Jett Lawrence zieht die Reißleine: Keine SMX-Playoffs
Jett Lawrence beendet vorzeitig Saison 2026. / Foto: HRC
Wie lange kann man mit einem angeschlagenen Sprunggelenk auf diesem Niveau weitermachen? Jett Lawrence hat es über die komplette Pro-Motocross-Saison versucht. Nach dem Finale in Ironman ist damit Schluss: Der Honda-Pilot verzichtet auf alle drei Läufe der SuperMotocross Playoffs und lässt sich erneut operieren.
Ganz überraschend kommt die Entscheidung nicht. Wer Lawrence während der Outdoors verfolgt hat, bekam immer wieder mit, dass sein rechtes Sprunggelenk nicht bei 100 Prozent war. Trotzdem gewann er vier Runden und hielt den Titelkampf bis zum Schluss offen. Erst in Ironman musste er sich seinem Bruder Hunter Lawrence geschlagen geben, der dort die 450MX-Meisterschaft perfekt machte.
Was während der Saison nach einem Problem aussah, mit dem Jett irgendwie umgehen konnte, hat sich beim Finale allerdings wieder verschärft.
Bereits im ersten Moto von Ironman verletzte er das Sprunggelenk erneut. Laut American Honda nahmen Schmerzen und Instabilität danach deutlich zu. Nun folgt die Konsequenz: Am 9. September wird Lawrence in der Steadman Clinic in Vail operiert.
Seit Dezember nicht mehr schmerzfrei
Das eigentliche Problem begleitet Lawrence schon deutlich länger. Bereits im Dezember 2025 verletzte er sich beim Training am rechten Sprunggelenk. Zwar konnte er anschließend die komplette Pro-Motocross-Saison bestreiten, wirklich Ruhe gab der Fuß aber offenbar nie.
Lawrence spricht inzwischen selbst ziemlich deutlich darüber, wie sehr ihn die Verletzung über den Sommer beschäftigt hat. „Ich habe mich gemeinsam mit meinem Team entschieden, die SMX-Serie auszulassen, damit mein Sprunggelenk wieder zu 100 Prozent in Ordnung kommt und ich langfristig etwas von meiner Karriere habe“, erklärt der Australier.
Interessant ist vor allem der nächste Teil seiner Aussage. „Ich habe mich durch den Sommer gequält und alles versucht, um die Outdoor-Meisterschaft zu gewinnen. Aber mein Sprunggelenk hat sich seit Saisonbeginn nie richtig angefühlt und nach Ironman ist es noch schlimmer.“
Vier Rundensiege und Platz zwei in der Meisterschaft lesen sich unter diesem Gesichtspunkt noch einmal etwas anders. Lawrence war schnell genug, um bis zum Finale um den Titel zu kämpfen, musste dabei aber offenbar Woche für Woche mit Schmerzen zurechtkommen.
Dass er trotzdem gefahren ist, kann man mit Blick auf die Meisterschaft nachvollziehen. Mit dem verlorenen 450MX-Titel fällt dieser Grund nun weg.
Noch einmal drei SMX-Wochenenden mit einem Sprunggelenk durchzudrücken, das inzwischen nicht nur schmerzt, sondern laut Honda auch instabil ist, wäre ein ziemlich hoher Preis für die Chance auf einen weiteren Titel.
Der vierte SMX-Titel in Folge ist vom Tisch
Sportlich ist der Verzicht trotzdem eine große Nummer. Lawrence hätte 2026 seinen vierten SMX-Titel in Folge holen können. Stattdessen endet seine Saison nach Ironman. „Ich möchte alles dafür tun, wieder der Jett zu sein, der ich normalerweise bin. Das Wichtigste ist, dass ich wieder schmerzfrei werde und mich auf das nächste Jahr vorbereiten kann“, sagt er.
Damit ist auch klar, wo die Priorität liegt. Nicht Columbus, nicht der nächste Titel, sondern 2027.
American Honda trägt die Entscheidung mit. Racing Manager Brandon Wilson hätte Lawrence zwar gerne um eine weitere SMX-Meisterschaft kämpfen sehen, verweist aber ebenfalls auf dessen langfristige Zukunft.
„Natürlich tut es uns leid, dass Jett nicht um seine vierte SMX-Meisterschaft in Folge kämpfen kann, aber das gesamte Team unterstützt seine Entscheidung. Er hat noch eine lange Karriere vor sich, deshalb stehen wir voll dahinter, alles Notwendige zu tun, damit er wieder so nah wie möglich an 100 Prozent kommt.“
Bei einem Fahrer, der trotz der Probleme vier Nationals gewonnen und die Meisterschaft auf Rang zwei beendet hat, klingt „so nah wie möglich an 100 Prozent“ beinahe harmlos. Jetts eigene Aussagen zeichnen ein deutlicheres Bild. Er hat den Sommer nicht einfach mit einem kleinen Wehwehchen bestritten, sondern sich nach eigener Aussage durch die Saison gequält.
Hunter übernimmt nun endgültig
Für Honda verschiebt sich der Fokus damit komplett auf Hunter Lawrence. Der frischgebackene 450MX-Champion reist als einziger 450-Fahrer des Teams zum SMX-Auftakt am 12. September in Columbus.
Dass Hunter dort lediglich die zweite Geige spielen dürfte, lässt sich nach diesem Sommer ohnehin kaum noch behaupten. Im vergangenen Jahr wurde er hinter Jett Zweiter der SMX-Wertung, jetzt kommt er mit seinem ersten 450MX-Titel zu den Playoffs.
In der 250er-Klasse setzt Honda auf Jo Shimoda und Chance Hymas. Shimoda geht dabei als amtierender 250SMX-Champion in die drei Playoff-Runden.
Jett Lawrence wird währenddessen ein ganz anderes Programm haben. Operation, Reha und der Versuch, ein Problem loszuwerden, das ihn seit Dezember begleitet.
Seine vier Siege zeigen, dass er auch mit einem angeschlagenen Sprunggelenk Rennen gewinnen kann. Der Sommer hat aber ebenso gezeigt, dass schnell sein und körperlich fit sein zwei verschiedene Dinge sind.
Für einen weiteren SMX-Titel hätte Lawrence noch einmal die Zähne zusammenbeißen können. Nach Ironman will er diesen Preis nicht mehr zahlen.
