte, lief es für KTM auch in der 250MX.

Julien Beaumer qualifizierte sich auf Rang sieben und zog im ersten Moto den Holeshot. Ganz zum Sieg reichte es dort noch nicht. Beaumer wurde Zweiter und war mit seiner eigenen Fahrt anschließend nicht einmal besonders zufrieden. „Ich habe den Holeshot geholt und wurde Zweiter, obwohl ich nicht besonders gut gefahren bin.“

Interessanter wurde deshalb der zweite Lauf.

KTM nahm zwischen den Motos Änderungen am Bike vor. Der Start fiel diesmal schlechter aus und Beaumer musste sich aus den Top 10 nach vorne arbeiten. Genau das gelang ihm. Er kämpfte sich durchs Feld, übernahm die Führung und gewann. „Wir haben für das zweite Moto ein paar gute Änderungen vorgenommen. Mein Start war nicht so stark, aber mein Fahren war richtig gut und ich konnte mich bis auf Platz eins nach vorne arbeiten.“

Mit 2-1 holte Beaumer seinen zweiten 250MX-Gesamtsieg der Saison. Nach seinem Erfolg in Spring Creek gewann er damit auch das Finale in Ironman. Vier Podiumsplätze über die Saison brachten ihm außerdem Rang zwei in der Meisterschaft.

Gerade der zweite Lauf dürfte KTM gefallen haben. Beaumer musste diesmal nicht nur einen guten Start verwalten. Er musste überholen.

Und er konnte es.

Zwei Siege – aber keine Meisterschaft

Ganz ausblenden sollte man die andere Seite des Ironman-Ergebnisses allerdings nicht. KTM gewann beim Finale beide Klassen, die beiden Meisterschaften gingen trotzdem an andere Fahrer. Hunter Lawrence sicherte sich den 450MX-Titel, Cole Davies die 250MX-Meisterschaft.

Prado beendet die 450MX-Saison auf Rang vier, Beaumer wird Zweiter in der 250MX.

Das macht Ironman für KTM vielleicht sogar interessanter. Denn der Doppelsieg kommt nicht am Ende einer Saison, in der sowieso alles gewonnen wurde. Er kommt an einem Wochenende, an dem sich noch einmal gezeigt hat, welches Potenzial in beiden Klassen vorhanden ist.

Bei Beaumer waren es über die Saison zwei Gesamtsiege und vier Podiumsplätze. Prado stand ebenfalls mehrfach auf dem Podium und bekam ausgerechnet beim Finale alle Teile zusammen.

Dazu kamen in Ironman Eli Tomac und Aaron Plessinger. Tomac fuhr mit 7-5 auf Gesamtrang fünf, Plessinger wurde mit 5-9 Achter. Beide waren erst im späteren Verlauf der Outdoor-Saison wieder ins Renngeschehen eingestiegen.

Für Red Bull KTM Factory Racing endet Pro Motocross damit mit einem Ergebnis, das man in Mattighofen wohl gerne etwas häufiger gesehen hätte.

Prado 1-1 in der 450MX. Beaumer 2-1 in der 250MX. Zwei Gesamtsiege beim selben Rennen.

Ob Ironman nur ein verdammt gutes Wochenende war oder KTM tatsächlich genau zum richtigen Zeitpunkt seine stärkste Form erreicht hat, lässt sich schon bald besser beurteilen.

Denn jetzt kommt SMX.