DMX Dolle – Geht dem Motocross langsam das Personal aus?

Streckenposten beim DMX Dolle

Streckenposten beim DMX Dolle. / Foto: Kai Brake

Wenn über die Herausforderungen des Motocross-Sports gesprochen wird, stehen meist steigende Kosten, Nachwuchsförderung oder der Erhalt von Rennstrecken im Mittelpunkt. Ein Problem, das für die Durchführung jeder einzelnen Veranstaltung unverzichtbar ist, wird dagegen oft übersehen: die Verfügbarkeit von Streckenposten.

Dabei zeigen aktuelle Beispiele, dass die Situation zunehmend schwieriger wird.

Dolle als aktuelles Warnsignal

Beim DMX Open Lauf in Dolle mussten die Verantwortlichen nach Informationen aus dem Fahrerlager auf zusätzliche Helfer zurückgreifen, um die erforderliche Anzahl an Streckenposten überhaupt stellen zu können. Demnach sprangen Personen aus dem Fahrerlager ein, damit die Veranstaltung durchgeführt werden konnte.

Möglicherweise spielte dabei auch das Wetter eine Rolle. Während des Rennwochenendes herrschten Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Wer über Stunden als Streckenposten entlang einer Motocross-Strecke steht, ist der Sonne nahezu schutzlos ausgesetzt. Gerade bei solchen Bedingungen wird aus einem ehrenamtlichen Einsatz schnell eine körperlich anspruchsvolle Aufgabe.

Noch bemerkenswerter war jedoch eine andere Konsequenz. Aufgrund der personellen Situation wurde die Strecke verkürzt. Weniger Streckenlänge bedeutete gleichzeitig weniger Posten, die entlang des Kurses eingesetzt werden mussten. Eine nachvollziehbare Entscheidung aus Sicht der Sicherheit. Gleichzeitig sollte ein solcher Schritt bei einer Deutschen Motocross-Meisterschaft Anlass zum Nachdenken geben.

Ohne Streckenposten kein Rennen

Wie wichtig die Helfer an der Strecke sind, wird häufig erst dann deutlich, wenn sie fehlen. Der britische Motorradverband ACU bringt die Situation seit Jahren mit einem einfachen Satz auf den Punkt:

„No Marshals, No Racing.“ – Keine Streckenposten, keine Rennen.

Tatsächlich gehören Streckenposten zu den wichtigsten Personen einer Veranstaltung. Sie sichern Unfallstellen ab, warnen nachfolgende Fahrer, unterstützen Rettungskräfte und helfen dabei, schwere Folgeunfälle zu verhindern.

Ohne ausreichend Personal kann keine Rennveranstaltung sicher durchgeführt werden.

Ein Problem, das nicht nur Dolle betrifft

Der Vorfall in Dolle dürfte kein Einzelfall sein. Viele Vereine berichten seit Jahren davon, dass es zunehmend schwieriger wird, genügend Helfer für ein Rennwochenende zu finden.

Während die Anforderungen an Sicherheit, Organisation und Dokumentation steigen, sinkt vielerorts die Zahl der ehrenamtlichen Unterstützer. Gleichzeitig werden die bestehenden Helfer älter und Nachwuchs findet sich häufig nur schwer.

Die Folge: Immer weniger Menschen müssen immer mehr Aufgaben übernehmen.

Gerade im Motocross ist das besonders problematisch. Je nach Streckenlayout werden oftmals mehrere Dutzend Streckenposten benötigt, um alle sicherheitsrelevanten Bereiche abzudecken.

Kann moderne Technik helfen?

Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie neue Helfer gewonnen werden können. Ebenso interessant ist die Frage, welche Unterstützung künftig von technischer Seite kommen könnte.

In anderen Motorsportarten gehören elektronische Flaggensysteme längst zum Standard. LED-Warnleuchten können Gefahrenstellen innerhalb von Sekunden anzeigen und Informationen gleichzeitig an mehrere Streckenabschnitte übermitteln.

Auch im Motocross wären solche Systeme denkbar. Sie könnten klassische Streckenposten zwar nicht ersetzen, deren Arbeit aber deutlich unterstützen.

Welche Rolle könnte KI spielen?

Ich gehe noch einen schritt weiter und erwäge Lösungen, bei denen Kameras und künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.

Moderne Systeme sind bereits heute in der Lage, Bewegungsmuster auszuwerten und ungewöhnliche Situationen zu erkennen. Ein gestürzter Fahrer, ein liegen gebliebenes Motorrad oder eine blockierte Streckenpassage könnten automatisch erkannt und an die Rennleitung gemeldet werden.

In Kombination mit digitalen Warnsignalen ließen sich Gefahrenbereiche möglicherweise schneller absichern als bisher.

Natürlich wird auch die beste Technik keinen Helfer ersetzen können, der unmittelbar an der Unfallstelle Unterstützung leistet. Dennoch könnten solche Systeme helfen, den Personalbedarf zu reduzieren und die Sicherheit weiter zu erhöhen.

Der Sport sollte die Entwicklung ernst nehmen

Der Motocross-Sport lebt vom Ehrenamt. Ohne Vereine, Helfer und Streckenposten gäbe es weder Vereinsrennen noch Deutsche Meisterschaften.

Gerade deshalb sollte die Situation aufmerksam beobachtet werden. Wenn selbst bei einer DM-Veranstaltung auf Helfer aus dem Fahrerlager zurückgegriffen werden muss und Streckenabschnitte wegfallen, weil nicht genügend Posten zur Verfügung stehen, dann handelt es sich nicht mehr um eine organisatorische Randnotiz.

Vielleicht ist Dolle nur ein Einzelfall. Vielleicht war es aber auch ein Hinweis auf ein Problem, das in den kommenden Jahren immer häufiger auftreten wird.

Die Frage, ob dem Motocross langsam das Personal ausgeht, erscheint jedenfalls nicht mehr ganz so weit hergeholt wie noch vor einigen Jahren.