Jeremy Sydow bleibt Triumph bis Ende 2028 treu
Jeremy Sydow und Triumph bilden weiterhin ein Team. / Foto: Future7Media
Kann Jeremy Sydow mit Triumph in den kommenden zwei Jahren um den Enduro1-WM-Titel kämpfen? Die Grundlage dafür ist zumindest geschaffen. Der Deutsche hat seinen Vertrag mit Triumph Factory Racing um zwei weitere Jahre verlängert und wird auch 2027 und 2028 in der EnduroGP-Weltmeisterschaft auf der TF 250-E antreten.
Ganz überraschend kommt die Verlängerung nicht. Sydows Saison 2026 begann zwar denkbar ungünstig, entwickelte sich nach seiner Rückkehr aber in eine Richtung, die sowohl für den Fahrer als auch für Triumph Argumente für eine weitere Zusammenarbeit lieferte.
Der 26-Jährige bleibt dabei der Enduro1-Klasse treu. Und nach neun Podestplätzen in Folge darf das Ziel inzwischen durchaus etwas höher gesteckt werden.
Vom Verletzungspech zur Podestserie
Eigentlich sollte Sydow bereits beim Saisonauftakt in Italien angreifen. Eine Fußverletzung kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft machte diesen Plan zunichte. Erst beim zweiten Lauf in Spanien konnte er in die Saison einsteigen.
Dort ging es zunächst darum, wieder Rennrhythmus aufzubauen. In Finnland folgte dann der erste Enduro1-Podestplatz mit Triumph – und ab diesem Zeitpunkt änderte sich seine Saison.
„In Finnland konnte ich zum ersten Mal wieder aufs Podium fahren, und von da an fühlte es sich ein bisschen wie ein Durchbruch an“, beschreibt Sydow diese Phase.
Das war es tatsächlich. An jedem folgenden Renntag landete der Deutsche in seiner Klasse unter den ersten Drei. Am Ende standen neun Enduro1-Podestplätze in Folge.
Gerade nach dem verpassten Saisonauftakt ist diese Serie interessant. Was ohne die Verletzung in der Meisterschaft möglich gewesen wäre, bleibt Spekulation. Sie zeigt aber, dass Sydow über einen längeren Zeitraum das Tempo für die Spitze der E1 mitgehen konnte.
Der Wechsel auf den Viertakter brauchte Zeit
Hinzu kam für Sydow eine weitere Umstellung. Nach seinen Jahren auf dem Zweitakter musste er sich an die Charakteristik der TF 250-E gewöhnen.
Dass ein Motorrad schnell sein kann, bedeutet schließlich noch nicht automatisch, dass sich ein Fahrer darauf sofort wohlfühlt. Gerade im Enduro müssen Leistungsabgabe, Traktion und Fahrbarkeit über einen langen Tag funktionieren. Sydow räumt selbst ein, dass die Umstellung zunächst Arbeit bedeutete.
„Am Anfang war der Wechsel vom Zweitakter auf den Viertakter definitiv eine Umstellung, aber das Team hat einen großartigen Job gemacht, damit ich mich wohlfühle.“
Im Laufe der Saison sei sein Gefühl für die Triumph von Rennen zu Rennen besser geworden. Die Ergebnisse passen zu dieser Aussage. Nach dem ersten Podium kam nicht der gelegentliche Ausreißer nach vorne, sondern eine Serie.
Und genau die dürfte bei der Vertragsverlängerung eine wichtige Rolle gespielt haben.
Triumph erwartet den nächsten Schritt
Teammanager Paul Edmondson sieht Sydows Entwicklung ähnlich. Besonders dessen Saisonstart mit der Verletzung hebt der Brite hervor.
„Jeremy hat in diesem Jahr einen guten Schritt gemacht, vor allem wenn man berücksichtigt, dass er die Saison verletzt begonnen hat“, sagt Edmondson. „Mit unserem Team bin ich überzeugt, dass er im nächsten Jahr noch einmal einen großen Schritt machen kann.“
Neben den Resultaten nennt Edmondson vor allem Sydows Einstellung und Arbeitsweise. Der Deutsche sei inzwischen zu einem wichtigen Teil des Teams geworden.
Auch für Triumph selbst hat die Verlängerung einen gewissen Wert. Das EnduroGP-Projekt mit der TF 250-E befindet sich schließlich erst in seiner zweiten Saison. Fahrer und Team haben gemeinsam an dem Motorrad gearbeitet, Sydow kennt dessen Entwicklung und Triumph weiß inzwischen ziemlich genau, was es an ihm hat.
Ian Kimber, Head of Global Racing Programmes bei Triumph, spricht deshalb ausdrücklich von Kontinuität innerhalb des Programms.
Titel oder Top Fünf?
Interessant ist, dass Triumph und Sydow ihre Ziele etwas unterschiedlich formulieren.
In der Mitteilung spricht Triumph davon, mit Sydow in den kommenden beiden Jahren den Enduro1-Titelanzugreifen. Sydow selbst formuliert sein persönliches Ziel zunächst etwas anders.
„Mein wichtigstes Ziel für die nächsten zwei Jahre ist, verletzungsfrei zu bleiben, meine Konstanz beizubehalten und zu zeigen, dass ich das Potenzial habe, in die Top Fünf der EnduroGP-Gesamtwertung zu fahren, wenn ich alles zusammenbekomme.“
Das widerspricht sich nicht unbedingt. Die Top Fünf der klassenübergreifenden EnduroGP-Wertung sind schließlich noch einmal eine andere Hausnummer als ein Spitzenplatz in der E1.
Vor allem der erste Teil seiner Aussage dürfte nach 2026 entscheidend sein: verletzungsfrei bleiben.
Sydow hat in dieser Saison gezeigt, was möglich ist, sobald er regelmäßig am Start steht. Neun Klassenpodien hintereinander wischt man nicht einfach beiseite.
2027 muss daraus der nächste Schritt werden. Dann geht es nicht mehr darum, ob Jeremy Sydow mit der Triumph regelmäßig auf das E1-Podium fahren kann. Die interessantere Frage wird sein, wie oft er ganz oben steht.
