High Point: Lawrence-Brüder setzen das Tempo

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Hunter Lawrence stand in High Point wieder ganz oben auf dem Treppchen. / Foto: Align Media - MX Sports Pro Racing, Inc

Das High Point National brachte nicht nur einen Doppelsieg für die Lawrence-Familie, sondern auch interessante Einblicke in die aktuelle Kräfteverteilung der 450er-Klasse. Während Hunter Lawrence seinen bislang stärksten Auftritt der Outdoorsaison zeigte, musste sich Jett Lawrence trotz Rang zwei eingestehen, dass er an diesem Tag nicht die Antwort auf seinen Bruder hatte. Dahinter zeigte Haiden Deegan erneut, warum viele ihn als den künftigen Herausforderer der beiden Australier sehen.

Hunter findet zurück zur Basis

Für Hunter Lawrence begann der erfolgreiche Renntag mit einer Entscheidung, die zunächst unspektakulär klang. Nach mehreren Wochen des Testens kehrte er kurz vor den Rennen zu seiner ursprünglichen Motorradabstimmung zurück.

Die in den vergangenen Runden getesteten Änderungen hatten ihm nicht das gewünschte Gefühl vermittelt. Also entschied er sich, auf die bewährte Grundeinstellung zurückzugehen. Genau das brachte ihm das Vertrauen zurück, das ihm zuletzt gefehlt hatte.

Der Effekt war sofort sichtbar. Hunter kontrollierte beide Läufe von der Spitze und fuhr souverän zum Gesamtsieg. Besonders zufrieden war er damit, nach den Problemen von Thunder Valley wieder das Gefühl zu haben, das Motorrad exakt dort zu platzieren, wo er es haben wollte. Trotzdem machte er deutlich, dass die Arbeit keineswegs abgeschlossen sei. Auch nach einem perfekten Wochenende werde jedes Rennen analysiert und nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht.

Jett erkennt die Leistung seines Bruders an

Für Jett Lawrence endete das Wochenende mit Rang zwei. Angesichts seiner noch immer nicht vollständig ausgeheilten Knöchelverletzung bleibt jedes Podium ein Erfolg, doch diesmal stand vor allem die Leistung seines Bruders im Mittelpunkt.

Der Honda-Pilot erklärte, dass ihn der Fuß zwar weniger schmerze als noch vor einigen Wochen, er auf dem Motorrad aber weiterhin Kompromisse eingehen müsse. Vor allem in tiefen Spurrillen und beim Belasten des Motorrads könne er das rechte Bein noch nicht so einsetzen, wie er es normalerweise tun würde.

Noch bemerkenswerter waren jedoch seine Aussagen über Hunter. Jett machte keinen Versuch, Ausreden zu suchen.

„Er ist einfach richtig gut gefahren“, lautete seine Einschätzung. Selbst als er versuchte, die gleichen Linien wie sein Bruder zu fahren, konnte er dessen Tempo nicht mitgehen. Schließlich entschied er sich, den zweiten Platz sicher nach Hause zu bringen, anstatt unnötige Risiken einzugehen.

Deegan verkürzt den Abstand

Haiden Deegan verließ High Point mit Rang drei, aber auch mit viel Zuversicht. Der Yamaha-Pilot sieht deutliche Fortschritte in seiner Anpassung an die 450er-Klasse.

Während er vor einer Woche in Thunder Valley noch rund 30 Sekunden hinter Jett Lawrence ins Ziel gekommen war, betrug der Rückstand diesmal nur noch wenige Sekunden. Für Deegan ist das ein Zeichen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht.

Nach seiner Einschätzung lernt er mit jedem Rennen besser, wie die 450er gefahren werden muss. Schaltpunkte, Leistungsentfaltung und das Verhalten des Motorrads auf ausgefahrenen Strecken unterscheiden sich deutlich von der 250er-Klasse. Genau diese Erfahrung sammelt er aktuell.

Mehrfach betonte Deegan, dass Geduld gefragt sei. Er wolle zwar gewinnen, sehe die Saison aber weiterhin als Lernprozess. Trotzdem machte er deutlich, dass er die Lawrence-Brüder längst nicht mehr als unerreichbar betrachtet. Seiner Meinung nach sei es „nur eine Frage der Zeit“, bis er regelmäßig mit ihnen kämpfen könne.

Sticheleien bleiben nicht aus

Für Gesprächsstoff sorgten zudem zwei Szenen aus dem Training. Zunächst fuhr Jett Lawrence an Haiden Deegan vorbei und beschleunigte anschließend so stark, dass dieser eine ordentliche Portion Staub und Schmutz abbekam. Auf die Situation angesprochen, reagierte Lawrence mit einem Augenzwinkern: „Mein Reifen war voller Schlamm, deshalb wollte ich ihn einfach sauber machen.“

Deegan berichtete später von einer weiteren Begegnung. Nachdem Lawrence gestürzt war, habe er beim Vorbeifahren gefragt, ob alles in Ordnung sei. Als Antwort habe er jedoch den Mittelfinger gezeigt bekommen. Viel mehr als eine Randnotiz war die Situation für Deegan allerdings nicht. Im Gegenteil: Solche kleinen Sticheleien würden ihn eher zusätzlich anspornen.

Die 450er-Klasse bekommt ein neues Duell

Auch wenn die Lawrence-Brüder aktuell weiterhin den Maßstab bilden, zeigt die Entwicklung von Deegan deutlich nach oben. Der Amerikaner wird von Rennen zu Rennen schneller und fühlt sich auf der großen Maschine zunehmend wohler.

High Point hat deshalb nicht nur einen weiteren Lawrence-Sieg hervorgebracht. Das Wochenende zeigte auch, dass sich hinter den beiden Australiern ein Fahrer etabliert, der schon bald deutlich häufiger in ihren Rückspiegeln auftauchen dürfte.

Ergebnis High Point National 2026