Chinas Motorradhersteller JHL greift in der MXGP an – mit Brian Hsu

Das chinesische JHL Factory Racing Team startet bim MXGP in Shanghai

Das chinesische JHL Factory Racing Team startet bim MXGP in Shanghai

Fährt Brian Hsu beim MXGP of China tatsächlich auf einem chinesischen Motorrad? Ein Blick auf die Starterliste für Shanghai liefert eine der interessanteren Geschichten des vorletzten Grand Prix der Saison. Dort taucht der Deutsche in der MXGP-Klasse als Fahrer von JHL Factory Racing auf – einem Hersteller, den bislang wohl nur wenige europäische Motocross-Fans auf dem Zettel hatten.

Und JHL kommt nicht allein mit einem Motorrad nach Shanghai. Nach der aktuellen Starterliste plant der chinesische Hersteller einen Einsatz in MXGP und MX2. Der Heim-GP soll damit zum ersten Auftritt des Werksteams auf WM-Niveau werden.

Das wurde inzwischen auch von den Veranstaltern in China bestätigt. Bereits im Juli kündigten sie an, dass Chongqing Junchi Motorcycle mit seinem JHL Factory Racing Team beim Grand Prix antreten werde.

Wer steckt hinter JHL?

Hinter der Marke steht die Chongqing Junchi Motorcycle Company. Der Hersteller kommt aus Chongqing, einem der großen Zentren der chinesischen Motorradindustrie, und beschäftigt sich seit Jahren mit Enduro- und Motocross-Motorrädern.

Auf seiner europäischen Webseite beschreibt JHL sich als Hersteller von Offroad-Bikes mit eigener Entwicklung. Andere Unternehmensinformationen nennen eigene Möglichkeiten für Design, Entwicklung und Tests. Die Motorräder werden laut Hersteller mit Unterstützung chinesischer Rennfahrer weiterentwickelt.

Bislang bewegte sich JHL allerdings in einer völlig anderen Welt als KTM, Honda, Yamaha, Kawasaki, Ducati, Triumph oder Beta. Im aktuellen Modellangebot finden sich verschiedene Enduro- und Motocross-Maschinen mit Hubräumen bis 450 Kubikzentimeter.

Ein Serienmotorrad im Katalog und ein konkurrenzfähiges MXGP-Bike sind allerdings zwei verschiedene Dinge. Was JHL für Shanghai technisch vorbereitet hat und wie viel vom bekannten Serienmaterial im WM-Motorrad steckt, lässt sich anhand der bisher verfügbaren Informationen noch nicht seriös beurteilen.

Ausgerechnet Brian Hsu fährt die 450er

Genau deshalb wird Brian Hsu interessant. Der Deutsche soll nach aktuellem Stand zusammen mit Yuzhang Li in der MXGP antreten. In der MX2 sind Italo Medina aus Ecuador und Haoyu Li aus China vorgesehen.

Hsu bringt zumindest einen Maßstab mit, den man bei einem solchen Projekt gebrauchen kann. Der Deutsche hat in seiner Karriere genügend verschiedene Motorräder gefahren und kennt das Niveau im internationalen Motocross. 2014 gewann er sowohl den Junioren-Weltmeistertitel in der 125er-Klasse als auch die EMX125.

Seine Karriere führte ihn später durch MX2, verschiedene nationale Meisterschaften und in den Supercross-Sport. Erst vor kurzem wurde Hsu als Fahrer des Stark Factory Teams für die World-Supercross-Meisterschaft vorgestellt.

Nun also JHL.

Das macht seinen Einsatz in Shanghai schon etwas ungewöhnlich. In der WSX fährt Hsu die elektrische Stark VARG, beim chinesischen Grand Prix soll er auf einer 450er des chinesischen Herstellers antreten. Ein dauerhafter Wechsel zu JHL lässt sich daraus nicht ableiten. Nach aktuellem Stand geht es um den Einsatz beim Heim-GP der Marke.

Was kann Hsu aus der JHL herausholen?

Bei einem neuen Motorrad ist die reine Rundenzeit nur ein Teil der Geschichte. Interessanter wird sein, wie sich die JHL über ein komplettes Moto verhält.

Wie gut funktioniert das Fahrwerk, wenn die Strecke härter und ausgefahrener wird? Wie kontrollierbar kommt die Leistung am Hinterrad an? Wie stabil bleibt das Bike beim Anbremsen und in schnellen Schlägen? Und kann Hsu damit die Linien fahren, die er fahren möchte, oder muss er sich dem Motorrad anpassen?

Gerade Hsu könnte dafür ein guter Gradmesser sein. Niemand erwartet von einem neuen chinesischen Hersteller beim ersten MXGP-Wochenende, dass er Honda, KTM oder Yamaha um die Ohren fährt. Wenn ein erfahrener Pilot mit dem Motorrad allerdings halbwegs in Schlagdistanz zu etablierten WM-Fahrern kommt, sieht die Sache schon anders aus.

Die Stoppuhr wird in Shanghai relativ schnell zeigen, wo JHL wirklich steht.

ZXMoto kommt dagegen offenbar nicht

An dieser Stelle muss man zwei chinesische Projekte klar voneinander trennen. JHL ist nicht ZXMoto.

Auch ZXMoto wurde zuletzt mit einem möglichen Einsatz beim MXGP of China in Verbindung gebracht. Nach unseren Informationen hat sich der Hersteller jedoch gegen einen Start in Shanghai entschieden. Statt das Projekt noch 2026 unter Rennbedingungen zu präsentieren, soll der Fokus nun auf der Vorbereitung für die Saison 2027 liegen.

JHL geht den anderen Weg und nutzt den Heim-GP für den direkten Vergleich.

Das ist durchaus mutig. Auf einer Teststrecke lässt sich viel entwickeln, aber ein MXGP-Wochenende lässt sich nur schwer simulieren. Training, Qualifying und zwei Motos bringen Belastungen mit sich, die bei normalen Tests kaum identisch nachgestellt werden können.

Mehr als ein chinesischer Gaststarter?

Noch lässt sich aus einem Grand Prix keine komplette WM-Strategie ableiten. Promoter Infront spricht allerdings ausdrücklich vom JHL Factory Racing Team und vom ersten Werkseinsatz eines chinesischen Motorradherstellers auf dieser Ebene.

Damit bekommt der Auftritt eine andere Bedeutung als die üblichen Wildcards einheimischer Fahrer, die beim China-GP auf Motorrädern etablierter Hersteller antreten. Ob daraus 2027 ein regelmäßiger MXGP-Einsatz entsteht, ist derzeit offen. In Shanghai lässt sich zunächst wesentlich einfacher beurteilen, wie ernst das Projekt sportlich schon zu nehmen ist.

Und aus deutscher Sicht wird man dabei vor allem auf eine Startnummer schauen. Brian Hsu auf einer chinesischen 450er gegen die Werksmotorräder der MXGP – diesen Vergleich gab es bislang noch nicht.