DMX gestrichen, Tradition bleibt: Wie der MC Ka-Li den 1. Mai neu denken muss

2024 waren die Piloten der DM Open zu Gast beim MC Kali

2024 waren die Piloten der DM Open zu Gast beim MC Kali. / Foto: Kai Brake

Seit Jahrzehnten ist der 1. Mai ein fester Termin im deutschen Motocross-Kalender – und untrennbar mit dem MC Ka-Li verbunden. Auf dem Eyller-Berg-Track in Kamp-Lintfort wird an diesem Tag nicht einfach ein Rennen veranstaltet, sondern ein Stück Vereins- und Sportgeschichte gepflegt. Umso größer war der Einschnitt, als feststand: Durch die Verschiebungen im Kalender von DMX und ADAC MX Masters verliert der MC Ka-Li sein einziges Prädikatsrennen an diesem Tag – den DMX-Damenlauf.

Was zunächst wie eine terminliche Randnotiz klingt, hat für den Verein aus Nordrhein-Westfalen weitreichende Folgen.

Ein Rennen fällt – und mit ihm Planungssicherheit

Die Entscheidung kam kurzfristig. Nachdem der Masters- und DMX-Kalender angepasst worden war, wurde dem MC Ka-Li mitgeteilt, dass das DMX-Damenrennen nicht wie geplant in Kamp-Lintfort stattfinden könne. Stattdessen wurde das betreffende Rennen an einen anderen Standort verlegt. Für den Verein bedeutete das: Das sportliche Aushängeschild des 1. Mai war weg – ohne echte Alternative.

Besonders bitter: Der DMX-Damenlauf wäre bundesweit das einzige angesetzte Solo-Klassen-Prädikatrennen an diesem Tag gewesen. Eine Konstellation, die sportlich wie organisatorisch enorme Bedeutung gehabt hätte – für Fahrerinnen, Serie und Ausrichter gleichermaßen.

Neues Rennprogramm statt aufgeben

Aufgeben war für den Vorstand dennoch keine Option. In mehreren kurzfristigen Sitzungen wurde überlegt, wie sich der Renntag dennoch sinnvoll füllen lässt. Ursprüngliche Ideen – etwa eine breitere Einbindung von Damenklassen aus verschiedenen Serien – zerschlugen sich schnell, nicht zuletzt aufgrund internationaler Überschneidungen und unterschiedlicher Serieninteressen.

Am Ende entschied sich der MC Ka-Li für einen pragmatischen und sportlich ausgerichteten Weg. Das Programm am 1. Mai wird nun durch Seitenwagen, die Pro-Klasse (MX1/MX2) aus dem MX-Cup, ergänzt durch Fahrer aus dem DAMCV-Umfeld, sowie eine Gästeklasse getragen. Ziel ist es, den Zuschauern auch ohne offizielles Prädikat ein hochwertiges und abwechslungsreiches Renngeschehen zu bieten.

Es ist eine Lösung, die die Philosophie des Vereins widerspiegelt: den Sport in den Mittelpunkt zu stellen und dem Publikum einen Renntag zu bieten, der dem langjährigen Anspruch des MC Ka-Li gerecht wird.

Finanzielle Folgen sind bereits spürbar

Dass der Verlust eines DMX-Prädikats nicht folgenlos bleibt, zeigt sich schnell auch finanziell. Ein zentraler Sponsor hat sein Engagement bereits deutlich reduziert – das verfügbare Budget wurde laut Vereinsangaben um rund 50 Prozent gekürzt. Für einen Verein, der stark auf einen einzigen großen Veranstaltungstag angewiesen ist, ist das ein erheblicher Einschnitt.

Nun ruht vieles auf einem Faktor, den niemand beeinflussen kann: dem Wetter. Gute Bedingungen könnten stabile Zuschauerzahlen bringen – ähnlich wie in den Vorjahren, als auch ohne DM-Lauf überraschend viele Fans den Weg an die Strecke fanden. Schlechte Bedingungen hingegen könnten schnell dazu führen, dass der Tag nur mit Mühe kostendeckend abgewickelt werden kann.

Kommunikation auf Distanz

Kritisch sieht der Verein vor allem die Art der Kommunikation. Die grundsätzliche Vergabe der Prädikate erfolgte frühzeitig und transparent. Die späteren Verschiebungen hingegen wurden kurzfristig mitgeteilt – ohne echte Einbindung der betroffenen Veranstalter oder Raum für Alternativen.

Für einen Club, der seit über 75 Jahren am selben Datum Rennen ausrichtet, ist das ein sensibles Thema. Der 1. Mai ist in Kamp-Lintfort nicht verhandelbar – weder für den Verein noch für die Zuschauer. Eine Verlegung würde bedeuten, gegen jahrzehntelang gewachsene Gewohnheiten anzukämpfen. Erfahrungsgemäß ein aussichtsloses Unterfangen.

Blick nach vorn – mit Fragezeichen

Ein Rückzug aus dem Sport steht für den MC Ka-Li nicht zur Debatte. Dafür ist die Verbundenheit zum Motocross zu groß. Dennoch wirft die Entwicklung Fragen auf: Was passiert, wenn sich solche Kalenderkonstellationen wiederholen? Wie viel Planungssicherheit brauchen Vereine, um weiterhin Prädikatsrennen stemmen zu können? Und welchen Stellenwert haben traditionsreiche Einzelveranstaltungen in einem immer dichter werdenden Serienkalender?

Für dieses Jahr bleibt nur, das Beste aus der Situation zu machen. Der 1. Mai wird in Kamp-Lintfort stattfinden – wie seit Jahrzehnten. Ohne DMX-Damenlauf, aber mit dem festen Willen, den Zuschauern und Fahrern trotzdem einen würdigen Renntag zu bieten.

Ob das langfristig reicht, wird nicht nur vom Engagement der Vereine abhängen – sondern auch davon, wie sehr Serien und Verbände bereit sind, deren Realität künftig mitzudenken.