Braucht die MXGP wirklich 20 Grands Prix?

Startszene beim MXGP of The Netherlands 2026

Startszene beim MXGP of The Netherlands 2026

Sind 20 Grands Prix besser als 15 oder 16? Paolo Ciabatti und Louis Vosters würden diese Frage zumindest nicht allein anhand der Anzahl beantworten. Beide sprachen beim MXGP in Arnhem offen darüber, dass sie weniger WM-Läufe bevorzugen würden, wenn dafür Strecken und Veranstaltungen ein konstant höheres Niveau erreichen.

Das Thema ist im Fahrerlager nicht neu. Mit inzwischen 19 beziehungsweise 20 Grands Prix ist der MXGP-Kalender über die Jahre deutlich gewachsen, die Qualität der einzelnen Veranstaltungen fällt jedoch unterschiedlich aus. Genau darüber wird offenbar auch zwischen Herstellern, Teams, FIM und Infront diskutiert.

Ciabatti sieht keine 20 Strecken auf demselben Niveau

Paolo Ciabatti kennt die Interessen eines Promoters aus eigener Erfahrung. Bevor er bei Ducati das Offroad-Projekt übernahm, arbeitete der Italiener viele Jahre im Straßenrennsport und zeitweise selbst auf Promoterseite.

Deshalb weiß er auch, weshalb Infront einen umfangreichen Kalender braucht. Trotzdem sieht er bei der Anzahl der Rennen ein Problem.

„Der Promoter braucht mindestens 20 Rennen, 19 oder 20 Rennen. Wahrscheinlich gibt es aber keine 20 Strecken auf demselben Niveau“, sagte Ciabatti in Arnhem. 

Das ist zunächst seine Einschätzung. Bei der Frage nach einer Alternative verweist der Ducati-Manager allerdings auf Gespräche, die bereits mit anderen Beteiligten geführt wurden.

„Wir haben darüber schon oft mit den anderen Herstellern und Teams gesprochen. Ich denke, sie wären eher damit zufrieden, 15 oder 16 Rennen zu haben, die dafür ein bestimmtes Niveau erreichen.“ 

Ciabatti fordert damit nicht ausdrücklich einen MXGP-Kalender mit exakt 15 Rennen. Seine Aussage geht eher in eine andere Richtung: Die Anzahl der Grands Prix sollte nicht wichtiger sein als deren Qualität.

Vosters spricht Streckenpräparation direkt an

Louis Vosters sieht es ähnlich. Der Teamchef des Red Bull Ducati Factory MXGP Teams wurde direkt gefragt, wie viele Rennen er bevorzugen würde.

Seine Antwort fiel ziemlich klar aus.

„15 oder 16 Rennen wären besser, dafür aber auf einem etwas höheren Niveau – was die Veranstaltungen, die Strecken, die Streckenpräparation und alles, was dazugehört, betrifft.“ 

Gerade der Hinweis auf die Streckenpräparation dürfte bei vielen MXGP-Fans hängenbleiben. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder darüber diskutiert, wie stark Strecken verändert oder präpariert werden sollten und welche Art von Kurs einer Motocross-Weltmeisterschaft gerecht wird.

Ciabatti selbst sprach davon, dass es jedes Jahr einige sehr gute Veranstaltungen gebe, bei anderen dagegen Fragezeichen blieben. 

Wer regelmäßig an der Strecke steht, sieht die Unterschiede ohnehin. Manche Grands Prix bieten ein volles Fahrerlager, große Zuschauerzahlen und eine Strecke, die über das Wochenende mehrere Linien entwickelt. Andere Wochenenden erreichen dieses Niveau nicht.

Hersteller und Infront verfolgen unterschiedliche Interessen

Weniger Rennen klingen aus Sicht eines Teams zunächst logisch. Weniger Reisen, weniger Materialverschleiß und mehr Zeit zwischen den Grands Prix wären mögliche Folgen. Ciabatti argumentierte in Arnhem allerdings nicht in erster Linie mit diesen Punkten.

Er verwies vielmehr auf die unterschiedlichen Interessen. Infront muss als Promoter eine internationale Serie organisieren und vermarkten. Hersteller und Teams schauen stärker darauf, unter welchen Bedingungen ihre Fahrer und Motorräder antreten.

Ein Kalender mit 15 oder 16 Rennen wäre deshalb nicht automatisch die bessere Lösung. Entscheidend wäre, welche Veranstaltungen übrig bleiben und nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden.

Das Thema lag bereits in Lommel auf dem Tisch

Die Aussagen aus Arnhem kommen nicht aus dem Nichts. Ciabatti berichtete von einem Treffen beim Grand Prix in Lommel, an dem die FIM, David Luongo, Infront und die Hersteller beteiligt waren.

Dort ging es um die unterschiedlichen Vorstellungen und um mögliche Veränderungen der Weltmeisterschaft. Ciabatti sprach in diesem Zusammenhang auch die schweren Unfälle der Saison an. Einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Verletzungen und einzelnen Strecken oder deren Präparation stellte er allerdings nicht her. 

Dass über solche Punkte gemeinsam gesprochen wird, ist zumindest ein Hinweis darauf, dass der aktuelle Kalender nicht einfach von allen Beteiligten abgenickt wird.

15 Top-GPs statt 20 Rennen?

Genau auf diese Frage läuft die Diskussion hinaus. Wenn Hersteller und Teams lieber 15 oder 16 Rennen auf einem höheren Niveau hätten, müsste definiert werden, was dieses Niveau überhaupt ausmacht.

Traditionsstrecken allein können nicht die Antwort sein. Infrastruktur, Sicherheit, Streckenpräparation, Zuschauerinteresse, Fahrerlager und die finanzielle Tragfähigkeit eines Grand Prix spielen ebenfalls eine Rolle.

Vosters erwartet ohnehin keine schnelle Veränderung. Nach seiner Aussage zugunsten eines kleineren Kalenders fügte er hinzu: „Es ist nicht einfach, dass sie das ändern werden. Im Moment müssen wir damit umgehen.“ 

Die Hersteller haben ihre Vorstellung damit zumindest auf den Tisch gelegt. Ob Infront irgendwann tatsächlich von 19 oder 20 Grands Prix abrückt, hängt nun nicht davon ab, ob 15 besser klingt als 20. Entscheidend wäre, ob sich ein kleinerer Kalender sportlich und wirtschaftlich überhaupt umsetzen lässt.