ZXMOTO-Chef Zhang Xue: „In fünf bis zehn Jahren wollen wir einen chinesischen Weltmeister“
ZXMoto Gründer Zhang Xue im Interview beim MXGP of China 2026
Wie ernst meint es ZXMOTO mit dem Einstieg in die Motocross-Weltmeisterschaft? Beim MXGP of China stellte sich Firmenchef Zhang Xue den Fragen chinesischer Journalisten – und sprach dabei erstaunlich offen über Fahrer, Erwartungen für 2027 und den Rückstand des chinesischen Nachwuchses. Nur bei der letzten Frage war das Gespräch ziemlich abrupt beendet.
ZXMOTO hat angekündigt, ab 2027 mit einem eigenen Projekt in der MXGP anzutreten. In Shanghai bestätigte Zhang nun, dass die Vorbereitungen bereits laufen. Die Teamstruktur sei vertraglich auf den Weg gebracht, bei der Fahrersuche befinde man sich dagegen noch in Gesprächen.
Und gerade dort scheint es intern unterschiedliche Vorstellungen zu geben.
Zhang würde für den Einstieg offenbar am liebsten gleich einen Fahrer aus der ersten Reihe verpflichten. Sein Racing Director sieht die Sache etwas nüchterner und hat ihn nach eigener Aussage darauf hingewiesen, dass solche Fahrer vor allem eines sind: verdammt teuer.
Zhang nahm das mit Humor. Für das erste Jahr könnte ZXMOTO deshalb bei der Fahrerwahl etwas konservativer vorgehen.
Interessant ist das auch vor dem Hintergrund unserer Informationen, wonach ZXMOTO 2027 voraussichtlich auf die Strukturen des derzeit von Jacky Martens geführten Fantic-Werksteams zurückgreifen wird. Ein komplett neues Team würde damit möglicherweise gar nicht entstehen. Der Hersteller und die Motorräder wären neu, ein Teil der Mannschaft dahinter dagegen nicht.
Podium statt großer Ansagen
Bei den sportlichen Erwartungen hielt sich Zhang entsprechend zurück.
Das erste Jahr soll vor allem dazu dienen, das Motorrad unter echten WM-Bedingungen weiterzuentwickeln. Momentan könne man schließlich nur an Problemen arbeiten, die bereits bekannt seien. Andere Schwächen würden zwangsläufig erst sichtbar, wenn das Motorrad tatsächlich gegen die etablierten MXGP-Bikes eingesetzt werde.
Genau dafür brauche man den Rennbetrieb.
Als Schwerpunkt für 2027 nannte Zhang deshalb vor allem Zuverlässigkeit und Performance des Motorrads. Statt gleich von Siegen oder einer WM-Platzierung zu sprechen, formulierte er ein deutlich vorsichtigeres Ziel: Ein oder zwei Podiumsplatzierungen im ersten Jahr wären offenbar bereits ein Ergebnis, mit dem man bei ZXMOTO leben könnte.
Für einen Hersteller, der neu in eine Klasse mit Honda, KTM, Yamaha, Kawasaki, Ducati und Triumph kommt, ist das zumindest keine völlig abgehobene Ansage.
Die Frage wird ohnehin sein, welchen Fahrer ZXMOTO letztlich auf das Motorrad setzt. Denn Zhang machte ziemlich deutlich, dass er die Bedeutung eines schnellen Fahrers nicht unterschätzt. Nur muss man ihn eben auch bezahlen können.
Für chinesische Talente reicht China allein nicht
Noch interessanter wurde das Gespräch, als es um den chinesischen Nachwuchs ging. Zhang zeichnete dabei kein besonders romantisches Bild vom aktuellen Stand. Wer als chinesischer Nachwuchsfahrer irgendwann internationales Niveau erreichen wolle, müsse seiner Ansicht nach früh nach Europa oder in die USA.
Seine Einschätzung war ziemlich eindeutig: Für die Kinder, die momentan noch auf 85ern unterwegs sind, könne es eine Chance geben – vorausgesetzt, die Familien seien bereit, diesen Schritt mitzugehen. Ausschließlich in China zu trainieren, reiche nach seiner Einschätzung derzeit nicht aus, um später auf internationalem Topniveau anzukommen.
