MXoN Team Estland – Leok is back

MXoN Team Estland wieder mit einem Leok

MXoN Team Estland wieder mit einem Leok

Gehört der Name Leok einfach zum estnischen MXoN-Team? Mehr als zwei Jahrzehnte lang konnte man diese Frage eigentlich mit einem klaren Ja beantworten. Tanel Leok vertrat sein Land über Jahre beim Motocross of Nations und wurde zu einer festen Größe im estnischen Team. 2025 war damit erst einmal Schluss. Kein Leok in der Mannschaft, kein Leok hinter dem Startgatter.

Die Pause dauerte genau ein Jahr.

Beim MXoN 2026 in Ernée steht der Name wieder auf der Starterliste. Diesmal gehört er Sebastian Leok. Gemeinsam mit Jörgen-Mathias Talviku und Harri Kullas bildet er das estnische Team für Frankreich.

Damit wird eine Geschichte fortgesetzt, die sein Vater über mehr als 20 Jahre geprägt hat.

Vom Vater zum Sohn

Tanel Leok und das Motocross of Nations – das gehörte über einen ziemlich langen Zeitraum zusammen. Generationen von Fahrern kamen und gingen, während der Este immer wieder für sein Land am Start stand.

2025 fehlte der Name Leok schließlich im Aufgebot. Ein kleines Detail in einer Starterliste vielleicht, aber eines, das auffiel, wenn man das Nations schon etwas länger verfolgt.

Nun übernimmt Sebastian.

Dass ausgerechnet Ernée Schauplatz seines ersten MXoN wird, passt dabei ganz gut. Estland verbindet mit der französischen Strecke eines seiner besten Ergebnisse beim Nations. 2015 belegte die Mannschaft dort Rang vier und stellte damit ihr bis heute bestes Ergebnis ein. Harri Kullas war damals bereits dabei.

Für Sebastian ist die Sache neu. Der Name dagegen ganz und gar nicht.

Sebastian hat sich seinen Platz erarbeitet

Die Nominierung lebt natürlich von der Familiengeschichte, sportlich verdient hat sich Sebastian seinen Platz aber selbst.

Der junge Este hat 2026 vor allem in der EMX250 seinen Speed gezeigt und auch im ADAC MX Masters auf sich aufmerksam gemacht. Einen Lauf konnte er dort bereits gewinnen. Gerade seine jüngsten Rennen haben gezeigt, dass er auch dann zurechtkommt, wenn die Strecke schwieriger wird.

Harri Kullas hat diese Entwicklung ebenfalls beobachtet.

„Sebastian hat sich sehr gut entwickelt und ein starkes Jahr gefahren. Besonders seine letzten Rennen haben gezeigt, dass er auf schwierigen Strecken gut unterwegs ist“, sagt Kullas.

Teammanager Martin Arumäe traut seinem jungen Fahrer sogar noch etwas mehr zu. Dabei bringt er ein Detail ins Spiel, das interessant werden könnte: Leok trainiert nicht ausschließlich auf der 250er.

„Ich würde gerne glauben, dass Sebastian uns mehr überraschen kann, als wir denken. Er hat tatsächlich auch auf einem größeren Motorrad, einer 350er, trainiert, und das wissen viele gar nicht. Auf dem größeren Bike ist er unglaublich schnell und steht unseren beiden anderen Fahrern in nichts nach.“

Ganz ohne Probleme verlief Leoks Saison trotzdem nicht. Arumäe spricht von Stürzen, Kollisionen und Situationen am Start, die immer wieder bessere Ergebnisse verhindert hätten. Beim Speed sieht er dagegen weniger Fragezeichen.

Und vielleicht hilft beim ersten Nations auch, dass Sebastian noch gar nicht so genau weiß, was dort alles auf ihn zukommt.

„Er ist noch so jung und im positiven Sinne unbelastet“, sagt Arumäe. „Vielleicht hat er diese Angst oder Nervosität noch nicht in sich, die manche erfahrenere Fahrer haben. Ich glaube, er fährt da raus, ohne sich groß einen Kopf zu machen.“

Tanel ist weiterhin dabei

Der Staffelstab wird also weitergereicht, verschwunden ist Tanel Leok deshalb noch lange nicht.

