Längenfelder macht ernst: 450er-Premiere in Dreetz
Simon Längenfelder startet beim ADAC MX Masters in Dreetz
Während der MXGP Pause von fünf Wochen hätte man es auch ruhiger angehen können. Trainingsblöcke, vielleicht ein Test hier und da. Stattdessen entscheidet sich Simon Längenfelder für den anderen Weg: Rennen fahren. Und zwar nicht irgendwo – sondern beim ADAC MX Masters in Dreetz. Auf der 450er.
Rennrhythmus statt Leerlauf
Nach dem Grand Prix in Arco klafft im MX2-Kalender plötzlich eine Lücke von über einem Monat. Für viele eine Phase, um Grundlagen zu legen. Für Längenfelder eher ein Problem. „In der Zeit möchte ich unbedingt ein Rennen fahren, um im Rennrhythmus zu bleiben“, sagte er gegenüber Sebastian Wolter. Dreetz passt da ziemlich genau rein – zeitlich und inhaltlich.
Denn nebenbei läuft noch ein zweites Thema mit: die erste echte Standortbestimmung auf der 450er. „Ich werde das Ganze auch nutzen, um mein erstes Rennen auf einem 450ccm Motorrad zu bestreiten.“ Das klingt nach Nebensatz – ist aber der eigentliche Kern.
Kein leichter Einstieg
Wer Dreetz kennt, weiß: Das ist kein Ort für sanfte Premieren. Viel Sand, viele 180-Grad-Kurven, wenig Flow, dafür viel Arbeit.
Längenfelder kennt die Strecke aus Trainingssessions, aber nicht aus dem Masters-Kontext. Und genau da liegt der Unterschied. „Die Strecke hat es in sich“, sagt er. „Viele 180-Grad-Kurven, bei denen man sich aus dem Sand ausbuddeln muss.“
Dazu kommt das, was man aus dem letzten Jahr gehört hat: tief, ausgefahren, kräftezehrend. Genau die Art von Strecke, die dir nichts schenkt – aber viel zeigt.
ADAC MX Masters: mehr als nur Beiwerk
Dass Längenfelder überhaupt wieder beim ADAC MX Masters auftaucht, ist kein Zufall. Die Serie hat für ihn mehr Gewicht, als man vielleicht denkt. „Ich war überrascht, wie professionell die Serie ist“, sagt er rückblickend auf seinen Start im vergangenen Jahr. Volle Starterfelder, Qualifikation nötig – Dinge, die in der WM längst nicht mehr selbstverständlich sind.
Und genau hier wird es interessant: Das Masters ist für ihn kein Abstieg, sondern eher ein Gegenpol. Mehr Fahrer, mehr Druck, weniger Komfortzone. Rückblickend ordnet er es klar ein: „Das war ein wichtiger Baustein auf meinem Weg an die Weltspitze.“
Zwischen Anspruch und Realität
Sportlich geht Längenfelder mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Vorsicht in das Wochenende. Gewinnen? Klar, das Ziel steht im Raum. Aber eben nicht um jeden Preis. „Natürlich möchte ich versuchen, in Dreetz zu gewinnen“, sagt er. „Aber ich weiß auch, dass es mein erstes Rennen auf der 450er ist.“
Dazu kommt die Konkurrenz. Spätestens nach dem Duell zwischen Max Nagl und Roan van de Moosdijk in Grevenbroich ist klar, welches Niveau dort gefahren wird. Und dann ist da noch die Vorbereitung: überschaubar. „Ich bin sie noch nicht viel gefahren, nur wenige Tage und mit dem Setup meiner 250er.“
Das macht die Ausgangslage schwer greifbar. Und genau deshalb spannend.
Mehr Nähe, andere Energie
Ein Punkt, der im Kalender oft untergeht: Deutschland. Für Längenfelder inzwischen wieder mehr als nur ein Zwischenstopp. „Ich finde es voll cool, dass ich wirklich viele Leute und Fans sehe, mit denen ich auch mal reden kann“, sagt er. Der Unterschied zur WM ist spürbar – weniger Distanz, mehr direkte Reaktionen.
Das verändert auch die Wahrnehmung eines solchen Rennens. Es geht nicht nur um Zeiten und Platzierungen, sondern auch um Präsenz.
Ein Rennen mit mehr Bedeutung, als es wirkt
Dreetz ist für Längenfelder kein Lückenfüller. Es ist ein Test unter Druck, ein Perspektivwechsel und gleichzeitig ein Schritt raus aus dem gewohnten Ablauf.
Oder einfacher gesagt: lieber fahren als zuschauen. „Ein Rennen zu fahren ist eigentlich immer das beste Training. Warum soll ich dann zu Hause bleiben und den Livestream gucken, wenn ich selbst mitfahren kann?“