ZXMOTO will dabei offenbar selbst helfen.
Der Hersteller unterstützt bereits junge Fahrer bei Trainingsaufenthalten in Europa. 2027 soll dieses Programm ausgeweitet werden. Mehr Nachwuchsfahrer sollen die Möglichkeit bekommen, außerhalb Chinas zu trainieren, gleichzeitig will ZXMOTO einen größeren Teil der dabei entstehenden Kosten übernehmen.
Dahinter steckt ein ziemlich langfristiger Plan.
Innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre möchte ZXMOTO einen chinesischen Weltmeister hervorbringen.
Welche Meisterschaft oder Klasse Zhang damit konkret meinte, wurde in der Fragerunde nicht näher eingegrenzt. Der Anspruch zeigt trotzdem, dass sich das Engagement nicht allein auf zwei MXGP-Motorräder für 2027 beschränken soll.
Auch im eigenen Umfeld wird bereits der nächste Schritt vorbereitet. Zhang erklärte, dass sein Sohn inzwischen eine 125er und auch die eigene MX250 fährt und sich damit auf die nächste Klasse vorbereitet.
Sicherheit vor Ergebnis
Bei einigen Fragen war Zhang dagegen deutlich knapper. Zur Schwierigkeit und Gestaltung der umgebauten Strecke in Shanghai wollte er keine fachliche Einschätzung abgeben. Dafür bezeichnete er sich selbst nicht als ausreichend qualifiziert.
Auf die Frage, was aus dem aktuellen Renneinsatz gelernt werden könne, wurde er konkreter. Es fehle noch an Fahrpraxis, und beim Start brauche es neben Technik auch die notwendige Entschlossenheit. Trotzdem setzte er eine klare Reihenfolge: Sicherheit komme zuerst, der Spaß danach.
Auch für Hobbyfahrer hatte er einen ziemlich bodenständigen Rat. Training bei professionellen Anbietern, erfahrene Fahrer im eigenen Umfeld und vor allem möglichst viel Zeit auf dem Motorrad seien aus seiner Sicht der sinnvollste Weg, das eigene Niveau zu verbessern.
Große Marketingbotschaften sehen anders aus.
Und dann war Schluss
Über weite Teile der Fragerunde wirkte Zhang ohnehin wenig daran interessiert, aus jeder Vorlage eine lange PR-Antwort zu machen. Auf die Frage, was sich beim China-GP gegenüber dem Vorjahr verändert habe, antwortete er sinngemäß schlicht: nichts. Verbesserungsvorschläge für den Veranstalter hatte er ebenfalls keine – aus seiner Sicht werde das Rennen bereits gut organisiert.
Eine Frage nach einem möglicherweise erfüllten persönlichen Traum durch die Rennsportaktivitäten seines Sohnes war ihm wiederum zu philosophisch. Die wollte er gar nicht beantworten. Zum Schluss ging es dann um eine mögliche technische Zusammenarbeit zwischen chinesischen Herstellern. Zhang erklärte zunächst, dass es bislang keinen entsprechenden Austausch gegeben habe.
Die letzte Frage zielte anschließend auf den Stand der chinesischen Zulieferer bei Kraft- und Schmierstoffen für die inzwischen weitgehend in China entwickelten Motorräder. Darauf gab es keine Antwort mehr.
Zhang bedankte sich bei den anwesenden Journalisten – und verließ den Raum.
Damit endete eine Fragerunde, die an anderer Stelle durchaus mehr geliefert hatte: ZXMOTO will 2027 in der MXGP zunächst das Motorrad auf WM-Niveau bringen, würde gerne einen Spitzenfahrer verpflichten, hält ein oder zwei Podien im ersten Jahr für ein realistisches Ziel und investiert parallel in chinesische Nachwuchsfahrer.
Vor allem der letzte Punkt reicht weit über den geplanten MXGP-Einstieg hinaus. ZXMOTO will nicht nur ein chinesisches Motorrad in die Weltmeisterschaft bringen.
Langfristig soll auch ein chinesischer Fahrer vorne stehen.
