Herlings gewinnt auch in China

Jeffrey Herlings gewinnt MXGP of China 2026

Jeffrey Herlings gewinnt MXGP of China 2026

Der WM-Titel ist längst entschieden, doch beim MXGP of China machte der Honda-Pilot dort weiter, wo er zuletzt aufgehört hatte. Herlings gewann in Shanghai beide Wertungsläufe und damit auch den Grand Prix. Romain Febvre wurde Zweiter, Tom Vialle komplettierte als Dritter das Podium.

Vor allem Febvre sorgte dafür, dass Herlings am Sonntag nicht einfach nur seine Runden abspulte. Im zweiten Moto kam der Kawasaki-Pilot gegen Ende noch einmal näher. Für einen Angriff reichte es nicht mehr, doch Herlings musste bis zum Schluss arbeiten.

Der Niederländer sprach anschließend selbst von einer Dominanz, die ihn inzwischen ein wenig an seine Jahre 2018 oder 2016 erinnert. Seit Foxhills habe er jedes Moto gewonnen. Und obwohl zuletzt unterschiedliche Fahrer Druck machen konnten, fand bisher keiner den Weg an ihm vorbei.

China brachte nun den nächsten Doppelsieg.

Febvre bringt Herlings noch einmal unter Druck

Ganz so deutlich, wie das Ergebnis aussieht, verlief zumindest der zweite Lauf nicht.

Herlings setzte sich zunächst ab, kämpfte aber mit den ungewöhnlich feuchten Bedingungen in Shanghai. Seine Brille beschlug, gleichzeitig versuchte er über die Tear-Offs möglichst lange freie Sicht zu behalten. Die Temperaturen empfand er dabei gar nicht als das große Problem. Vielmehr war es die hohe Luftfeuchtigkeit, die er in dieser Form aus Europa kaum kennt.

Febvre kam damit offenbar besser zurecht. Der Franzose hatte einen guten Start und konnte sich von Beginn an vorne festsetzen. Genau darin sah er nach dem Rennen auch einen wesentlichen Grund für seine starke Vorstellung.

Aus seiner Sicht habe sich weder am Training noch grundsätzlich an seiner Herangehensweise etwas verändert. Der Unterschied sei viel einfacher: Wer als Zweiter oder Dritter aus den ersten Kurven kommt, kann mit den Fahrern an der Spitze mitgehen. Wer dagegen als Siebter startet, hat eine ganz andere Aufgabe vor sich.

Im zweiten Moto arbeitete sich Febvre in den letzten Runden tatsächlich noch einmal an Herlings heran. Zwei Runden vor Schluss war der Abstand klein genug, um zumindest über einen möglichen Angriff nachzudenken.

Dann wurde es beinahe noch teuer.

Auf einem kleinen Table bekam Febvre beim Absprung einen Kick, kam quer und landete seitlich über das Vorderrad. Er fing die Kawasaki ab, nahm danach aber das Risiko heraus. Das Wochenende war bis dahin praktisch fehlerfrei gelaufen – und wegen eines letzten Angriffs wollte er das offenbar nicht mehr wegwerfen.

Herlings brachte den Sieg ins Ziel.

Febvre sicherte sich mit Rang zwei gleichzeitig den zweiten Platz in der MXGP-Weltmeisterschaft. Für den Kawasaki-Piloten war genau das zunächst das wichtigste Ergebnis des Wochenendes. In Australien kann er nun ohne diese Rechnung im Hinterkopf noch einmal auf einen GP-Sieg losgehen.

Vialle muss nach dem Podium ins Krankenhaus

Für Tom Vialle endete Shanghai mit dem vierten Podium in Folge, allerdings auch mit einem Krankenhausbesuch.

Der Honda-Pilot war bereits im Warm-up gestürzt. Der Abflug selbst war nach seiner Beschreibung nicht besonders heftig, die Folgen dafür unangenehm. Vialle biss sich die Zunge auf und zog sich außerdem eine tiefere Wunde unterhalb des Kopfes beziehungsweise im Kinnbereich zu, die nach dem Rennen genäht werden musste.

Das erste Moto bekam er trotzdem noch ordentlich über die Distanz. Im zweiten Lauf änderte sich die Situation.

Nach ungefähr 15 bis 17 Minuten fehlte ihm zunehmend die Energie. Vialle hatte in den Tagen zuvor schlecht geschlafen und konnte am Renntag wegen der verletzten Zunge kaum essen. Unter den ohnehin feuchten Bedingungen in Shanghai war irgendwann nicht mehr viel im Tank.

Dass es trotzdem zum dritten Gesamtrang reichte, setzt seine starke Serie fort.

Vialle selbst merkt inzwischen ebenfalls, dass er mit der Honda besser zusammenfindet. Seine letzten Rennen funktionierten nicht nur auf Hardpack, sondern auch im Sand von Arnhem. Statt einzelner guter Motos bekommt er seine Ergebnisse inzwischen regelmäßig über das komplette Wochenende zusammen.

Für Australien hat er deshalb noch ein Ziel: Herlings schlagen.

Dabei will er nicht auf Biegen und Brechen ein unnötiges Risiko eingehen. Wenn das Gefühl stimmt, möchte er beim Finale aber alles versuchen.

Herlings will auch die letzte Zahl noch vollmachen

Für Herlings geht es längst nicht mehr um die Meisterschaft. Trotzdem hat er sich für Australien noch etwas vorgenommen.

Neben einem 13. GP-Sieg der Saison spielt dabei eine kleine Statistik eine Rolle, die sich inzwischen verselbstständigt hat. Seine Serie aus gewonnenen Sessions und Rennen ist über die vergangenen Wochen immer weiter angewachsen. Herlings selbst misst ihr sportlich keine große Bedeutung bei, möchte sie nun aber trotzdem bis zum Saisonende durchziehen.

Das passt zu dem Lauf, den der sechsmalige Weltmeister momentan hat.

Kay de Wolf konnte ihn zuletzt fordern, Vialle machte ihm Druck und in Shanghai hing Febvre im zweiten Moto bis kurz vor Schluss hinter ihm. Herlings gewann trotzdem weiter.

Er weiß allerdings selbst, dass diese Serie irgendwann endet. Dass ihn wieder jemand schlagen wird, sieht er ziemlich entspannt.

Nur wenn es nach ihm geht, bitte noch nicht in Australien.

Denn dort steht noch ein Grand Prix aus. Und nach seinem nächsten perfekten Wochenende in Shanghai fehlt Herlings offenbar wenig Motivation, auch den letzten noch mitzunehmen.