Will SMX die WSX in Australien ausbremsen?

Mit der SMX Next Australia geht das amerikanische Pendant einen neuen Weg der Nachwuchsgewinnung

Mit der SMX Next Australia geht das amerikanische Pendant einen neuen Weg der Nachwuchsgewinnung

SMX und die australische AUSX Championship bauen gemeinsam ein Nachwuchsprogramm für Australien und Neuseeland auf. Offiziell geht es um bessere Chancen für junge Fahrer. Gleichzeitig rückt die amerikanische Serie damit ausgerechnet in zwei Märkte vor, auf die auch die FIM World Supercross Championship setzt.

Will SMX mit seinem neuen Australien-Programm nur den Nachwuchs fördern oder zugleich der WSX das Leben schwerer machen?

Fest steht zunächst: SMX Next Australia wird bei allen fünf Läufen der AUSX Championship ausgetragen. Die besten Fahrer erhalten anschließend die Möglichkeit, 2027 bei den SMX Next World All-Stars im Rahmen der amerikanischen Playoffs anzutreten.

Für junge Australier und Neuseeländer entsteht damit ein fester Weg in Richtung AMA Supercross, Pro Motocross und SMX. Bisher mussten Fahrer und Familien diesen Schritt weitgehend selbst organisieren. Nun können sie sich zunächst in ihrer Heimat zeigen und über die AUSX Championship für das amerikanische Programm empfehlen.

Das ist für den Nachwuchs erst einmal eine gute Nachricht. Wer sich allerdings ansieht, wo SMX sein erstes regionales Next-Programm platziert, kommt an der WSX kaum vorbei.

Mehr als ein zusätzliches Nachwuchsrennen

Australien und Neuseeland gehören zu den wichtigsten Märkten der FIM World Supercross Championship. Im Kalender 2026 stehen ein Lauf an der Gold Coast und das Saisonfinale in Christchurch. Zwei der sechs vorgesehenen Grands Prix finden damit genau in der Region statt, in der SMX nun eine feste Nachwuchsstruktur aufbaut. Die WSX fährt am 21. November in Australien und am 5. Dezember in Neuseeland.

SMX richtet dort keine eigene Profiserie aus. Das wäre auch unnötig, denn mit der AUSX Championship ist bereits eine funktionierende nationale Meisterschaft vorhanden. Sie bringt Veranstaltungsorte, Teams, Fahrer, Sponsoren und eine bestehende Fangemeinde mit. SMX muss sich lediglich daran anschließen.

Für beide Seiten passt das Geschäft. AUSX kann seinen jungen Fahrern einen Weg in die USA anbieten, während SMX Zugang zum australischen und neuseeländischen Nachwuchs bekommt. Die AUSX Championship spricht selbst von einer direkten Verbindung zum SMX World Championship.

Bislang hätte eine solche Rolle eigentlich gut zur WSX gepasst. Die Serie bezeichnet sich als weltweite Alternative zum amerikanischen Supercross und trägt Rennen auf mehreren Kontinenten aus. Unterhalb der beiden Profiklassen fehlt ihr jedoch eine erkennbare Nachwuchsstruktur.

SMX füllt nun diese Lücke – und zwar direkt vor der Haustür zweier WSX-Rennen.

Adam Bailey kennt beide Seiten

Interessant wird die Verbindung durch Adam Bailey. Der heutige Präsident der AUSX Championship war Mitbegründer von SX Global und zeitweise CEO der FIM World Supercross Championship. Er arbeitete am Finanzmodell, an den Teamlizenzen und an der sportlichen Struktur der neuen Weltmeisterschaft mit. SX Global beschrieb diese Aufgaben bei seiner Ernennung zum CEO ausführlich.

Bailey verließ SX Global im April 2024 und konzentrierte sich danach wieder stärker auf den australischen Supercross. Sein Ziel, die nationale Meisterschaft zur größten Serie außerhalb der USA zu entwickeln, hatte er bereits nach seinem Abschied formuliert.

Nun arbeitet er nicht mit seiner früheren WSX, sondern mit deren amerikanischem Konkurrenten zusammen.

Daraus einen persönlichen Rachefeldzug zu machen, wäre billig. Dafür gibt es keinen Beleg. Bailey kennt aber das Geschäft der WSX von innen. Er weiß, wie wichtig Australien und Neuseeland für eine Serie sind, die ihren weltweiten Anspruch mit internationalen Veranstaltungen begründen muss.

Dass ausgerechnet er nun SMX den Zugang zu diesen Märkten öffnet, hat deshalb zumindest eine gewisse Würze.

Kein offener Kampf um Termine

Gegen einen direkten Angriff spricht zunächst der Kalender. AUSX und WSX tragen keine Rennen am selben Tag aus.

