„Motocross geht den Bach runter“ – Tabea Zimmermann spricht Klartext

Tabea Zimmermann beim MXGP of Germany in Teutschenthal.

Tabea Zimmermann beim MXGP of Germany in Teutschenthal.

Tabea Zimmermann, selbst leidenschaftliche Motocross-Fahrerin und Inhaberin des 2021 gegründeten Unternehmens TZ Designs redet nicht drumherum. Kein Script-Pathos, keine Influencer-Floskeln – sondern ein ehrliches, unbequemes Statement aus der Szene, für die Szene. Auslöser sind gleich mehrere Karriereenden, die aktuell für Stirnrunzeln sorgen: das von Sarah Andersen und jenes von Tanja Schlosser, die ihren Rückzug aus dem Leistungssport trotz sportlicher Stärke und sogar EM-Titel erklären mussten. Der Grund ist derselbe – und er tut weh: Geld.

Nicht Talent. Nicht Speed. Sondern das System.

Motocross ist teuer. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber laut Zimmermann ist inzwischen ein Punkt erreicht, an dem selbst ambitionierter Leistungssport mit normalem Einkommen schlicht nicht mehr machbar ist. Spätestens auf nationalem Top-Niveau explodieren die Kosten: Motoren, Reisen, Ersatzteile, Startgelder. Wer das ernsthaft betreibt, braucht mehr als Herzblut – er braucht ein stabiles finanzielles Fundament.

Und genau hier liegt das Problem.

Sponsoring ist nicht mehr das, was viele glauben

Zimmermann räumt mit einem der größten Mythen auf: Sponsoring bedeutet längst nicht mehr „Logo aufs Bike, fertig“. Wer heute Unterstützung will, muss eine echte Gegenleistung bieten – Reichweite, Content, Kreativität, Zuverlässigkeit. Prozent-Deals und Materialrabatte allein halten keine Saison am Leben.

Sie spricht offen darüber, wie viel unsichtbare Arbeit hinter scheinbar „kostenlosen“ Helmen, Klamotten oder Parts steckt. Jahrelanger Aufbau, Social Media, Videoproduktion, permanente Erreichbarkeit. Sponsoring ist Arbeit – kein Geschenk.

Die Szene frisst sich selbst auf

Einer der härtesten, aber wichtigsten Punkte ihres Statements: Das Geld darf nicht aus der Szene selbst kommen. Wenn Motocross-Firmen Motocross-Fahrer finanzieren, die wiederum genau dort ihr Geld ausgeben, entsteht kein Wachstum – nur ein geschlossener Kreislauf, der sich selbst ausblutet.

Zimmermann rät das Anfragen bei externen Sponsoren. Marken, die nichts mit Motocross zu tun haben, aber von dessen Image profitieren können. Genau dort liegt das echte Potenzial, um den Sport größer, professioneller und zukunftsfähiger zu machen.

Erfolg allein reicht nicht mehr

Ein Satz bleibt hängen: Schnell Motorrad fahren genügt nicht mehr. Erfolge beeindrucken kaum noch, wenn sie nicht erzählt, sichtbar gemacht und emotional aufgeladen werden. Content schlägt Pokale – so hart das klingt. Wer das ignoriert, bleibt unsichtbar.

Kein Angriff – sondern ein Weckruf

Wichtig: Dieses Statement ist kein Angriff auf einzelne Fahrerinnen oder Fahrer. Im Gegenteil. Zimmermann betont ausdrücklich ihren Respekt und ihre Nähe zu den genannten Athletinnen. Es geht ihr nicht um Schuld, sondern um Bewusstsein. Um Verantwortung. Um die Frage, wie Motocross im deutschsprachigen Raum überhaupt noch eine Zukunft haben soll.

Ehrlich, unbequem – aber notwendig

Tabea Zimmermann spricht aus, was viele denken, aber wenige sagen. Ihr Fazit ist klar: Motocross steckt nicht in einer sportlichen Krise – sondern in einer strukturellen. Wer den Sport liebt, muss anfangen umzudenken. Kreativer werden. Professioneller werden. Und akzeptieren, dass Leidenschaft allein keine Rechnungen bezahlt.

Oder, um es mit ihren Worten zusammenzufassen: Von nichts kommt nichts. Und wer stehen bleibt, wird überholt – nicht nur auf der Strecke. Das Video von Tabea findet ihr auf ihrem Youtube-Kanal.