MXGP-Kalender 2027: Entzerrt Infront die WM endlich etwas?
Der MXGP Kalender 2027 beinhaltet 20 Rennen auf 4 Kontinenten. / Foto: IMR
20 Grands Prix bleiben 20 Grands Prix. Trotzdem wirkt der vorläufige MXGP-Kalender für 2027 an einigen Stellen so, als hätte man sich die Belastung für Fahrer und Teams etwas genauer angesehen.
FIM und Infront Moto Racing haben den ersten Kalender für die Saison 2027 veröffentlicht. Wieder geht es über vier Kontinente, wieder stehen 20 Grands Prix auf dem Programm. Der erste fällt bereits auf den 28. Februar, der letzte auf den 3. Oktober. Eine Woche später wartet mit dem Motocross of Nations in Assen noch der eigentliche Saisonabschluss.
Wer nur die Anzahl der Rennen betrachtet, wird also kaum einen Unterschied erkennen. Interessanter wird es beim Blick auf deren Verteilung.
Vor allem der Juli fällt auf. Zwischen Foxhills am 27. Juni und Loket am 25. Juli liegt tatsächlich fast ein kompletter Monat ohne MXGP. Dazu wandert China vom September in den Mai und nach dem Australien-GP bleiben zwei Wochen bis zum WM-Finale.
Ganz ohne Fragezeichen kommt der Kalender allerdings nicht aus. Mehrere Austragungsorte fehlen noch, und ausgerechnet der Termin unmittelbar vor Australien ist bislang komplett offen.
Start im Februar – und früh nach Argentinien
Los geht es am 28. Februar in Almonte. Der spanische Austragungsort, der erst 2026 in den Kalender aufgenommen wurde, bekommt damit bereits im zweiten Jahr den Saisonauftakt. Neben MXGP und MX2 startet dort auch die WMX in ihre Saison.
Danach geht es direkt über den Atlantik. Am 14. März steht Bariloche und damit der MXGP von Argentinien auf dem Programm.
Es folgen Montevarchi am 28. März und Riola Sardo bereits eine Woche später. Danach geht es am 18. April zu einem bislang noch nicht näher benannten spanischen Austragungsort und am 25. April nach Pietramurata.
Bis dahin ist das ein ziemlich klassischer Mix aus Überseerennen und europäischen Grands Prix.
Dann kommt Shanghai.
Der chinesische Grand Prix wird 2027 nicht mehr im September gefahren, sondern bereits am 2. Mai. Der Termin liegt damit mitten in den chinesischen Feiertagen rund um den 1. Mai und dürfte nicht zufällig gewählt worden sein.
Vor allem bekommt dieses Rennen 2027 sportlich eine völlig andere Bedeutung. Mit KOVE und ZXMOTO wollen gleich zwei chinesische Hersteller in die MXGP einsteigen. Wenn deren Pläne wie angekündigt umgesetzt werden, kommen sie beim China-GP erstmals mit ihren eigenen MXGP-Werksteams vor heimischem Publikum an den Start.
Damit wird aus Shanghai mehr als nur der nächste Übersee-GP.
Deutschland bleibt im Juni
Nach China kehrt der Tross wieder nach Europa zurück. Portugal steht am 23. Mai im Kalender, allerdings noch ohne Strecke. Eine Woche später kehrt Saint Jean d’Angély zurück, nachdem dort zuletzt 2025 ein Grand Prix ausgetragen wurde.
Dann folgen Kegums am 13. Juni, Teutschenthal am 20. Juni und Foxhills am 27. Juni.
Der deutsche Grand Prix bleibt damit auf seinem gewohnten Platz im Frühsommer. Gleichzeitig bekommt Teutschenthal 2027 wieder die WMX ins Programm.
Nach Foxhills passiert dann etwas, das für Fahrer und Teams wahrscheinlich wichtiger ist als mancher neue Austragungsort.
Es passiert nämlich erst einmal gar nichts.
Fast vier Wochen lang.
Der nächste Grand Prix findet erst am 25. Juli in Loket statt. Dazwischen wird am 18. Juli zwar die Junioren-Weltmeisterschaft in Pärnu ausgetragen, MXGP und MX2 haben damit aber tatsächlich eine längere Pause.
Bei 20 Grands Prix und den inzwischen üblichen Reisen durch Europa, Asien, Südamerika und Australien ist das keine Kleinigkeit. Verletzungen auskurieren, testen oder einfach einmal ein Wochenende nicht irgendwo zwischen Flughafen und Fahrerlager verbringen – dafür gibt es mitten in der Saison endlich etwas Platz.
