Wechselt Deegans Mechaniker ausgerechnet zu Cadillac in die Formel 1?

Brent Duffe und Haiden Deegan nach dem Gewinn der AMA West Coast Supercross Sasion 2026

Brent Duffe und Haiden Deegan nach dem Gewinn der AMA West Coast Supercross Sasion 2026. / Foto: Yamaha

Haiden Deegan verliert nach der Saison 2026 einen seiner engsten Wegbegleiter. Brent Duffe verlässt Monster Energy Yamaha Star Racing und wechselt nach Deegans Angaben in die Formel 1. Welches Team sich die Dienste seines langjährigen Mechanikers gesichert hat, verrieten die beiden bislang allerdings nicht.

Und genau da wird die Sache interessant. Denn Duffe verabschiedet sich nicht einfach von Star Racing und sucht sich den nächsten Job im amerikanischen Motocross. Er verlässt eine Welt, in der er praktisch sein gesamtes bisheriges Leben verbracht hat.

Duffe bestätigt seinen Abschied

Wer Deegans Weg in den vergangenen Jahren verfolgt hat, dürfte auch Duffe kennen. Er gehört seit dem Beginn von Haidens Profikarriere zu dessen direktem Umfeld und begleitete ihn durch die 250er-Jahre bis zum Wechsel auf die YZ450F.

Nach dem letzten Wochenende hat sich der Mechaniker selbst zu seinem bevorstehenden Abschied geäußert. Einen neuen Arbeitgeber nennt er nicht, seine Worte klingen allerdings ziemlich eindeutig danach, dass für ihn ein großer Abschnitt zu Ende geht.

„Wow, wie die Zeit vergeht! Ich habe mein ganzes Leben in dieser Motocross-Welt verbracht und jede Minute davon geliebt. Tage wie heute lassen mich all das noch einmal mehr schätzen, was mich bis hierher gebracht hat. Ich werde versuchen, all die besonderen Momente in diesen letzten Rennen noch einmal richtig aufzusaugen.“

Deegan hatte zuvor bereits erklärt, wohin die Reise gehen soll: Formel 1. Nach seinen Aussagen bekam Duffe dort eine berufliche Möglichkeit, die auch finanziell interessant ist. Der 450er-Rookie kann die Entscheidung nachvollziehen, obwohl ihm der Abschied seines Mechanikers alles andere als gelegen kommt.

Warum verlässt man einen der größten Stars im US-Motocross?

Auf den ersten Blick könnte man sich schon fragen, warum ein Mechaniker seinen Platz an der Seite eines Fahrers wie Deegan freiwillig aufgibt. Sportlich dürfte es momentan schließlich nur wenige interessantere Jobs im amerikanischen Motocross geben.

Deegan selbst lieferte dafür allerdings eine ziemlich nachvollziehbare Erklärung. Ein Factory-Mechaniker arbeitet eben nicht nur samstags beim Rennen. Die Bikes müssen zwischen den Veranstaltungen vorbereitet und neu aufgebaut werden, hinzu kommen Training, Tests, Entwicklung und die Reisen quer durch die USA.

„Diese Dirtbike-Rennen sind 24/7. Jeden einzelnen Tag. Die Jungs haben ehrlich gesagt kaum frei“, beschrieb Deegan den Alltag seiner Crew.

Wer diesen Rhythmus über Jahre mitmacht und irgendwann stärker an Familie und Zukunft denkt, dürfte eine andere Art von Job zumindest in Betracht ziehen. Wobei man auch hier vorsichtig sein sollte: Formel 1 ist nun wirklich nicht dafür bekannt, dass dort mittags der Hammer fällt und alle nach Hause gehen.

Welche Position Duffe dort übernehmen wird, wissen wir ebenfalls noch nicht. Dass sein neuer Job zwangsläufig direkt an einem Formel-1-Auto stattfinden wird, wäre deshalb reine Spekulation.

Der Zeitpunkt ist für Deegan nicht gerade ideal

Ausgerechnet jetzt verliert Deegan einen Mann, der ziemlich genau wissen dürfte, wie sein Fahrer ein Motorrad haben möchte. Der Wechsel von der YZ250F auf die YZ450F beschäftigt Star Racing seit Monaten, und zuletzt wurde sichtbar, wie intensiv das Team noch nach der richtigen Balance sucht.

Nach Unadilla wurde das Thema besonders deutlich. Deegan musste die 450er auf der zunehmend ausgefahrenen Strecke mit viel Körpereinsatz bewegen, während Chad Reed das Setup öffentlich ziemlich deutlich kritisierte. Deegan bestätigte später, dass man beim Fahrwerk nicht dort gewesen sei, wo man sein wollte.

Star Racing reagierte mit mehreren intensiven Testtagen. Es ging nicht nur ums Fahrwerk, sondern auch um die Leistungsentfaltung des Motors und darum, die vorhandene Power über ein komplettes Moto besser nutzbar zu machen.

