Pre-Race-Pressekonferenz in Dreetz liefert erste Einblicke

Das ADAC MX Masters Dreetz wurde mit der seit diesem Jahr eingeführten Pre Pressekonferenz gestartet.

Das ADAC MX Masters Dreetz wurde mit der seit diesem Jahr eingeführten Pre Pressekonferenz gestartet. / Foto: ADAC

Noch ist in Dreetz kein einziges Wertungsrennen gefahren. Trotzdem wurde bei der offiziellen Pre-Race-Pressekonferenz zur zweiten Runde der ADAC MX Masters bereits deutlich, in welche Richtung sich dieses Wochenende entwickeln könnte.

Mit Max Nagl, Roan van de Moosdijk, Tom Koch, Simon Längenfelder und Lokalmatador Peter König saßen gleich mehrere Fahrer mit unterschiedlichen Ausgangslagen am Tisch – und genau das machte die Runde interessant. Zwischen lockeren Sprüchen, technischen Details und ehrlichen Einschätzungen ging es immer wieder um dieselben Themen: tiefer Sand, Anpassung, Rennrhythmus und die Frage, wie sich Dreetz im Laufe des Wochenendes entwickeln wird.

Max Nagl wirkt entspannt – trotz perfektem Saisonstart

Dass Max Nagl als Tabellenführer nach Dreetz reist, war nach Grevenbroich wenig überraschend. Drei Laufsiege, Best Qualifier und maximale Punkteausbeute sprechen für sich. Interessant war allerdings eher die Art, wie Nagl über die Zeit seit dem Saisonauftakt sprach.

Keine übertriebene Anspannung, kein Gerede über Titelkampf oder Druck. Stattdessen erzählte er relativ offen davon, bewusst Abstand vom Motocross genommen zu haben – zumindest gedanklich. Rundstreckenrennen auf Asphalt, andere Atmosphäre, andere Fahrzeuge. Für ihn eher Entspannung als Vorbereitung.

Gerade deshalb wirkte Nagl bei der Pressekonferenz ungewöhnlich locker. Selbst der Titel Best-Qualifier in Grevenbroich ordnete er eher nüchtern ein. Die schnelle Einzelrunde sieht er selbst nicht als seine große Stärke. Viel wichtiger scheint für ihn aktuell das Gesamtpaket zu sein.

Für Dreetz erwartet er allerdings komplett andere Bedingungen als zuletzt. Noch tieferer Sand, mehr körperliche Belastung und eine Strecke, die sich über das Wochenende extrem verändern dürfte. Genau das macht Dreetz traditionell so speziell.

Van de Moosdijk bleibt ruhig – und denkt langfristig

Auch Roan van de Moosdijk machte einen kontrollierten Eindruck. Drei zweite Plätze zum Auftakt bedeuten zwar keinen Sieg, aber eine stabile Ausgangslage für die Meisterschaft. Und genau so klang der Niederländer auch.

Keine hektischen Änderungen, keine großen Aussagen. Stattdessen der Hinweis darauf, dass er sich traditionell eher im Verlauf einer Saison steigert. Die zusätzlichen Rennen in der MXGP World Championship scheinen dabei bewusst Teil seines Programms zu sein. Besonders Sardinien erwähnte er mehrfach positiv – auch wegen seines ersten Top-10-Ergebnisses in der MXGP.

Interessant dabei: Trotz des Rückstands auf Nagl sieht van de Moosdijk aktuell offenbar keinen Grund für größere Veränderungen am Motorrad oder im Training. Der Ansatz wirkt eher geduldig als aggressiv.

Tom Koch sieht Fortschritte

Bei Tom Koch ging es vor allem um Entwicklung. Nach einem Jahr Pause im ADAC MX Masters gelang ihm in Grevenbroich direkt wieder der Sprung aufs Gesamtpodium. Trotzdem hatte man nicht das Gefühl, dass er damit komplett zufrieden ist.

Vielmehr klang es so, als würde man aktuell gezielt versuchen, noch einmal einen Schritt nach vorne zu machen. Koch sprach davon, dass man in den vergangenen Wochen verschiedene Dinge getestet habe – unter anderem nach seinem Einsatz in Genthin. Vor allem im Bereich Fahrwerk und Setup scheint im Hintergrund gearbeitet worden zu sein.

Und genau das könnte in Dreetz entscheidend werden. Denn die Strecke gehört zu den anspruchsvollsten Sandkursen im Kalender. Wer dort nicht komplett im Motorrad vertraut, verliert schnell Zeit – und Kraft.

Simon Längenfelder zieht die größte Aufmerksamkeit auf sich

Der Mittelpunkt der Pressekonferenz war allerdings ohne Frage Simon Längenfelder.

Zum ersten Mal startet der amtierende MX2-Weltmeister auf einer 450er – und das direkt im tiefen Sand von Dreetz. Entsprechend groß war das Interesse an seinem ersten Eindruck vom Motorrad.

Überraschend dabei: Der Aufwand hinter dem Wechsel scheint deutlich kleiner gewesen zu sein, als viele erwartet hatten. Laut Längenfelder basiert das Motorrad stark auf seinem gewohnten 250er-Setup. Fahrwerksseitig fühle sich vieles ähnlich an. Der große Unterschied liege klar in der Motorcharakteristik.

Und genau davor zeigte er durchaus Respekt.

Die 450 „beißt schneller zurück“, wie er selbst sagte. Drei Trainingstage auf dem Motorrad seien zudem nicht besonders viel. Deshalb wolle er das Wochenende bewusst ruhig angehen und erst einmal seinen Rhythmus finden.

Gerade diese entspannte Herangehensweise machte den Eindruck fast noch interessanter. Denn gleichzeitig wurde deutlich, wie wohl sich Längenfelder aktuell insgesamt fühlt.

Deutschland statt Italien – und plötzlich passt vieles zusammen

Ein spannender Teil der Pressekonferenz entstand, als es um seinen Lebensmittelpunkt und das Training ging. Nach mehreren Jahren in Italien trainiert Längenfelder inzwischen wieder deutlich häufiger in Deutschland – und genau das scheint ihm aktuell gutzutun.

Neue Trainingspartner, neue Abläufe und mehr Eigenverantwortung beim Biketraining. Namen wie Tom Koch, Paul Haberland oder Igor Cuhar fielen dabei mehrfach. Einen klassischen Fahrtrainer nutzt er aktuell nicht mehr. Vieles organisiert er selbst.

Und genau diese Mischung aus Lockerheit und Eigenverantwortung scheint momentan zu funktionieren. Der Red Plate in der MX2-WM ist dafür das beste Argument.

Dreetz liefert schon vor dem ersten Rennen Spannung

Auch Lokalmatador Peter König machte bei der Pressekonferenz deutlich, wie besonders dieses Rennen für viele Fahrer ist. Heimrennen bedeuten in Dreetz traditionell entweder zusätzlichen Push – oder zusätzlichen Druck.

Die Erwartungen bleiben bei ihm trotzdem realistisch. Top-10 als Basis, vielleicht mehr, wenn alles zusammenpasst.

Und genau das beschreibt dieses Wochenende vermutlich ganz gut.

Noch ist nichts gefahren. Aber schon die Pressekonferenz zeigte, dass Dreetz deutlich mehr werden könnte als nur die zweite Runde der Saison. Zwischen 450-Premiere, tiefem Sand und mehreren Fahrern mit völlig unterschiedlichen Ausgangslagen entsteht gerade genau die Mischung, die solche Rennwochenenden interessant macht.