Dass die WM dadurch insgesamt entspannter wird, wäre allerdings zu viel gesagt. Nach der Pause geht es direkt mit Loket und eine Woche später Lommel weiter. Viel Zeit, um langsam wieder in den Rhythmus zu kommen, gibt es also nicht.
Was passiert am 12. September?
Nach Lommel folgen Uddevalla am 15. August und Arnhem am 22. August. Am 5. September geht es nach Afyonkarahisar.
Und dann taucht im Kalender der derzeit interessanteste freie Platz auf.
Für den 12. September ist ein Grand Prix vorgesehen, aber weder Land noch Strecke stehen bislang fest. Nur sieben Tage später soll bereits in Darwin gefahren werden.
Damit wird die Frage nach diesem Austragungsort durchaus wichtig.
Sollte Infront einen weiteren GP in der Region unterbringen, könnte daraus eine halbwegs sinnvolle Übersee-Kombination mit Australien werden. Sollte am 12. September dagegen noch irgendwo in Europa gefahren werden, wartet auf die Teams innerhalb weniger Tage wieder eine ordentliche logistische Nummer.
Solange der Austragungsort nicht feststeht, lässt sich dieser Teil des Kalenders kaum sinnvoll bewerten.
Und es ist nicht der einzige offene Punkt. Für Spanien am 18. April und Portugal am 23. Mai fehlen ebenfalls noch die Strecken. Selbst beim Schweizer Saisonfinale am 3. Oktober ist der Austragungsort noch nicht bestätigt.
Der Begriff „vorläufiger Kalender“ steht also nicht ohne Grund darüber.
Vier Wochen Pause – dafür ein spätes Ende
Die Sommerpause wird außerdem an anderer Stelle bezahlt.
Nach Darwin am 19. September geht es erst am 3. Oktober mit dem Schweizer Grand Prix weiter. Dort sollen die WM-Titel endgültig entschieden werden.
Damit zieht sich die MXGP-Saison bis in den Oktober.
Und wer dann glaubt, nach 20 Grands Prix endlich den Koffer in die Ecke stellen zu können, sollte ihn besser noch eine Woche offen lassen.
Am 10. Oktober folgt das Motocross of Nations in Assen.
Für die Niederländer ist die Rückkehr besonders interessant. Zuletzt fand das MXoN dort 2019 statt. Damals holten Jeffrey Herlings, Glenn Coldenhoff und Calvin Vlaanderen vor heimischem Publikum den ersten niederländischen Nations-Sieg.
2027 geht es wieder nach Assen. Für die Fahrer, die eine Woche zuvor möglicherweise noch bis zum letzten Moto um den WM-Titel kämpfen, ist der Abstand allerdings alles andere als großzügig.
Ein Sturz beim Finale, eine kleinere Verletzung oder einfach die Belastung einer kompletten Saison – sieben Tage später interessiert das beim Nations niemanden mehr.
Die WMX bleibt überschaubar
Während MXGP und MX2 ihre 20 Grands Prix bekommen, bleibt die Frauen-Weltmeisterschaft bei sechs Veranstaltungen.
Die WMX startet am 28. Februar in Andalusien. Danach folgen Montevarchi, Teutschenthal, Arnhem und Afyonkarahisar, bevor die Saison am 19. September in Darwin endet.
Gerade zwischen Montevarchi am 28. März und Teutschenthal am 20. Juni klafft damit allerdings ein gewaltiges Loch.
Fast drei Monate ohne WM-Lauf sind für eine Weltmeisterschaft schon eine ziemlich lange Pause. Dazu kommt mit Australien erneut ein Überseerennen, das für kleinere Teams und Privatfahrer finanziell eine andere Hausnummer ist als ein Wochenende irgendwo in Europa.
Bei MXGP und MX2 versucht der Kalender also zumindest etwas mehr Luft zwischen einzelne Blöcke zu bekommen. Bei der WMX bleibt dagegen die alte Frage, wie man mit nur sechs weit auseinanderliegenden Veranstaltungen eine wirklich runde Weltmeisterschaft aufbauen will.
Der endgültige Kalender kann daran noch etwas verändern. Vor allem der unbekannte Grand Prix am 12. September wird zeigen, wie gut die zweite Saisonhälfte tatsächlich geplant ist.
Denn 20 Rennen müssen nicht automatisch zu viele sein. Entscheidend ist auch, wie man diese 20 Rennen verteilt. Und genau da sieht der erste Entwurf für 2027 an einigen Stellen besser aus als ein Kalender, der Fahrer und Teams einfach von Wochenende zu Wochenende weiterschickt.
