Längenfelders 450er-Debüt sorgte in Dreetz für ein Ausrufezeichen
Simon Längenfelder beim ADAC MX Masters Dreetz 2026
Simon Längenfelder reiste nach Dreetz, um erstmals eine 450er-KTM unter Rennbedingungen zu bewegen. Nach drei Läufen verließ er die Tiefsandstrecke als Gesamtsieger.
Der amtierende MX2-Weltmeister gewann zwei der drei Rennen, lieferte sich intensive Duelle mit Max Nagl und Roan van de Moosdijk und bewegte sich auf der großen KTM vom ersten Training an überraschend selbstverständlich. Dabei ging es an diesem Wochenende nicht nur um das Ergebnis, sondern vor allem um die Frage, wie schnell sich Längenfelder an die deutlich aggressivere 450er gewöhnen würde.
Die Antwort kam schneller als erwartet.
Sofort auf Augenhöhe mit den 450-Spezialisten
Schon im ersten Lauf zeigte sich, dass Längenfelder nicht nach Dreetz gekommen war, um einfach nur Erfahrung zu sammeln. Auf der anspruchsvollen Tiefsandstrecke lieferte er sich über die komplette Distanz ein hochklassiges Duell mit Max Nagl. Beide schenkten sich nichts, fuhren unterschiedliche Linien und hielten das Rennen bis zur Zielflagge offen.
Am Ende setzte sich Längenfelder durch und holte direkt seinen ersten Laufsieg auf der 450er.
Auch am Sonntag blieb das Niveau extrem hoch. Im zweiten Rennen arbeitete sich Längenfelder zunächst an Nagl vorbei, übernahm später die Führung von Roan van de Moosdijk und kontrollierte das Rennen anschließend bis ins Ziel. Erst im dritten Lauf nahm er sichtbar etwas Tempo heraus und konzentrierte sich darauf, das Wochenende kontrolliert nach Hause zu bringen.
„Man darf eigentlich nie Vollgas geben“
Bemerkenswert war vor allem, wie offen Längenfelder selbst über die Umstellung sprach. Trotz der starken Ergebnisse machte er deutlich, dass die 450er fahrerisch deutlich mehr verlangt als seine gewohnte MX2-Maschine. „„Ich wusste vor dem Wochenende nicht, was ich auf dem großen Bike erwarten konnte, und habe von Session zu Session dazu gelernt“, erklärte Längenfelder nach dem Rennen.
Vor allem die enorme Leistung der KTM beschäftigte ihn über das gesamte Wochenende hinweg. „Man muss so ruhig bleiben und eigentlich nie Vollgas geben, weil sie so viel Leistung hat“, sagte der KTM-Werksfahrer. Gerade im dritten Lauf habe er gemerkt, wie anspruchsvoll das Motorrad über die Distanz wird.
Statt unnötiges Risiko zu gehen, entschied er sich bewusst dafür, das Rennen kontrolliert zu Ende zu fahren.
Bewusst keine Änderungen am Motorrad
Interessant war zudem seine Herangehensweise zwischen den Läufen. Während viele Fahrer bei einem Debüt permanent am Setup arbeiten würden, ließ Längenfelder das Motorrad das gesamte Wochenende unverändert. Der Grund dafür liegt vor allem in seinem klaren Fokus auf die laufende MX2-Weltmeisterschaft. Das 450-Debüt sollte kein großes Testprogramm werden, sondern eher eine zusätzliche Erfahrung unter Rennbedingungen.
„Ich bin fokussiert auf meine MX2-Saison dieses Jahr. Da ist es wichtiger, das MX2-Bike nach vorne zu bringen. Wenn ich jetzt hier anfange herumzutüfteln, bringt mich das vielleicht ein bisschen raus“, erklärte er.
Gerade dadurch wirkte der Auftritt noch beeindruckender. Ohne große Anpassungen bewegte sich Längenfelder sofort auf Augenhöhe mit Fahrern, die seit Jahren auf 450ern unterwegs sind.
Dreetz als echter Test
Hinzu kommt die Strecke selbst. Dreetz gilt als eine der körperlich härtesten Stationen im ADAC MX Masters Kalender. Tiefer Sand, ausgefahrene Spurrillen und lange Rennen machen das Wochenende selbst für erfahrene Fahrer extrem kräftezehrend.
Dass Längenfelder ausgerechnet dort bei seinem ersten Renneinsatz direkt um Siege kämpfen konnte, dürfte im MXGP-Fahrerlager aufmerksam registriert worden sein. Vor allem seine Ruhe auf dem Motorrad fiel auf. Während viele Fahrer auf der schwierigen Strecke permanent korrigieren mussten, wirkte Längenfelder erstaunlich kontrolliert.
Mehr als nur ein Gaststart?
Natürlich bleibt der Fokus des Deutschen weiterhin auf der MX2-Weltmeisterschaft. Trotzdem zeigte das Wochenende in Dreetz sehr deutlich, dass der spätere Schritt in die 450er-Klasse alles andere als problematisch wirken dürfte. Die Kombination aus Geschwindigkeit, Fahrgefühl und Rennintelligenz machte dieses Debüt zu einem der spannendsten Themen des Wochenendes.
Für die Fans in Dreetz war es gleichzeitig genau das, was man sich von einem solchen Gaststart erhofft: ein Weltmeister auf neuem Material – und sofort echtes Racing auf Topniveau.
