Der Motor der JHL MX350 von Brian Hsu
Der Motor der in der JHL MX350 von Brian Hsu steckt
Was steckt tatsächlich in der JHL MX350, mit der Brian Hsu an diesem Wochenende die MXGP-Premiere der chinesischen Marke bestreitet? Die technischen Unterlagen bestätigen, was die Typenbezeichnung vermuten ließ: In der JHL arbeitet ein Motor mit 349,7 Kubikzentimetern.
Das Triebwerk trägt die interne Bezeichnung ZS188MP und stammt von Zonsen Power aus Chongqing. Es handelt sich um einen flüssigkeitsgekühlten Viertakt-Einzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, vier Ventilen und einer Ausgleichswelle. Sein ursprüngliches Einsatzgebiet liegt im Enduro-Bereich, wie uns Daniel Hu, Sales Director von JHL, mitteilte.
Bohrung und Hub betragen 88 beziehungsweise 57,5 Millimeter. Der Motor ist damit kurzhubig ausgelegt. Das Verdichtungsverhältnis wird mit 13,0:1 angegeben.
Rund 45,5 PS bei 9.500 Umdrehungen
Laut Datenblatt erreicht das Serientriebwerk eine maximale Leistung von 33,5 Kilowatt bei 9.500 Umdrehungen pro Minute. Das entspricht rund 45,5 PS. Das maximale Drehmoment wird mit 36 Newtonmetern bei 8.500 Umdrehungen angegeben.
Diese Serienwerte sind für Hsus MXGP-Start besonders interessant: Nach Aussage seines Vaters wurden an Brians Motor keine Veränderungen vorgenommen. Die bislang offene Frage nach einer Leistungssteigerung durch Eingriffe am Triebwerk stellt sich damit nicht. Eine Messung der konkreten Rennmaschine liegt uns allerdings nicht vor.
Die Leistungskurve zeigt, dass der Motor seine Kraft vor allem über die Drehzahl entwickelt. Ab etwa 6.500 Umdrehungen steigt die Leistung deutlich an. Das Drehmoment erreicht zwischen 8.000 und 9.000 Umdrehungen sein stärkstes Niveau, bevor beide Kurven in Richtung 10.000 Umdrehungen wieder leicht abfallen.
Sechsganggetriebe und Elektrostart
Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsganggetriebe. Verbaut ist eine per Seilzug betätigte Mehrscheibenkupplung im Ölbad. Gestartet wird der Motor elektrisch. Die Schmierung arbeitet nach Herstellerangaben mit Druck- und Schleuderschmierung.
Mit Abmessungen von 372 × 279,5 × 423 Millimetern fällt das Aggregat kompakt aus. Sein angegebenes Nettogewicht beträgt 28,8 Kilogramm. Der Hersteller verweist auf ein neu entwickeltes Motorgehäuse und eine möglichst leichte Konstruktion der einzelnen Komponenten.
Die Ausgleichswelle soll Vibrationen reduzieren. Das kann im Motocross sowohl den Fahrer entlasten als auch die Beanspruchung von Rahmen und Anbauteilen verringern.
Die 350er als erster Schritt
Mit einem serienmäßigen 350er-Motor gegen die etablierten MXGP-Maschinen anzutreten, ist eine ungewöhnliche Entscheidung. Dass der Hubraum grundsätzlich auf WM-Niveau funktionieren kann, zeigte Antonio Cairoli: Er gewann mehrere seiner Motocross-Weltmeisterschaften auf der KTM 350 SX-F.
Inzwischen haben moderne 250er-Viertakter bei der Leistung zugelegt, während die 450er die MXGP-Klasse dominieren. KTM und Husqvarna halten mit der 350 SX-F beziehungsweise FC 350 dennoch an diesem Hubraum fest.
JHL arbeitet bereits an der nächsten Stufe. Wie uns Hu mitteilte, befindet sich ein 450-Kubik-Motor seit geraumer Zeit im Testbetrieb. Die Marke möchte ihn beim Grand Prix von China im kommenden Jahr einsetzen. Das Rennen soll im Mai 2027 stattfinden.
Für Hsus Premiere rückt damit das Gesamtpaket in den Mittelpunkt: Was kann die JHL MX350 mit einem unveränderten Serienmotor gegen die eigens für den Rennsport entwickelten Maschinen der Konkurrenz ausrichten?