Die AUSX-Saison beginnt am 3. Oktober in Townsville. Danach folgen Auckland, Geelong, Perth und Newcastle. Dazwischen liegen die beiden regionalen WSX-Grands-Prix. Wer der WSX über den Kalender schaden wollte, hätte den australischen GP problemlos mit einem AUSX-Lauf kollidieren lassen können. Das ist nicht passiert.

Stattdessen entsteht über sechs Wochen hinweg beinahe an jedem Samstag ein größeres Supercross-Rennen in Australien oder Neuseeland. Für die Fans kann das ziemlich gut werden. Auch Fahrer müssen sich nicht automatisch für eine der beiden Meisterschaften entscheiden.

Eine Terminblockade sieht anders aus.

Ganz ohne Auswirkungen bleibt die enge Abfolge trotzdem nicht. Sponsoren, Medien und Zuschauer verfügen schließlich nicht über unbegrenzte Budgets. Sechs große Veranstaltungen in sechs Wochen müssen in derselben Region vermarktet und bezahlt werden. Wenn sich AUSX mit Unterstützung von SMX stärker aufstellt, konkurriert die Serie zwangsläufig mit der WSX um Aufmerksamkeit.

SMX bindet die Fahrer früh

Der wichtigere Kampf dürfte ohnehin nicht an der Abendkasse stattfinden, sondern beim Nachwuchs.

SMX Next Australia zeigt jungen Fahrern eine klare Richtung: Wer in der AUSX Championship auffällt, kann sich für die World All-Stars empfehlen und dort amerikanischen Teams präsentieren. Das Ziel liegt damit in den USA und nicht in der SX2-Klasse der WSX.

Für australische und neuseeländische Talente ist dieser Weg nicht neu. Chad Reed, Jett und Hunter Lawrence sowie Cole Davies haben vorgemacht, welche Möglichkeiten dort warten. Neu ist, dass dieser Weg nun offiziell mit der nationalen Meisterschaft verbunden wird.

Die WSX arbeitet dagegen hauptsächlich mit fertigen Profis. Sie verpflichtet bekannte Fahrer aus den USA oder Europa, bietet jungen Fahrern darunter aber bislang kaum eine eigene Leiter nach oben.

Kurzfristig wird SMX Next Australia der WSX deshalb keine Stars wegnehmen. Die Fahrer des neuen Programms stehen noch am Anfang ihrer Laufbahn. Langfristig kann es aber einen Unterschied machen, ob Talente bereits früh Kontakte zu amerikanischen Teams aufbauen oder die WSX als mögliche nächste Stufe betrachten.

SMX setzt früher an.

Der Kampf um den weltweiten Anspruch

SMX und WSX bieten unterschiedliche Meisterschaften an. Die WSX reist durch mehrere Länder und besitzt den Status einer FIM-Weltmeisterschaft. SMX verbindet AMA Supercross und Pro Motocross mit seinen Playoffs, findet sportlich aber fast vollständig in den USA statt.

Trotzdem tragen beide das Wort Weltmeisterschaft im Namen.

Mit SMX Next Australia kann die amerikanische Organisation ihren internationalen Anspruch besser verkaufen. Das eigentliche Racing bleibt zwar in den USA, doch die Suche nach den nächsten Fahrern beginnt nun auf einem anderen Kontinent.

Sollte Australien nur der Anfang sein und SMX ähnliche Programme in Europa, Asien oder Südamerika aufbauen, hätte die League irgendwann ein weltweites Netz an Nachwuchsserien. Für die WSX wäre das unangenehm. Sie würde zwar weiterhin international fahren, könnte den jungen Fahrern in diesen Ländern aber keinen vergleichbaren Aufstieg anbieten.

Noch ist das Zukunftsmusik. Bisher existiert nur das australische Programm.

Druck auf die WSX

Dass SMX und AUSX die WSX mit dieser Partnerschaft gezielt beschädigen wollen, lässt sich nicht belegen. Weder in der Ankündigung noch im Kalender findet sich ein offener Angriff. Die beiden WSX-Grands-Prix können stattfinden, und auch ein direkter Terminkonflikt wurde vermieden.

Neutral ist die Entscheidung trotzdem nicht.

SMX verankert seine Marke in zwei Ländern, die für die WSX eine große Rolle spielen. Die League bindet dort junge Fahrer an das amerikanische System und nutzt dafür eine Serie, die von einem früheren WSX-Mitgründer geführt wird.

Damit verliert die WSX nicht sofort Zuschauer oder Fahrer. Sie verliert aber die Möglichkeit, sich in Australien und Neuseeland als einziger internationaler Weg im Supercross zu präsentieren.

Ob SMX Next Australia der WSX tatsächlich schadet, hängt deshalb weniger von der ersten Saison ab. Entscheidend wird sein, ob weitere Länder folgen, wie stark die besten AUSX-Talente in das amerikanische System eingebunden werden und ob die WSX eine eigene Antwort für den Nachwuchs findet.

Tut sie das nicht, könnte SMX ihr einen Teil des Unterbaus wegnehmen, bevor dieser überhaupt richtig entstanden ist.