Camden McLellan hält den Titelkampf bis Australien offen

Camden McLellan gewann den MXGP of China 2026 in der MX2 und hält seine Titelchancen am Leben

Camden McLellan gewann den MXGP of China 2026 in der MX2 und hält seine Titelchancen am Leben. / Foto: Ralph Marzahn

Warum wird Camden McLellan ausgerechnet dann richtig schnell, wenn ein Moto fast vorbei ist? Beim MXGP of China war dieses Muster wieder zu sehen. Der Triumph-Pilot brauchte Zeit, um seinen Rhythmus zu finden, wurde hinten raus stärker und gewann am Ende den Grand Prix. Und das, obwohl er körperlich alles andere als fit nach Shanghai gekommen war.

Guillem Farres machte den Triumph-Doppelsieg perfekt und behält das Red Plate. Liam Everts wurde Dritter. Die Entscheidung um den MX2-Titel fällt damit erst beim Saisonfinale in Australien. 

McLellan hatte genau das erreichen wollen. Nicht, weil er sich selbst noch große Chancen auf die WM ausrechnet. Für ihn war die Rechnung einfacher: Wenn er den Titelkampf bis Australien offenhält, muss er in China ein verdammt gutes Wochenende gefahren sein.

Hat er.

Dabei fühlte er sich nach eigener Aussage weit entfernt von 100 Prozent. Besonders am Samstag ging es ihm nicht gut, und auch am Sonntag war der Körper nicht dort, wo er normalerweise sein sollte. 

Warum kommt McLellan erst so spät in Fahrt?

Sein Speed war trotzdem da. Nur eben nicht sofort. McLellan sieht darin selbst eine seiner Baustellen. Zu Beginn eines Motos fehlt ihm momentan teilweise das Vertrauen, direkt das Tempo anzuschlagen, das er später fahren kann. Farres bekommt genau das besser hin. 

Interessant ist, was McLellan aus diesem Problem macht.

Wenn der Start nicht passt und er sich durchs Feld arbeiten muss, ist er gezwungen, nach anderen Linien zu suchen. Er probiert mehr aus und setzt sich daraus nach einigen Runden eine schnellere Runde zusammen. Startet er dagegen vorne, bleibt er nach eigener Einschätzung zu leicht bei einer Linie hängen, selbst wenn sie irgendwann nicht mehr die beste ist. 

Das erklärt zumindest einen Teil davon, warum McLellan gegen Ende eines Rennens häufig stärker aussieht als am Anfang.

Im zweiten Moto hing er lange hinter Farres und wartete. Erst in den letzten fünf Minuten legte er noch einmal nach. Viel früher wollte er diesen Angriff offenbar auch gar nicht starten, denn bei hoher Herzfrequenz wurde ihm aufgrund seines angeschlagenen Zustands zunehmend übel. 

Im ersten Lauf funktionierte diese Einteilung besser, im zweiten kam er mit seiner Schlussattacke nicht mehr ganz hin. Für den GP-Sieg genügte es trotzdem.

Farres fährt nicht mehr nur gegen McLellan

Bei Farres hat sich die Ausgangslage inzwischen verändert. Natürlich will auch er Rennen gewinnen, aber inzwischen sitzt das Red Plate bei jeder Entscheidung mit auf dem Motorrad.

Der Spanier hatte bereits am Samstag gewonnen und damit den ersten Gate-Pick. Ausgerechnet im ersten Moto misslang dann der Start. Farres kam ungefähr als Sechster durch die zweite Kurve und musste sich anschließend nach vorne arbeiten. Das war auf der engen Strecke nicht ganz einfach. 

Im zweiten Moto lief es besser. Farres wollte an Simon Längenfelder vorbei und vorne seinen eigenen Rhythmus fahren. Gleichzeitig musste er nicht mehr jedes Risiko eingehen.

Das hat er mittlerweile selbst ausgesprochen: Natürlich denkt er an die Meisterschaft. Eigentlich immer. Bisher hat er es nur nicht unbedingt gezeigt.

Wer Farres in China beobachtet hat, konnte beide Seiten sehen. Als sich eine Möglichkeit bot, ging er durchaus aggressiv zur Sache. Wenn der nächste Angriff dagegen nicht zwingend nötig war, blieb er auch mal hinter einem Konkurrenten und nahm die Situation so, wie sie war. 

Ganz ohne Fehler ging es trotzdem nicht. Bei einem Versuch, Druck auf Längenfelder aufzubauen, verlor Farres in einer Kurve das Hinterrad. Everts nutzte die Gelegenheit und ging vorbei, größeren Schaden richtete der Ausrutscher aber nicht an. 

Genau solche Situationen zeigen, wie schmal der Grat inzwischen ist. Farres hat einen Vorsprung, mit dem er arbeiten kann. Wer aber anfängt, nur noch Punkte zu zählen, kann schnell seinen Rhythmus verlieren.

Danach sah es in Shanghai nicht aus.

Für Everts ist dieses Podium mehr als Platz drei

Liam Everts hatte in China noch eine ganz andere Geschichte im Gepäck.

Shanghai ist für ihn mit schlechten Erinnerungen verbunden. Zwei Jahre zuvor stand seine Karriere nach einem schweren Unfall an diesem Ort offenbar sogar auf der Kippe. Entsprechend offen sprach er darüber, dass China für ihn mental kein einfaches Wochenende ist. 

Am Samstag tat er sich erneut schwer. Sonntagmorgen war das Gefühl plötzlich da.

Im ersten Moto steigerte sich Everts im Verlauf des Rennens und kam noch auf Rang drei. Im zweiten musste er zunächst an Längenfelder vorbei, hing anschließend hinter Farres und war damit wieder mitten in der Spitzengruppe. Ein verpasster Bremspunkt kostete ihn schließlich die Position gegen McLellan. 

Am Motorrad hatte das Team nur Kleinigkeiten verändert. Everts suchte die Erklärung deshalb weniger beim Setup als bei sich selbst. 

Dass er China diesmal mit einem Podium verlässt, dürfte deshalb anders wirken als irgendein dritter Platz im Laufe einer langen Saison.

In Australien ändern sich die Rollen

Farres reist mit dem Red Plate zum Finale. Er hat den Vorsprung und kann rechnen. McLellan kann sich diese Rechnerei weitgehend sparen. Das könnte die Rollen in Australien ziemlich klar verteilen. Farres muss erkennen, wann sich ein Angriff lohnt und wann die Punkte wichtiger sind. McLellan dagegen hat kaum einen Grund, etwas zu verwalten.

Dafür muss er allerdings eine Sache besser hinbekommen als in China: früher im Moto auf Geschwindigkeit kommen.

Denn darauf zu vertrauen, dass man sich in den letzten fünf Minuten schon irgendwie an die Spitze fährt, funktioniert nicht jedes Wochenende.

In Shanghai hat es gereicht. Und deshalb muss Farres sein Red Plate noch einmal verteidigen.

Ergebnis MXGP of China 2026 – MX2