In Budds Creek wirkte die Kombination bereits besser. Deegan konnte das Bike kontrollierter fahren und zeigte eines seiner bislang stärksten Motos auf der 450er.

Genau bei solchen Arbeiten spielt die Beziehung zwischen Fahrer und Mechaniker eine Rolle. Duffe kennt inzwischen die kleinen Aussagen und Reaktionen seines Fahrers. Wenn Deegan nach einem Turn sagt, was die Front macht oder wie sich das Heck beim Beschleunigen verhält, muss sein Gegenüber verstehen, was er damit meint.

Das kann ein neuer Mechaniker lernen. Es braucht aber Zeit.

Was will die Formel 1 mit einem Motocross-Mechaniker?

Eine YZ450F hat technisch ziemlich wenig mit einem aktuellen Formel-1-Auto gemeinsam. Duffes Erfahrung beschränkt sich allerdings nicht darauf, einen Einzylinder auseinander- und wieder zusammenzuschrauben.

Er kennt Factory-Racing, arbeitet unter Zeitdruck und ist daran gewöhnt, dass ein technisches Problem innerhalb kürzester Zeit gelöst werden muss. Zwischen zwei Motos gibt es schließlich keine Woche Entwicklungszeit.

Dazu kommen Setup-Arbeit, Tests, Daten, Fahrerfeedback und die Vorbereitung auf unterschiedliche Streckenbedingungen. Gerade die Fähigkeit, unter Rennbedingungen strukturiert zu arbeiten, lässt sich auch in andere Bereiche des Motorsports übertragen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Duffe künftig mit dem Schlagschrauber bei einem Formel-1-Boxenstopp stehen wird. Sein genauer Aufgabenbereich ist schlicht noch nicht bekannt.

Könnte Cadillac dahinterstecken?

Hier beginnt die Spekulation.

Das Cadillac Formula 1 Team wäre zumindest eine interessante Möglichkeit. Cadillac ist seit 2026 das elfte Team der Formel 1 und befindet sich noch mitten im Aufbau seiner langfristigen Strukturen. Hinter dem Projekt stehen General Motors und TWG Motorsports.

Besonders interessant ist der amerikanische Teil des Projekts. In Fishers, Indiana, unmittelbar im Großraum Indianapolis, entsteht der neue Hauptsitz des Teams. Die Anlage umfasst rund 400.000 Square Feet, umgerechnet etwa 37.000 Quadratmeter.

Parallel arbeitet Cadillac mit einer britischen Struktur in Silverstone. Das F1-Projekt verteilt sich damit auf mehrere Standorte und benötigt für den weiteren Aufbau entsprechend viel Personal.

Ein amerikanisches Formel-1-Team baut seine Mannschaft aus. Ein amerikanischer Factory-Mechaniker aus einem der größten Motocross-Teams verlässt seinen bisherigen Job und wechselt laut seinem Fahrer in die Formel 1. Und mit Indianapolis entsteht gerade ein großer neuer US-Standort.

Das passt zusammen. Mehr aber momentan auch nicht.

Es gibt bislang keine Bestätigung, dass Duffe zu Cadillac geht. Genauso wenig ist öffentlich bekannt, ob sein künftiger Arbeitsplatz überhaupt in den USA liegen wird. Mercedes, McLaren, Red Bull, Haas oder ein anderes Formel-1-Team lassen sich auf Grundlage der bisher bekannten Informationen nicht ausschließen.

Wer schraubt 2027 an Deegans Yamaha?

Aus Motocross-Sicht bleibt noch eine zweite offene Personalie. Star Racing braucht einen Nachfolger, der 2027 Deegans Bike übernimmt.

Und der bekommt keinen ganz einfachen Job.

Deegan ist auf der 450er noch mitten in seiner Entwicklung. Sein aggressiver Fahrstil stellt andere Anforderungen an das Motorrad als auf der 250er, und gerade die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass Motor, Fahrwerk und Balance zusammenpassen müssen. Mehr Leistung allein löst das Problem nicht.

Die YZ450F muss so funktionieren, dass Deegan über 30 Minuten plus zwei Runden seine Linien fahren kann, ohne unnötig Kraft zu verbrauchen. Genau daran haben Fahrer, Duffe und die restliche Star-Racing-Crew zuletzt intensiv gearbeitet.

Star Racing muss deshalb nicht einfach jemanden finden, der eine Yamaha perfekt vorbereitet. Der neue Mann muss Deegan kennenlernen und irgendwann aus wenigen Sätzen verstehen, was der Fahrer auf dem Motorrad tatsächlich spürt.

Duffe bleiben vorher noch ein paar gemeinsame Rennen. Und wenn man seine eigenen Worte liest, will er die offenbar bewusst genießen.

Wo danach sein neuer Werkzeugwagen steht, bleibt vorerst offen. Fishers wäre eine interessante Möglichkeit. Ob dort tatsächlich Cadillac auf Brent Duffe wartet, ist momentan aber nicht mehr als eine Spur.