Sebastians Vater ist eng in dessen Entwicklung eingebunden und soll auch bei den Überlegungen zur endgültigen Klassenverteilung eine Rolle spielen. Teammanager Arumäe will diese gemeinsam mit den Fahrern und Tanel festlegen.

Viel bessere Unterstützung dürfte Sebastian bei seinem ersten MXoN kaum bekommen können. Sein Vater kennt dieses Rennen schließlich nicht aus Erzählungen, sondern aus mehr als zwei Jahrzehnten eigener Erfahrung.

Auch Talviku sieht wenig Anlass, seinem jungen Teamkollegen vor Ernée einen langen Ratgeber mitzugeben.

„Eigentlich habe ich für Seb keinen besonderen Rat. Mental wurde er unter Tanels Führung schon ziemlich gut vorbereitet“, erklärt Talviku. Einen Punkt gibt er ihm dann doch mit: „Das hier ist keine One-Man-Show. Alle Jungs müssen bis zum Ende kämpfen.“

Gerade dieser Satz trifft das Nations ziemlich gut.

Talviku und Kullas bringen die Erfahrung

Während Sebastian sein MXoN-Debüt gibt, kommen seine beiden Teamkollegen mit reichlich internationaler Rennpraxis nach Frankreich.

Talviku war 2026 bei mehreren WM-Läufen als Ersatzfahrer für das Fantic-Werksteam unterwegs und bewegte sich in der MXGP teilweise in Richtung Top Ten. Für ihn ist vor allem die Intensität der Weltmeisterschaft etwas, das er mit nach Ernée nehmen kann.

Auch die Strecke selbst ist für ihn kein unbekanntes Terrain. „Ich mag Ernée. Wenn ich an meine bisherigen Rennen dort zurückdenke, hat mir die Strecke meistens gut gelegen“, sagt Talviku.

Kullas kommt dagegen gerade aus Kanada zurück, wo er die Meisterschaft auf Rang zwei beendet hat. Einige der dortigen Strecken seien Ernée ähnlich gewesen, weshalb er sogar auf Erfahrungen beim Bike-Setup zurückgreifen könne.

Und Kullas weiß eben auch, wie sich ein richtig gutes Nations-Wochenende in Ernée anfühlt. Er gehörte 2015 zu jener estnischen Mannschaft, die dort Vierter wurde.

Für 2026 setzt er das erste Ziel trotzdem bewusst etwas niedriger an: Am Samstag direkt ins A-Finale einziehen, danach kann gerechnet werden. Die Top Ten hält er mit dieser Mannschaft für machbar.

Wer fährt welche Klasse?

Noch nicht endgültig geklärt ist die Aufteilung auf MXGP, MX2 und Open. Die aktuelle Variante sieht Talviku in der MXGP und Kullas in der Open-Klasse. Bei der endgültigen Entscheidung soll aber nicht nur der Speed eine Rolle spielen.

Auch die Reihenfolge der Motos am Sonntag ist wichtig. Während der MXGP-Fahrer zwischen seinen beiden Einsätzen ein Rennen Pause hat, müssen die Fahrer der anderen Klassen ihre Läufe direkt hintereinander bestreiten.

Arumäe will deshalb abwarten, in welcher körperlichen Verfassung seine Fahrer nach Ernée kommen und die Sache anschließend gemeinsam mit ihnen und Tanel Leok durchsprechen.

Vor dem Nations ist außerdem ein gemeinsamer Trainingstag in Frankreich geplant.

Ein Jahr ohne Leok reicht

Estland fährt seit Jahrzehnten zum Motocross of Nations und hat sich dabei immer wieder gegen wesentlich größere Nationen behauptet. Auch 2026 lautet das Ziel zunächst Top Ten. Wenn alles zusammenpasst, darf es gerne weiter nach vorne gehen.

Talviku bringt aktuelle MXGP-Praxis mit. Kullas kommt mit einer starken Saison aus Kanada und kennt Ernée bestens. Und dann ist da Sebastian, bei dem selbst sein Teammanager noch nicht genau weiß, was bei seinem ersten Nations möglich ist.

Für die estnischen Fans dürfte aber schon die Starterliste etwas Vertrautes haben.

2025 ging das MXoN einmal ohne Leok über die Bühne. 2026 ist der Name zurück – nur steht jetzt Sebastian davor.