MXGP mitten in Shanghai: China-GP startet mit Medientermin am Huangpu River

MXGP Piloten beim Media Event am Huangpu River in Shanghai

MXGP Piloten beim Media Event am Huangpu River in Shanghai

Wie bringt man Motocross in einer Stadt mit rund 24,8 Millionen Einwohnern überhaupt zu den Menschen?Infront Moto Racing versucht es beim diesjährigen China-GP nicht nur mit dem Rennen außerhalb des unmittelbaren Stadtzentrums. Zwei Tage vor dem ersten Start wurde die MXGP mitten nach Shanghai gebracht.

Am Freitag trafen sich ausgewählte Fahrer am West Bund Dream Center direkt am Huangpu River. Statt Rennstrecke, Fahrerlager und Teamtrucks gab es dort Autogramme, eine Bühne und einen kleinen Bereich, in dem Kinder auf Elektromotorrädern ihre Runden drehen konnten.

Die MXGP zeigte sich dort, wo am Wochenende normalerweise kaum jemand zufällig an einem Motocross-Rennen vorbeikommt: mitten in einer der größten Städte der Welt.

Shanghai kommt derzeit auf rund 24,8 Millionen ständige Einwohner. Entsprechend groß ist theoretisch das Publikum, das eine Weltmeisterschaft hier erreichen kann. Motocross gehört allerdings nicht automatisch zum Alltag dieser Millionenstadt.

Herlings, Vialle und die MX2-Spitze mitten in der Stadt

Für den Termin hatte Infront entsprechend einige bekannte Namen aus dem Fahrerlager zusammengetrommelt.

Der bereits als MXGP-Weltmeister 2026 feststehende Jeffrey Herlings war gemeinsam mit seinem Honda-HRC-Petronas-Teamkollegen Tom Vialle dabei. Triumph schickte mit Guillem Farres und Camden McLellan die beiden Fahrer, die am Wochenende den Kampf um die MX2-Weltmeisterschaft fortsetzen.

Dazu kamen unter anderem Andrea Adamo, Liam Everts, Calvin Vlaanderen, Ferruccio Zanchi, Jeremy Seewer, Kevin Horgmo, Julius Mikula sowie die Australier Byron Dennis und Dylan Walsh.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte allerdings zwei Fahrern gegolten haben, die man im normalen MXGP-Paddock bislang nicht findet.

Brian Hsu und Li Yuzhang vertraten JHL Factory Racing. Der chinesische Hersteller gibt an diesem Wochenende mit einer Wildcard sein MXGP-Debüt. Für Hsu ist der Auftritt ohnehin speziell. Er hat deutsche und taiwanesische Wurzeln, spricht Mandarin und startet mit der JHL LX350R ausgerechnet beim Heimrennen des Herstellers erstmals gegen die etablierten MXGP-Werksteams.

Dass JHL beim offiziellen Termin mitten in Shanghai vertreten war, passt deshalb besser zur Geschichte dieses Grand Prix als manches Plüschtier, das anschließend noch an die Fahrer verteilt wurde.

China soll mehr als nur ein Überseerennen werden

Denn hinter dem China-GP steckt inzwischen mehr als der Versuch, einen weiteren Punkt auf der Weltkarte der MXGP abzuhaken.

JHL macht an diesem Wochenende den Anfang. Für 2027 haben mit KOVE und ZXMOTO bereits zwei weitere chinesische Hersteller komplette MXGP-Programme angekündigt.

Damit verändert sich auch die Bedeutung des Rennens in Shanghai.

Bislang brachte Infront seine Weltmeisterschaft nach China und versuchte, dort ein Publikum für MXGP aufzubauen. Ab 2027 sollen chinesische Hersteller selbst Bestandteil dieser Weltmeisterschaft werden. Ob daraus automatisch eine große Motocross-Begeisterung entsteht, wird man sehen müssen. Ein heimischer Hersteller bietet dem Publikum aber zwangsläufig einen anderen Bezug als ein Feld ausschließlich europäischer und japanischer Marken.

Dazu passt auch die Terminverschiebung für das kommende Jahr. 2027 findet der China-GP nicht mehr im September statt, sondern bereits am 2. Mai. Damit fällt das Rennen in die chinesischen Feiertage rund um den 1. Mai.

Infront bekommt damit die Gelegenheit, aus dem Grand Prix mehr zu machen als ein Rennen, das vor allem für die WM und internationale Zuschauer interessant ist.

Der Auftritt am West Bund Dream Center war ein kleiner Teil davon.

Auf der Strecke geht es um mehr

Am Samstag wird die Bühne am Huangpu River ohnehin schnell zur Nebensache.

In der MXGP ist die wichtigste Entscheidung bereits gefallen. Jeffrey Herlings reist als Weltmeister nach Shanghai, während die Positionen hinter ihm noch nicht endgültig vergeben sind.

In der MX2 sieht es anders aus. Dort geht der Titelkampf zwischen Guillem Farres und Camden McLellan weiter. Dass ausgerechnet die beiden Triumph-Teamkollegen am Freitag gemeinsam beim Medientermin standen, war deshalb eine nette Randnotiz. Sobald das Gatter fällt, ist es damit vorbei.

Und dann gibt es noch JHL.

Für Brian Hsu und Li Yuzhang dürfte das Wochenende weniger daran gemessen werden, ob sie sich plötzlich mit den etablierten Werksteams anlegen können. Interessanter wird sein, wo die LX350R unter echten MXGP-Bedingungen steht.

Damit bekommt der China-GP 2026 neben den offenen WM-Platzierungen noch eine zweite Geschichte.

In einer Stadt mit rund 24,8 Millionen Einwohnern versucht die MXGP gerade, sich ein Stück Aufmerksamkeit zu holen. Gleichzeitig stehen chinesische Hersteller erstmals davor, selbst dauerhaft Teil dieser Weltmeisterschaft zu werden.

Der Termin mitten in Shanghai war dafür die Präsentation. Ab heute liefert die Strecke die interessanteren Antworten.